18. September 2026
Lesezeit 3 Minuten

Durchschnittsgehälter in Spanien steigen um 4,2 Prozent – Inflation schmälert den Kaufkraftgewinn

Der Einkauf an der Supermarktkasse wird für viele Haushalte zum Kostenfaktor: In Spanien steigen die Gehälter, doch auch die Verbraucherpreise ziehen an (Credit: KI generiert)

Die Löhne in Spanien steigen weiter und erreichen einen neuen Höchststand. Doch die Inflation holt auf: Im August lagen die Verbraucherpreise bereits 4,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch die Tarifabschlüsse bleiben bislang hinter der Preisentwicklung zurück.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Die Durchschnittsgehälter in Spanien sind im zweiten Quartal 2026 um 4,2 Prozent gestiegen. Das geht aus den aktuellen Daten des spanischen Statistikamtes INE hervor. Der durchschnittliche Bruttolohn erreichte damit 2.464 Euro monatlich bei zwölf Gehaltszahlungen. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Kaufkraft zu, da die Inflation inzwischen wieder ein ähnliches Niveau erreicht hat wie das Lohnwachstum.

Durchschnittslohn erreicht neuen Höchststand

Die Entwicklung der Gehälter hat sich zuletzt beschleunigt. Nachdem sich das Wachstum im Frühjahr und Sommer des vergangenen Jahres zunächst verlangsamt hatte, zog es im Herbst wieder an. Im ersten Quartal 2026 lag der Anstieg bereits bei 4,2 Prozent.

Im zweiten Quartal setzte sich diese Entwicklung fort. Der durchschnittliche Bruttolohn erreichte laut INE 2.464 Euro im Monat, um saisonale und kalendarische Effekte bereinigt. Damit wurde ein neuer Höchststand in der Statistik verzeichnet.

Auch die gesamten Arbeitskosten der Unternehmen stiegen im gleichen Zeitraum um 4,2 Prozent. Dazu zählen neben den Gehältern auch Sozialabgaben und weitere Kostenbestandteile. Die durchschnittlichen Lohnkosten je geleisteter Arbeitsstunde erhöhten sich im Jahresvergleich um 4,4 Prozent auf 19,41 Euro.

Die Statistik bildet allerdings nicht sämtliche Beschäftigten in Spanien ab. Unter anderem werden Beschäftigte in der Landwirtschaft, Hausangestellte und bestimmte Gruppen von Beamten nicht erfasst. Zudem kann sich der Durchschnittslohn auch dadurch verändern, dass Menschen neu in den Arbeitsmarkt eintreten oder ihn verlassen.

Inflation holt die Lohnentwicklung ein

Noch im März hatte das Lohnwachstum mit 4,2 Prozent deutlich über der damaligen Inflationsrate von 3,4 Prozent gelegen. Dadurch konnten Beschäftigte rechnerisch einen Teil der gestiegenen Lebenshaltungskosten ausgleichen.

Inzwischen hat sich die Situation verändert. Im August 2026 lag die spanische Inflation bei 4,3 Prozent und damit leicht über dem im zweiten Quartal gemessenen Lohnanstieg.

Steigen die Verbraucherpreise schneller als die Gehälter, sinkt die Kaufkraft. Beschäftigte können sich dann trotz einer höheren nominalen Vergütung weniger leisten als zuvor. Für viele Haushalte kommt es deshalb nicht allein auf die Höhe der Gehaltserhöhung an, sondern darauf, wie viel davon nach Abzug der Preissteigerungen tatsächlich übrig bleibt.

Deutliche Unterschiede zwischen den Branchen

Die Gehaltsentwicklung fällt je nach Wirtschaftsbereich unterschiedlich aus. Besonders starke Zuwächse wurden im zweiten Quartal im Bildungswesen und in der öffentlichen Verwaltung verzeichnet.

Im Bildungsbereich stiegen die Bruttolöhne um 9,6 Prozent, in der öffentlichen Verwaltung um 8,4 Prozent. Laut dem Bericht sind diese Werte allerdings auch auf außergewöhnliche Kalendereffekte und zusätzliche Zahlungen zurückzuführen.

Im Bildungswesen spielte unter anderem die Verteilung der Osterferien eine Rolle. Während die schulfreien Tage im Vorjahr stärker im April lagen, verteilten sie sich 2026 auf das erste und zweite Quartal. Dadurch beeinflusste die Zahl der geleisteten Arbeitstage den statistischen Vergleich.

In der öffentlichen Verwaltung waren höhere Sonderzahlungen ein wesentlicher Faktor. Ein ähnlicher Effekt zeigte sich im Immobiliensektor, in dem die Gehälter um 7,8 Prozent zunahmen.

Lohnanstiege unterscheiden sich auch regional

Auch zwischen den spanischen Regionen gibt es deutliche Unterschiede bei der Gehaltsentwicklung. Die höchsten Zuwächse im zweiten Quartal wurden in Kantabrien mit 8,8 Prozent verzeichnet. Es folgten Asturien mit sechs Prozent, Katalonien mit 5,1 Prozent, das Baskenland mit fünf Prozent und die Balearen mit 4,7 Prozent.

In der Autonomen Gemeinschaft Madrid stiegen die Gehälter um 4,3 Prozent, auf den Kanarischen Inseln um 4,1 Prozent. Andalusien verzeichnete einen Anstieg von 3,7 Prozent.

Am unteren Ende der regionalen Entwicklung lagen Navarra mit 2,2 Prozent sowie La Rioja und Extremadura mit jeweils 2,4 Prozent. Die Zahlen beziehen sich auf die Veränderung der Gehälter und erlauben für sich genommen keine Aussage darüber, in welcher Region das durchschnittliche Einkommen am höchsten ist.

Tarifverträge bleiben hinter der Inflation zurück

Neben der Statistik zu den tatsächlichen Lohnkosten gibt es in Spanien eine weitere wichtige Kennzahl: die in Tarifverträgen vereinbarten Gehaltserhöhungen. Bis August 2026 lag der durchschnittliche Anstieg der tariflich vereinbarten Löhne bei drei Prozent. Berücksichtigt werden dabei sämtliche Tarifverträge, deren wirtschaftliche Auswirkungen im laufenden Jahr gelten – unabhängig davon, wann sie abgeschlossen wurden.

Bei Tarifverträgen, die erst 2026 unterzeichnet wurden, fiel der Anstieg mit 3,8 Prozent höher aus. Diese Vereinbarungen betreffen bislang allerdings nur rund 1,3 Millionen Beschäftigte. Damit liegen die tariflich vereinbarten Gehaltserhöhungen derzeit unter der aktuellen Inflationsrate.

Nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts Funcas könnte die Inflation im September in die Nähe von fünf Prozent steigen. Für das Gesamtjahr rechnet das Institut mit einem durchschnittlichen Wert von 3,6 Prozent. Sollte sich diese Prognose bewahrheiten, würden die für 2026 vereinbarten Lohnsteigerungen im Durchschnitt nicht ausreichen, um die Preisentwicklung vollständig auszugleichen.

Fehlzeiten wegen Krankheit erreichen Rekordniveau

Die Statistik des INE zeigt auch, wie sich die Arbeitszeit entwickelt. Besonders auffällig ist dabei die Zahl der krankheitsbedingten Fehlstunden. Im zweiten Quartal 2026 entfielen durchschnittlich 8,5 nicht geleistete Arbeitsstunden pro Beschäftigtem und Monat auf krankheitsbedingte Ausfälle. Das entspricht einem Anstieg von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und einem historischen Höchststand.

Besonders viele Ausfallstunden wurden im Gesundheits- und Sozialwesen mit durchschnittlich 11,6 Stunden pro Beschäftigtem und Monat registriert. Im Bereich Transport und Lagerung waren es 10,9 Stunden, bei administrativen und unterstützenden Dienstleistungen 10,4 Stunden.

Auch in der öffentlichen Verwaltung und Verteidigung, der verarbeitenden Industrie sowie im Handel lagen die Werte über dem nationalen Durchschnitt. In der Gastronomie wurden dagegen durchschnittlich 7,1 krankheitsbedingte Fehlstunden pro Beschäftigtem und Monat erfasst. Im Bildungswesen waren es 6,1 Stunden.

Die Daten verdeutlichen damit zwei parallele Entwicklungen auf dem spanischen Arbeitsmarkt: Die nominalen Gehälter steigen weiter, während die Inflation einen Teil des Zugewinns aufzehrt und krankheitsbedingte Fehlzeiten ein neues Rekordniveau erreichen.

Eine Antwort hinterlassen

Your email address will not be published.

Vorherige Geschichte

Mietdruck an der Costa del Sol: Immer mehr Nachfrage in Vélez-Málaga statt in der Provinzhauptstadt

Nächste Geschichte

Chaos beim Transfer von Migranten in Ceuta: Polizei muss bei Verlegung ins Hafenlager eingreifen

Neues von Blog

Fehler: Der Inhalt ist geschützt !!
Gehe zuTop