22 de Oktober de 2025
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3 % der zum Verkauf stehenden Wohnungen in Spanien sind besetzt – die andere Seite des Mietgesetzes (LAU)

Immer mehr Eigentümer kapitulieren vor der Untätigkeit der Justiz und verkaufen ihre Wohnungen „mit Besetzer drin“. Laut einer Analyse des Immobilienportals Idealista sind derzeit 3 % aller in Spanien angebotenen Wohnungen besetzt, legal oder illegal. Viele werden zum halben Marktpreis verkauft – ein Symptom für einen Markt, in dem das Eigentumsrecht zunehmend geschwächt wird, während die Verfahren zur Räumung ewig dauern

Redaktion Spanien Press

Was früher eine Ausnahme war, ist heute ein sichtbarer Trend: Anzeigen mit dem Hinweis „Zu verkaufen – mit Besetzer“ und Eigentümer, die lieber Geld verlieren, als jahrelang auf ein Gerichtsurteil zu warten. „Immer mehr Eigentümer geben auf, weil sie keine Antwort der Justiz erhalten“, erklärt Francisco Iñareta, Sprecher von Idealista.

Vom „Okupa“ zum „Inkiokupa“ – der neue Albtraum der Vermieter

Das Problem ist längst nicht mehr auf illegale Hausbesetzungen beschränkt. Ein neues Phänomen, der „Inkiokupa“ – ein Mieter mit gültigem Vertrag, der die Miete nicht mehr zahlt und einfach bleibt –, hat sich zu einem der größten Ängste auf dem spanischen Wohnungsmarkt entwickelt.

Viele Eigentümer kritisieren, dass das spanische Mietgesetz (LAU), ursprünglich zum Schutz schwächerer Mieter gedacht, den Vermieter praktisch schutzlos zurücklässt.
„Wenn der Mieter nicht mehr zahlt, kann das Räumungsverfahren über ein Jahr dauern. In der Zwischenzeit trägt man weiter die Hypothek, Nebenkosten und Steuern“, klagt Carmen, eine Eigentümerin aus Sevilla, die ihre Wohnung inzwischen „mit Besetzer“ verkauft hat.

Katalonien als Brennpunkt

Nach Daten von Idealista befinden sich 39 % aller besetzten zum Verkauf stehenden Wohnungen in Katalonien, gefolgt von Andalusien (22 %) und der Region Valencia (11 %). In Städten wie Girona, Tarragona oder Sevilla ist nahezu jede zehnte angebotene Wohnung betroffen.
Mutige Käufer können solche Objekte bis zu 50 % günstiger erwerben – doch für die meisten Verkäufer ist es ein Akt der Verzweiflung. „Zum halben Preis zu verkaufen ist besser, als ewig auf die Polizei zu warten“, sagt ein Betroffener aus Barcelona.

Die Angst verändert den Mietmarkt

Die Unsicherheit hat tiefgreifende Folgen: Immer mehr Eigentümer vermieten nicht mehr an Familien mit Kindern oder an Personen ohne festen Arbeitsvertrag. Andere ziehen sich ganz aus dem Wohnungsmarkt zurück und setzen lieber auf Ferien- oder Kurzzeitvermietungen, wo das Risiko von Zahlungsausfällen oder Besetzungen geringer ist.

Die Folge ist ein immer kleinerer und teurerer Mietmarkt, in dem normale Familien kaum noch eine langfristige Wohnung finden.

Ein Teufelskreis ohne Ausweg

Die aktuelle Gesetzeslage, das langsame Justizsystem und fehlende Mechanismen für schnelle Räumungen haben einen Teufelskreis geschaffen: Eigentümer verlieren das Vertrauen, Wohnungen bleiben leer oder landen im spekulativen Markt, und die Angst vor „Besetzern“ wächst.

Während die Politik streitet und Reformen ankündigt, nehmen die Anzeigen „mit Besetzer zu verkaufen“ zu – ein stilles Symbol für eine Krise, die längst das Vertrauen in den spanischen Wohnungsmarkt erschüttert hat.

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