Immer mehr spanische Familien vermieten Zimmer in der eigenen Wohnung, um die steigenden Lebenshaltungskosten auszugleichen. Was früher vor allem Studenten oder jungen Reisenden vorbehalten war, ist heute ein Modell, das auch Paare, Familien mit Kindern oder Rentner nutzen. Dabei geht es nicht nur um zusätzliches Einkommen, sondern auch um die Suche nach Mitbewohnern, deren Alltag zur Familiendynamik passt
Redaktion Spanien Press
Beliebte Mieter: Nachtschichtarbeiter, Mediziner und Lehrer
Viele Vermieter achten bewusst darauf, an wen sie ihr Zimmer vergeben. Besonders gefragt sind Nachtarbeiter, junge Ärzte, Pflegekräfte oder Lehrkräfte, die unter der Woche in der Stadt wohnen und am Wochenende in ihre Heimat zurückkehren. Ihr geregelter Rhythmus sorgt für Ruhe und vermeidet Konflikte im Alltag.
Gerade Lehrkräfte sind ein häufiges Beispiel: Sie wohnen von Montag bis Freitag in der Stadt, kehren am Wochenende jedoch nach Hause zurück. Für Familien bedeutet das zusätzliche Einnahmen, ohne auf ihre Privatsphäre am Wochenende verzichten zu müssen.
„Wir vermieten an eine Gymnasiallehrerin. Sie ist nur von Montag bis Donnerstag hier und fährt freitags nach Córdoba zurück. So haben wir Hilfe bei den Kosten, aber die Wochenenden gehört die Wohnung uns allein“, erzählt Ana aus Madrid.
Zusammenleben und steigende Preise
Das Zimmervermieten ist längst keine Nischenlösung mehr – vor allem in den Metropolen. In Madrid und Barcelonawerden inzwischen bis zu 800 Euro pro Monat für ein einzelnes Zimmer verlangt. Für Vermieter ist das lukrativ, für Mieter jedoch oft schwer zu stemmen.
Viele Familien bevorzugen dabei Berufstätige, die tagsüber kaum zu Hause sind. „Wir suchten jemanden, der nicht ständig da ist. Jetzt haben wir einen Krankenpfleger mit Nachtschichten. Wenn wir als Familie zusammen sind, schläft er oder arbeitet. Wir begegnen uns kaum, das funktioniert sehr gut“, berichtet ein Paar aus Valencia.
Ein Spiegel des Wohnungsmarktes
Die Entwicklung zeigt zwei Trends: Familien benötigen dringend zusätzliche Einnahmen, während Berufstätige auf flexible Wohnformen angewiesen sind, da eine eigene Wohnung in den Großstädten unbezahlbar wird.
Das Ergebnis ist ein neues Modell des urbanen Zusammenlebens, bei dem nicht nur die pünktliche Miete zählt, sondern auch, ob der Lebensstil des Mieters zur Dynamik der Familie passt.
