6 de September de 2025
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Die neue Welle der Ultranationalisten in Spanien: Vom Franquismus zum Neonazismus mit einem gemeinsamen Feind

Credit OK Diario Die Besorgnis unter Parteien und Organisationen über die Verherrlichung des Faschismus wächst

In den letzten Jahren ist in Spanien eine neue Generation rechtsextremer Gruppen und Neonazi-Organisationen wie Schaum aufgeblüht – und sie verstecken sich nicht mehr. Jahrzehntelang fristeten sie ein Schattendasein, oftmals getarnt als „Kulturvereine“. Heute treten sie offen auf, mit eigenen Vereinsräumen, Fitnessstudios, paramilitärischer Ästhetik und einer wachsenden Präsenz in den sozialen Netzwerken

Redaktion Spanien Press

Alte Symbole, neue Marken

Traditionelle Namen der spanischen Rechten wie die Falange Española – die Einheitspartei während der Diktatur Francisco Francos (1939–1975), inspiriert vom italienischen Faschismus – galten als überholt.
Aus ihren Überresten entstanden jedoch neue Organisationen mit moderner Verpackung. Ein Beispiel ist Núcleo Nacional, das 2024 offiziell als Verein registriert wurde. Mit einer Zentrale in Madrid, genannt „El Nido“ („Das Nest“), und Ablegern in Valencia, Valladolid und Asturien kombiniert die Gruppe faschistische Symbolik mit moderner Öffentlichkeitsarbeit. Ihr erklärtes Ziel: andere zerstreute Ultragruppen unter einem Dach zu vereinen.

Neben ihnen finden sich Carlisten (ein monarchistisch-traditionalistisches Lager aus dem 19. Jahrhundert), Franquisten(Anhänger des Diktators Franco), sogenannte Patrioten (Ultranationalisten ohne konkrete ideologische Bindung) sowie kleinere neonazistische und faschistische Zellen.

Anti-Islam als Kitt

Zwar sprechen diese Gruppen oft von illegaler Migration, doch der eigentliche gemeinsame Nenner ist der Islam. In ihrer Propaganda wird er als kulturelle, religiöse und politische Bedrohung für den Westen dargestellt. Die Rhetorik geht längst über die „Verteidigung Spaniens“ hinaus: Es geht um die Verteidigung Europas.
In sozialen Netzwerken kursieren Hashtags wie #MakeEuropeSafeAgain oder #EuropeWakeUp, die an die Rhetorik rechtsextremer Bewegungen in anderen Ländern erinnern. Der Anti-Islam-Diskurs ist das ideologische Bindemittel, das Carlisten, Falangisten, Franquisten und Neonazis in einer gemeinsamen „Kulturkampferzählung“ vereint.

Gepflegte Ästhetik, aggressive Rhetorik

Im Gegensatz zu früheren Generationen der spanischen Rechten treten diese Gruppen nicht im Verborgenen auf. Ihre Ästhetik ist kalkuliert: schwarze Kleidung, Springerstiefel, Fahnen und paramilitärische Symbole. Ihre Vereinsheime verfügen über Fitnessräume, Bibliotheken und Vortragssäle. Sie präsentieren sich als moderne Jugendgemeinschaften, in denen Sport, soziales Leben und politische Indoktrination verschmelzen. All dies wird über soziale Netzwerke verstärkt, wo Hassbotschaften als „kulturelle Verteidigung“ getarnt verbreitet werden.

Europäische Verbindungen

Besonders besorgniserregend ist die zunehmende internationale Vernetzung. Kontakte zu rechtsextremen Gruppen in Deutschland, Frankreich, Italien oder Ungarn werden über soziale Medien, Treffen und internationale Foren immer enger. Die Parole lautet nicht mehr nur „Spanien zuerst“, sondern eine angebliche gemeinsame Verteidigung Europas gegen den Islam.

Rasantes und beunruhigendes Wachstum

Die Geschwindigkeit, mit der diese Gruppen von kleinen Randzirkeln zu strukturierten Vereinen mit eigenen Immobilien gewachsen sind, beunruhigt Sicherheitsexperten. Spaniens Behörden ermitteln gegen Núcleo Nacional und ähnliche Organisationen wegen Hassdelikten – also öffentlicher Hetze gegen Migranten, Minderheiten oder gefährdete Gruppen. Gleichzeitig steigt ihre Anziehungskraft auf junge Menschen, die unzufrieden mit Politik und Wirtschaft sind.

Ein gesamteuropäisches Phänomen mit spanischen Wurzeln

Spanien ist dabei keine Ausnahme. In vielen europäischen Ländern haben rechtsextreme Gruppen mit ähnlicher Ästhetik und demselben islamfeindlichen Narrativ Zulauf. In Spanien verleiht die Erinnerung an den Franquismus, den Carlismus und die Falange diesem Phänomen einen besonderen historischen Anstrich. Doch das Ziel ist identisch mit dem in anderen Teilen Europas: Jugendliche ansprechen, Ideologie verbreiten und im öffentlichen Raum normalisieren, was einst nur in den Rändern der Gesellschaft existierte.

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