21. September 2026
Lesezeit 3 Minuten

Falsche Polizisten entführen Mann auf der AP-7 bei Barcelona – mitten im Verkehr und am helllichten Tag

Screenshot

Fünf maskierte Männer geben sich als Polizisten aus, stoppen auf einer Autobahn bei Barcelona ein Fahrzeug und zerren einen der Insassen gewaltsam in ein anderes Auto. Mitten im Verkehr, am helllichten Tag und vor den Augen zahlreicher Autofahrer. Der außergewöhnliche Vorfall rückt erneut die Dreistigkeit einiger organisierter krimineller Netzwerke in Spanien in den Fokus.

Redaktion Spanien Press

Die Bilder wirken wie eine Szene aus einem Mafiafilm. Doch sie sind real.

Gegen 19.30 Uhr am Samstag, dem 19. September, stoppten fünf schwarz gekleidete und maskierte Männer auf der AP-7 zwischen Montornès del Vallès und Vilanova del Vallès in der Provinz Barcelona ein Fahrzeug.

Die Männer trugen Warnwesten mit der Aufschrift „Policía“ und erweckten damit offenbar gezielt den Eindruck, es handele sich um einen echten Polizeieinsatz.

Dann ging alles sehr schnell. Die falschen Polizisten zerrten einen der Insassen aus dem Fahrzeug und zwangen ihn in ein anderes Auto.

All das geschah vor den Augen anderer Verkehrsteilnehmer. Einige von ihnen filmten die außergewöhnliche Szene.

Das Opfer wurde später verletzt in Sant Llorenç Savall aufgefunden. Nach bisherigen Erkenntnissen waren seine Verletzungen nicht lebensgefährlich. Die Mossos d’Esquadra ermitteln. Erste Berichte deuten auf eine mögliche Abrechnung im Zusammenhang mit dem Drogenhandel hin.

Nicht nur die Entführung selbst ist beunruhigend

Vielleicht ist der verstörendste Aspekt dieses Falls die offensichtliche Furchtlosigkeit der Täter.

Sie schlugen nicht mitten in der Nacht in einer verlassenen Straße zu. Sie warteten nicht darauf, dass ihr Opfer allein war. Und sie lockten den Mann auch nicht zunächst an einen abgelegenen Ort.

Sie handelten auf einer der wichtigsten Autobahnen Spaniens.

Mitten im Verkehr.

Am helllichten Tag.

Vor Zeugen.

Auch die Inszenierung war offenbar sorgfältig geplant. Indem sich die Täter als Polizisten ausgaben, verschafften sie sich einen entscheidenden Vorteil: Wer Männer in Polizeiwarnwesten dabei beobachtet, wie sie ein Fahrzeug stoppen, geht zunächst davon aus, Zeuge eines Polizeieinsatzes zu sein – und nicht einer Entführung.

Organisierte Kriminalität in Spanien wird zunehmend international

Spanien nimmt seit Langem eine strategisch wichtige Position für internationale kriminelle Netzwerke ein.

Die Nähe zu Nordafrika, große Handelshäfen, die engen Verbindungen zu Lateinamerika und die Lage innerhalb der Europäischen Union machen das Land sowohl zu einem Einfallstor als auch zu einem wichtigen Verteilungszentrum für illegale Drogen, die für den europäischen Markt bestimmt sind.

Auch die spanischen Sicherheitsbehörden beschreiben die im Land operierende organisierte Kriminalität als zunehmend international und professionell.

Die spanische Nationale Strategie gegen organisierte und schwere Kriminalität 2025 verweist auf den multinationalen Charakter vieler in Spanien tätiger krimineller Organisationen, ihre grenzüberschreitenden Aktivitäten und die zunehmende Nutzung professioneller geschäftlicher und logistischer Strukturen.

Allein im Jahr 2025 beschlagnahmten die spanischen Sicherheitskräfte rund 370 Tonnen Kokain, Haschisch, Marihuana und Heroin.

Und wo enorme Mengen an Drogen und Geld im Spiel sind, können Streitigkeiten um Territorien, Schulden, verschwundene Lieferungen und rivalisierende Organisationen auch zu Gewalt führen.

Entführungen, Schießereien und bewaffnete kriminelle Gruppen

Barcelona ist keineswegs die einzige betroffene Region.

Erst vor wenigen Wochen wurde ein weiterer mutmaßlich drogenbedingter Entführungsfall in der Provinz Barcelona bekannt. Ein Lastwagenfahrer soll nach dem Verschwinden von etwa einer halben Tonne Kokain mehr als eine Woche lang gefangen gehalten und brutal misshandelt worden sein.

Die Polizei konnte ihn schließlich in der Nähe von Caldes de Montbui befreien.

Auch die Costa del Sol ist seit Jahren mit den Aktivitäten internationaler krimineller Netzwerke konfrontiert.

Innerhalb nur eines Monats zerschlug die spanische Policía Nacional dort im Jahr 2025 sieben kriminelle Organisationen, nahm 55 Personen fest und beschlagnahmte 37 Schusswaffen. Zu den Ermittlungen gehörten eine Entführung in Marbella sowie zwei Schießereien.

Mit ihrer stark internationalen Bevölkerung, ihren Verkehrsverbindungen und ihrer geografischen Lage zieht die Costa del Sol seit Langem kriminelle Netzwerke aus unterschiedlichen Ländern an.

Wenn Gewalt nicht mehr im Verborgenen stattfindet

Es wäre falsch, aus einigen spektakulären Fällen den Schluss zu ziehen, Spanien werde von „Mafias“ beherrscht.

Ebenso wenig beweisen einzelne Vorfälle, dass Entführungen dieser Art im ganzen Land tatsächlich zunehmen.

Doch genauso irreführend wäre es, die Entwicklung einfach abzutun.

Einige der in Spanien operierenden kriminellen Organisationen verfügen über erhebliche finanzielle Mittel, Waffen, Fahrzeuge, internationale Verbindungen und zunehmend professionelle logistische Strukturen.

Und der Vorfall auf der AP-7 macht einen Punkt besonders deutlich: Manche Kriminelle scheinen inzwischen bereit zu sein, extreme Gewalt auszuüben, ohne überhaupt noch den Schutz der Dunkelheit oder eines abgelegenen Ortes zu suchen.

Fünf maskierte Männer.

Falsche Polizeiuniformen.

Eine Autobahn vor den Toren Barcelonas.

Ein Mann wird aus seinem Fahrzeug gezerrt und vor den Augen anderer Autofahrer entführt.

Um 19.30 Uhr am Abend.

Keine Szene aus einer Netflix-Serie über die Mafia. Sondern eine Szene auf einer spanischen Autobahn.

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