Während Millionen Menschen in Spanien den Sommerurlaub planen, schlagen Umweltbehörden Alarm: Bereits Mitte Juni wurden landesweit deutlich mehr Wald- und Vegetationsbrände registriert als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Entwicklung sorgt bei Experten für wachsende Sorgen, denn die eigentliche Hochsaison der Brände beginnt vielerorts erst in den kommenden Wochen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Nach Daten des europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS wurden in Spanien seit Jahresbeginn 254 Brände erfasst. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es lediglich 76. Auch die von den Flammen betroffene Fläche hat sich erheblich vergrößert und liegt inzwischen bei fast 40 Quadratkilometern.
Andalusien besonders betroffen
Vor allem Andalusien entwickelt sich erneut zu einem Brennpunkt der diesjährigen Waldbrandsaison. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres wurden dort 161 Feuer registriert. Ein größerer Brand in der Provinz Huelva zerstörte mehrere Quadratkilometer Vegetation und zeigte bereits früh im Jahr, wie schnell sich Feuer unter trockenen Bedingungen ausbreiten können.
Feuerwehrverbände und Katastrophenschützer beobachten die Situation aufmerksam. Zwar konnten viele Brände bislang relativ schnell unter Kontrolle gebracht werden, doch die steigende Anzahl der Einsätze belastet die verfügbaren Ressourcen bereits vor dem Beginn der eigentlichen Sommermonate.
Extreme Wetterbedingungen erhöhen das Risiko
Meteorologen sehen einen direkten Zusammenhang zwischen den ungewöhnlich hohen Temperaturen und dem erhöhten Brandrisiko. Große Teile der Iberischen Halbinsel leiden seit Wochen unter Trockenheit, während die Temperaturen vielerorts deutlich über den langjährigen Durchschnittswerten liegen.
Das europäische Forschungszentrum JRC warnt in seiner aktuellen Feuergefahren-Prognose vor „extremen Bedingungen“ in Teilen der Iberischen Halbinsel. Für die kommenden Wochen werden überdurchschnittliche Temperaturen und gleichzeitig unterdurchschnittliche Niederschläge erwartet – eine Kombination, die Waldbrände begünstigt.
Die Erinnerung an das Katastrophenjahr 2025
Die Sorgen kommen nicht von ungefähr. Das Jahr 2025 gilt als eines der verheerendsten Waldbrandjahre der jüngeren spanischen Geschichte. Nach Schätzungen des europäischen Copernicus-Programms wurden Hunderttausende Hektar Land zerstört. Besonders die Regionen Galicien, Kastilien-León und Extremadura waren von großflächigen Feuern betroffen. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, Verkehrswege wurden gesperrt und zahlreiche Gemeinden kämpften wochenlang gegen die Flammen.
Internationale Unterstützung aus mehreren europäischen Ländern war notwendig, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Allein die spanische Armee setzte damals Tausende Soldaten sowie Dutzende Flugzeuge und Hubschrauber zur Brandbekämpfung ein.
Regierung bereitet Großaufgebot vor
Angesichts der aktuellen Entwicklung kündigte die spanische Regierung bereits zusätzliche Maßnahmen für die diesjährige Saison an. Geplant ist ein umfangreicher Einsatz von Löschflugzeugen, Bodeneinheiten und Spezialeinsatzkräften. Medienberichten zufolge soll es sich um die bislang größte staatliche Sommeroffensive gegen Waldbrände handeln.
Ziel sei es, Brände früher zu erkennen und schneller einzudämmen, bevor sie sich zu Großfeuern entwickeln können.
Experten sehen langfristige Probleme
Neben den Wetterbedingungen verweisen Fachleute zunehmend auf strukturelle Ursachen. In vielen ländlichen Regionen Spaniens werden Wälder und Buschlandschaften nur noch unzureichend gepflegt. Durch die Landflucht fehlen vielerorts traditionelle Bewirtschaftungsformen, die früher dazu beitrugen, brennbares Material zu reduzieren. Gleichzeitig wachsen ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen wieder zu und erhöhen die Brandlast.
Klimaforscher warnen zudem, dass Hitzewellen und lange Trockenperioden infolge des Klimawandels häufiger auftreten könnten. Dadurch verlängert sich die Brandsaison und das Risiko schwer kontrollierbarer Großbrände steigt.
Schwierige Wochen stehen bevor
Ob sich 2026 zu einem weiteren Extremjahr entwickelt, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Die bisherigen Zahlen zeigen jedoch klar, dass Spanien mit einer deutlich höheren Brandaktivität in den Sommer startet als noch vor einem Jahr.
Sollten die prognostizierten Hitze- und Trockenperioden anhalten, dürften die Feuerwehren in vielen Regionen des Landes vor äußerst anspruchsvollen Wochen stehen. Für Behörden, Anwohner und Urlauber beginnt damit eine Saison, die schon jetzt unter besonderer Beobachtung steht.