Die Europäische Union wird die von Pedro Sánchez vorgeschlagene Abschaffung der Zeitumstellung nicht umsetzen. Die Kommission bestätigte am Montag, dass kein ausreichender Konsens unter den Mitgliedstaaten bestehe, um die halbjährliche Umstellung zu beenden. Damit bleibt der bisherige Rhythmus – Sommer- und Winterzeit – vorerst bestehen
Redaktion Spanien Press
Spanien wollte den Zeitwechsel abschaffen
Die spanische Regierung hatte sich in den vergangenen Monaten dafür eingesetzt, die Umstellung der Uhren im März und Oktober dauerhaft abzuschaffen. Madrid plädierte für eine feste Sommerzeit, um laut Sánchez „die Gesundheit der Menschen und ihre natürlichen Biorhythmen zu schützen“. Der Premier verwies auf Studien, die Schlafstörungen und Leistungseinbußen durch die Zeitumstellung belegen.
Die Initiative fand in Südeuropa breite Zustimmung, stieß in Brüssel jedoch auf Skepsis. Mehrere Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland und Polen, warnten vor wirtschaftlichen und logistischen Problemen, falls sich die EU-Zeitzonen auseinanderentwickeln würden. Die Kommission betonte, eine „geteilte Zeitordnung“ könne den Binnenmarkt beeinträchtigen.
Streit zwischen Nord und Süd
Der Streit über die Zeit hat erneut die Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa offengelegt. Während südliche Länder wie Spanien, Italien oder Griechenland längere Abende und mehr Tageslicht bevorzugen, plädieren nördliche Staaten für eine stabilere Winterzeit – aus gesundheitlichen und schulischen Gründen.
„Es ist eine Frage des Lebensstils“, kommentierte ein EU-Diplomat. „Im Süden ist Licht Kultur. Im Norden ist Dunkelheit Normalität.“
Trotzdem will Brüssel vermeiden, dass jedes Land seine eigene Uhr stellt. Der Binnenmarkt funktioniere nur, wenn Europa im selben Takt bleibe.
Reaktion in Madrid
Die spanische Regierung zeigte sich enttäuscht, aber gefasst. Aus Regierungskreisen hieß es, Spanien werde die Diskussion „weiterführen, bis Europa bereit ist, eine einheitliche Entscheidung zu treffen“.
„Es gibt keinen Grund, eine Praxis aus dem 20. Jahrhundert fortzusetzen, die heute weder Energie spart noch dem Wohlbefinden dient“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums.
Ein alter europäischer Streit
Die Debatte um den Zeitwechsel begleitet Europa seit Jahren. Schon 2018 hatte die Kommission vorgeschlagen, die Umstellung abzuschaffen, doch der Plan scheiterte ebenfalls am Widerstand mehrerer Staaten.
Der nächste Zeitwechsel steht dennoch bevor: In der Nacht zum 27. Oktober werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt.
Damit bleibt die Zeitumstellung – zumindest vorerst – ein Symbol für Europas ewigen Kompromiss zwischen Einheit und Unterschied.
