1. September 2026
Lesezeit 5 Minuten

Inflation in der Eurozone steigt auf 3,3 Prozent – Spanien deutlich stärker betroffen

Die Inflation steigt in der Eurozone auf 3,3 Prozent – in Spanien liegt sie mit 4,5 Prozent noch deutlich höher (Credit: Vardan Papikyan/Unsplash)

Die Teuerung im Euroraum zog im August kräftig an. Vor allem die explodierenden Energiepreise treiben die Inflation aktuell auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren. In Spanien liegt die harmonisierte Inflationsrate mit 4,5 Prozent sogar deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Für die Europäische Zentralbank steigt damit der Druck, die Zinsen im September erneut anzuheben.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Die Inflation in der Eurozone hat im August einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Nach vorläufigen Daten von Eurostat stieg die jährliche Teuerungsrate von 2,9 Prozent im Juli auf 3,3 Prozent im August. Damit entfernt sich die Inflation erneut deutlich vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die mittelfristig eine Rate von zwei Prozent anstrebt.

Hauptverantwortlich für den neuen Preisschub sind die Energiepreise. Sie lagen im August 14,3 Prozent über dem Vorjahresniveau, nachdem der Anstieg im Juli noch bei 10,3 Prozent gelegen hatte. Gleichzeitig entwickelten sich andere wichtige Preisbereiche deutlich moderater. Die Inflation bei Dienstleistungen verlangsamte sich von 3,3 auf 3,0 Prozent, während die Preise für nichtenergetische Industriegüter um 1,2 Prozent und Lebensmittel, Alkohol und Tabak ebenfalls um 1,2 Prozent zulegten.

Spanien steht noch stärker unter Preisdruck

Besonders aufmerksam dürfte die Entwicklung in Spanien verfolgt werden. Während die Inflation im Euroraum bei 3,3 Prozent liegt, kommt Spanien im harmonisierten Verbraucherpreisindex (IPCA) im August auf 4,5 Prozent.

Nach den vorläufigen Daten des spanischen Statistikamtes INE lag die nationale Verbraucherpreisinflation bei 4,3 Prozent und damit sieben Zehntel höher als im Juli. Die Kerninflation, bei der Energie und unverarbeitete Lebensmittel herausgerechnet werden, ging dagegen leicht auf 2,9 Prozent zurück. Der harmonisierte Index, der einen direkten Vergleich mit den anderen Euro-Ländern ermöglicht, stieg auf 4,5 Prozent.

Damit liegt Spanien mehr als einen Prozentpunkt über dem Durchschnitt der Eurozone. Die Entwicklung ist deshalb besonders relevant, weil Spanien noch im Sommer bereits zu den größeren Volkswirtschaften mit vergleichsweise hoher Inflation gehörte. Im Juli lag die harmonisierte Inflationsrate Spaniens bei 3,9 Prozent. Innerhalb eines Monats hat sich der Abstand zum Euroraum damit nochmals vergrößert.

Energiekrise treibt die Preise erneut nach oben

Der aktuelle Inflationsschub hat vor allem einen geopolitischen Hintergrund. Die Energiepreise sind infolge der anhaltenden Spannungen und des Konflikts im Nahen Osten stark gestiegen. Besonders die Entwicklungen auf den internationalen Öl- und Gasmärkten wirken sich zunehmend auf die europäischen Verbraucherpreise aus.

Für Haushalte bedeutet das zunächst höhere Kosten für Kraftstoffe und Energie. Der Effekt endet jedoch nicht an der Tankstelle oder auf der Energierechnung. Steigende Energiepreise verteuern auch Transport, Produktion und Logistik. Unternehmen geben einen Teil dieser zusätzlichen Kosten anschließend über höhere Preise an ihre Kunden weiter.

Genau darin liegt das größte Risiko für die EZB: Aus einem zunächst externen Energieschock könnte ein breiterer und länger anhaltender Inflationsdruck entstehen.

Die gute Nachricht: Die Kerninflation bleibt vergleichsweise unter Kontrolle

Trotz des deutlichen Anstiegs der Gesamtinflation gibt es einen wichtigen Unterschied zu früheren Inflationsschocks. Die sogenannte Kerninflation ist wesentlich stabiler. Im Euroraum sank sie im August sogar leicht auf 2,4 Prozent. Auch in Spanien ging die nationale Kerninflation nach den vorläufigen INE-Daten leicht auf 2,9 Prozent zurück.

Das spricht dafür, dass der derzeitige Preisschub noch stark von den Energiepreisen geprägt wird und sich bislang nicht vollständig auf die gesamte Wirtschaft übertragen hat.

Für die EZB ist das entscheidend. Denn die Notenbank kann weder Öl noch Erdgas billiger machen. Sie kann jedoch versuchen zu verhindern, dass der Energieschock zu dauerhaft höheren Löhnen, Preisen und Inflationserwartungen führt.

EZB vor erneuter Zinserhöhung im September

Die neuen Inflationsdaten erhöhen deshalb den Druck auf die Europäische Zentralbank. Die EZB hatte ihren Einlagensatz zuletzt bei 2,25 Prozent belassen und eine Entscheidung über weitere Zinsschritte auf die kommenden Monate verschoben. Bereits im Juli wurde erwartet, dass eine mögliche Zinserhöhung im September erneut auf die Tagesordnung kommen könnte.

Nun rechnen die Finanzmärkte weitgehend mit einer Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent bei der Sitzung im September. Es wird berichtet, dass eine solche Erhöhung angesichts der neuen Inflationsdaten inzwischen nahezu vollständig eingepreist ist.

Für die EZB ist die Situation allerdings kompliziert. Denn gleichzeitig ist die wirtschaftliche Dynamik im Euroraum nicht besonders stark. Die Notenbank hatte ihre Wachstumserwartungen für 2026 zuletzt auf lediglich 0,8 Prozent reduziert.

Die Zentralbank steht damit vor einem klassischen Dilemma: Zu hohe Inflation spricht für höhere Zinsen – eine schwache Wirtschaft spricht dagegen.

Was bedeutet das für Spanien?

Für Spanien könnte die Situation besonders unangenehm werden. Die spanische Wirtschaft ist zwar weiterhin vergleichsweise dynamisch, gleichzeitig trifft die hohe Inflation die Kaufkraft der Haushalte. Wenn Energie, Transport und alltägliche Dienstleistungen teurer werden, bleibt den Verbrauchern weniger Geld für andere Ausgaben.

Besonders problematisch ist dabei, dass Spanien die Geldpolitik nicht selbst steuern kann. Der Leitzins wird von der EZB für den gesamten Euroraum festgelegt. Das bedeutet: Selbst wenn die spanische Regierung oder die spanische Wirtschaft niedrigere Zinsen benötigen würden, kann die Banco de España nicht eigenständig den Leitzins senken.

Die aktuell höhere Inflation in Spanien könnte sogar das Gegenteil bewirken: Die EZB muss die Zinsen möglicherweise länger hoch halten, obwohl nicht alle Länder der Eurozone denselben Inflationsdruck erleben.

Hypotheken und Kredite könnten wieder teurer werden

Die möglichen Folgen sind für spanische Haushalte unmittelbar spürbar. Eine erneute Zinserhöhung würde vor allem die Finanzierungskosten beeinflussen. Besonders betroffen sind variable Hypotheken und neue Kredite. Bereits Ende August war der Euribor wieder deutlich gestiegen und hatte zeitweise die Marke von drei Prozent überschritten.

Sollte die EZB die Zinsen tatsächlich auf 2,50 Prozent anheben, könnten die Finanzierungskosten weiter steigen. Für Haushalte mit variabler Hypothek bedeutet das potenziell höhere monatliche Raten. Auch Unternehmen müssen bei einer höheren Kreditfinanzierung mit zusätzlichen Kosten rechnen.

Auf der anderen Seite profitieren Sparer grundsätzlich von höheren Zinsen, sofern Banken die gestiegenen Refinanzierungskosten an ihre Kunden weitergeben.

Noch kein neues Inflationsszenario wie 2022

Trotz der alarmierenden Schlagzeilen sollte die aktuelle Entwicklung nicht mit der großen Inflationswelle von 2022 gleichgesetzt werden. Der entscheidende Unterschied ist die Kerninflation. Während der damalige Preisschock wesentlich breiter auf die Wirtschaft übergriff, kommt der aktuelle Anstieg vor allem aus dem Energiesektor.

Auch die Entwicklung bei den Dienstleistungen ist ein wichtiger Hinweis: Ihre Inflationsrate ist im August von 3,3 auf 3,0 Prozent gefallen. Das deutet darauf hin, dass sich der Preisdruck außerhalb der Energie bisher nicht gleichermaßen beschleunigt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie hoch der Ölpreis heute ist, sondern wie lange die Energiepreise auf diesem Niveau bleiben.

Was passiert als Nächstes?

Für die kommenden Monate wird die Entwicklung der Energiepreise zum entscheidenden Faktor. Sollten sich Öl und Gas wieder verbilligen, könnte die Inflation im kommenden Jahr deutlich nachlassen. Ein Teil des aktuellen Preisanstiegs würde dann durch sogenannte Basiseffekte aus der Jahresrate verschwinden.

Bleiben die Energiepreise dagegen dauerhaft hoch, könnte der Druck auf die EZB weiter steigen. Dann wäre eine Zinserhöhung im September möglicherweise nicht der letzte Schritt.

Genau dieses Risiko beobachten die Märkte derzeit besonders aufmerksam. Möglicherweise könnte die EZB nach einer eventuellen September-Erhöhung zunächst abwarten. Sollten die Energiepreise jedoch weiter steigen und sich die Inflation stärker auf Löhne und Dienstleistungen übertragen, könnten weitere Zinsschritte notwendig werden.

Für Spanien ist die Entwicklung besonders brisant

Die Zahlen aus Madrid machen deutlich, dass Spanien derzeit stärker mit Inflation zu kämpfen hat als der Euroraum insgesamt. 4,5 Prozent harmonisierte Inflation in Spanien gegenüber 3,3 Prozent in der Eurozone – der Abstand beträgt 1,2 Prozentpunkte. Gleichzeitig liegt die spanische Kerninflation mit 2,9 Prozent wesentlich näher am europäischen Niveau.

Das deutet darauf hin, dass auch in Spanien ein erheblicher Teil des aktuellen Inflationsproblems mit Energie und anderen volatilen Komponenten zusammenhängt. Dennoch bleibt die Belastung für die Verbraucher real: Höhere Preise für Mobilität, Energie und alltägliche Ausgaben reduzieren die Kaufkraft.

Für die EZB wird damit die Balance immer schwieriger. Sie muss verhindern, dass die aktuelle Energiekrise eine dauerhafte Inflation erzeugt, ohne gleichzeitig die ohnehin fragile wirtschaftliche Erholung abzuwürgen.

Die wahrscheinlichste kurzfristige Entwicklung ist deshalb eine weitere Zinserhöhung im September. Danach dürfte die entscheidende Frage lauten, ob sich der Energieschock wieder abschwächt – oder ob Europa vor einer längeren Phase hoher Inflation und höherer Zinsen steht.

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