Ein Wetterphänomen wird zur neuen Normalität – mit Folgen für Gesundheit und Umwelt
Redaktion Spanien Press Madrid, 23. Juni 2025
Was früher vor allem auf den Kanarischen Inseln oder in Südspanien vorkam, betrifft inzwischen große Teile des Landes – sogar den Norden: die Calima, ein Wetterphänomen, bei dem Saharastaub in die Atmosphäre gelangt und den Himmel orange färbt, ist mittlerweile Teil des spanischen Alltags geworden.
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Saharastaub-Ereignisse in Spanien registriert – oft mit beeindruckender Intensität. Besonders der März 2022 bleibt vielen im Gedächtnis: Fast das gesamte Land war damals von einer dichten Staubwolke überzogen. Doch seither häufen sich die Ereignisse, und Experten sprechen von einer dauerhaften klimatischen Veränderung.
Ein Klimatrend mit langer Geschichte
Bereits 2021 zeigte eine Studie der Universität Complutense Madrid, dass die Sahara in den letzten 5.000 Jahren viermal mehr Staub Richtung Spanien geschickt hat – und dieser Trend hält an. Zwischen 2020 und 2022 dokumentierte das Centro de Investigación Atmosférica de Izaña (AEMET) einen starken Anstieg der Saharastaub-Episoden – auch im Winter, was in der Vergangenheit sehr ungewöhnlich war.
Atmosphärische Veränderungen: Ursache für mehr Calima
Die Ursachen liegen in tiefgreifenden atmosphärischen Veränderungen. Die sogenannte Jetstream (Strahlstrom) im Norden hat sich verändert und schlägt heute größere Wellen. Dadurch entstehen häufiger Höhentiefs, die große Mengen Saharastaub nach Europa transportieren.
Gleichzeitig hat sich der Azorenhochdruck – eine stabile Wetterzone über dem Atlantik – in den letzten Jahrzehnten weiter nach Norden verschoben. Das verändert die Windverhältnisse auf den Kanaren und im Süden Spaniens: Statt der typischen Nordostwinde wehen nun häufiger Ost- oder Südostwinde, die direkt aus der Sahara kommen.
Gesundheitsgefahr durch Saharastaub in Spanien
Die Calima in Spanien ist nicht nur ein ästhetisches oder meteorologisches Ereignis – sie stellt auch ein gesundheitliches Risiko dar. Die Luft ist mit feinen Staubpartikeln (PM10) belastet, die tief in die Lunge eindringen können. Besonders Menschen mit Atemwegserkrankungen, Herzproblemen sowie Kinder und ältere Menschen sollten bei solchen Episoden vorsichtig sein.
Die spanische Wetterbehörde AEMET empfiehlt bei Calima-Episoden, Aktivitäten im Freien zu vermeiden, Fenster geschlossen zu halten und gegebenenfalls Masken zu tragen. Denn die Luftqualität kann in kurzer Zeit dramatisch sinken.
Saharastaub in Spanien: Die neue Realität
Die Experten sind sich einig: Calima-Ereignisse werden nicht mehr die Ausnahme, sondern zur Regel. Das bedeutet für die Bevölkerung in Spanien – ob spanisch oder ausländisch –, dass man sich auf häufigere und intensivere Staubepisoden einstellen muss.
Ein weiterer Hinweis darauf, wie stark der Klimawandel bereits unseren Alltag beeinflusst. Die Calima in Spanien ist ein sichtbares Zeichen dafür.
