Tausende Autofahrer sind täglich auf Spaniens Straßen unterwegs – oft ohne zu wissen, dass manche Abschnitte ein besonders hohes Unfallrisiko bergen. Es sind die sogenannten „schwarzen Punkte“ (puntos negros), gefährliche Straßenabschnitte, an denen sich Jahr für Jahr die gleichen Unfälle wiederholen
Redaktion Spanien Press
Die spanische Verkehrsbehörde DGT (Dirección General de Tráfico) definiert einen schwarzen Punkt als Strecke, auf der innerhalb eines Jahres mindestens drei Unfälle mit Verletzten auf weniger als 100 Metern registriert werden. Hinter dieser nüchternen Definition verbergen sich enge Kurven, schlecht gewartete Fahrbahnen und unzureichende Beschilderungen – kurz gesagt: Orte, an denen ein kleiner Fehler fatale Folgen haben kann.
Straßen, die keinen Fehler verzeihen
Entgegen der landläufigen Meinung geschehen die meisten schweren Unfälle nicht auf Autobahnen, sondern auf Landstraßen und Nebenstrecken. Dort sind der Asphalt oft beschädigt, die Sicht eingeschränkt und die Gefahr höher.
Mangelnder Unterhalt, fehlende Investitionen und riskantes Fahrverhalten machen diese Strecken besonders gefährlich. Experten warnen daher: Sicheres Fahren reicht nicht – man muss wissen, wo die gefährlichsten Abschnitte liegen.
Die 10 gefährlichsten Straßenabschnitte Spaniens
Laut einer Analyse des RACE (Real Automóvil Club de España) weisen 14,44 % der untersuchten Straßenabschnitte ein hohes oder mittleres Unfallrisiko auf. Insgesamt gelten über 4.600 Kilometer der spanischen Straßen als besonders riskant.
Dies sind die zehn gefährlichsten Punkte:
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N-120 (Lugo–Ourense): km 535,2–549,5
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N-260 (Girona): km 117,3–179,5
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N-330 (Huesca): km 624,2–643
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N-541 (Pontevedra): km 75,2–87
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N-642 (Lugo): km 0–8,2
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N-629 (Burgos): km 33,7–48
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N-234 (Soria): km 398,2–408,4
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N-122 (Soria): km 95,8–103,6
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N-630 (Asturias): km 66,6–87,1
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N-432 (Badajoz): km 142,9–153,6
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass die meisten Unfälle außerhalb der großen Autobahnen passieren – auf National- und Regionalstraßen, die viel Verkehr aufnehmen, aber oft schlecht ausgebaut sind.
Wie die schwarzen Punkte erkannt werden
Die DGT kennzeichnet und überwacht diese gefährlichen Abschnitte gezielt, um die Unfallzahlen zu senken. Viele sind mit Hinweisschildern, Radarkontrollen oder zusätzlicher Polizeipräsenz versehen.
In den letzten Jahren wurde das Erkennungssystem modernisiert – dank des International Road Assessment Programme (iRAP), das die Unfallhäufigkeit über drei Jahre hinweg untersucht und Schweregrad sowie Unfallursachen analysiert.
Auch Faktoren wie Kreuzungen, Kreisverkehre, Gefälle und Verkehrsaufkommen werden berücksichtigt, um ein realistischeres Risikoprofil der spanischen Straßen zu erstellen.
Mehr Vorsicht – weniger Vertrauen
Die Experten sind sich einig: Die Sicherheit auf den Straßen hängt nicht nur von der Infrastruktur ab, sondern vor allem vom Verhalten der Fahrerinnen und Fahrer.
Ablenkung durch das Handy, überhöhte Geschwindigkeit und Müdigkeit sind weiterhin die Hauptursachen vieler Unfälle.
Die wichtigste Maßnahme ist daher simpel: mehr Aufmerksamkeit, weniger Eile und keine Selbstsicherheit – auch auf vertrauten Strecken.
Denn so fortschrittlich die Technik auch sein mag – am Ende liegt es an jedem einzelnen Fahrer, dass Spaniens gefährlichste Straßen nicht noch mehr Opfer fordern.
