Der iberische Schinken (Jamón Ibérico) ist eines der großen Symbole der spanischen Gastronomie – so repräsentativ wie Flamenco oder Paella. Doch in diesem Herbst erlebt das Spitzenprodukt eine tiefe Krise: den sogenannten „Schinkenkrieg“
Redaktion Spanien Press
Im Mittelpunkt des Konflikts steht Guijuelo, eine kleine Gemeinde in Salamanca, berühmt für ihre Schinkenmanufakturen. Dort werden einige der weltweit renommiertesten Stücke produziert, die nach Deutschland, in die USA oder nach China exportiert werden.
Was bedeutet „Jamón Ibérico“?
Um den Streit zu verstehen, muss man wissen, dass nicht jeder spanische Schinken gleich ist.
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Der iberische Schinken stammt von Schweinen der einheimischen Rasse Ibérico.
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Seine Qualität hängt von zwei Faktoren ab: dem Reinheitsgrad der Rasse (100 %, 75 %, 50 %) und der Fütterung (Eichel, Freilandmast, Stallmast).
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Die besten Schinken, wahre kulinarische Schätze, sind die 100 % ibérico, ausschließlich mit Eicheln gefüttert.
Deshalb sind Etikettierung und Gesetzgebung streng geregelt: Nur wenn bestimmte Vorgaben erfüllt sind, darf ein Schinken als „Ibérico“ verkauft werden.
Die Entscheidung, die den Streit auslöste
Die geschützte Ursprungsbezeichnung (DOP Guijuelo) hat im September ihre Regeln geändert: Künftig dürfen auch Schinken mit nur 50 % iberischem Blutanteil – gekreuzt mit der Rasse Duroc – als „Jamón Ibérico“ verkauft werden.
Guijuelo argumentiert, dass dadurch die höheren Qualitätsstufen (75 % und 100 %) nicht verschwinden, aber eine erschwinglichere Variante auf den Markt kommt.
Warum ist das so umstritten?
Andere Ursprungsbezeichnungen wie Jabugo, Los Pedroches und Dehesa de Extremadura reagierten empört:
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Sie werfen Guijuelo vor, die Qualitätsstandards zu senken und Käufer im In- und Ausland zu verwirren.
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Sie fürchten, dass das internationale Prestige des „Ibérico“ beschädigt wird.
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Sie kündigen rechtliche Schritte an und drohen sogar, den Fall vor die Europäische Union zu bringen.
Der Hintergrund des „Schinkenkriegs“
Es geht nicht nur um Etiketten – sondern um den weltweiten Markt für iberischen Schinken, der Milliardenumsätze bringt.
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Für Guijuelo: Mit der neuen Kategorie können sie in größere Absatzmärkte vordringen.
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Für Jabugo und die traditionellen Produzenten: Die Marke „Ibérico“ könnte entwertet werden, und die Luxusprodukte würden unter Druck geraten.
Wie geht es weiter?
Die neue Regelung von Guijuelo gilt bereits. Doch die eingelegten Beschwerden könnten bis nach Brüssel gehen und dort zu einem europäischen Fall über den Schutz von Herkunftsbezeichnungen und Qualitätsstandards werden.
Unterdessen sollten internationale Konsumenten, die in Feinkostgeschäften oder an Flughäfen Schinken kaufen, genau hinsehen: Das Etikett Ibérico bedeutet nicht immer dasselbe – je nach Herkunft. Genau das ist der Kern dieses Konflikts: die Glaubwürdigkeit des iberischen Schinkens als weltweites Aushängeschild Spaniens.
