Die Küste der südspanischen Provinz Almería überrascht immer wieder selbst erfahrene Meeresbiologen. In den Gewässern des westlichen Mittelmeers wurden in den vergangenen Jahren zunehmend große und teils seltene Meerestiere beobachtet – von majestätischen Wanderfischen bis hin zu seltenen Haiarten.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Ein einzigartiger maritimer Korridor
Vor Almería treffen unterschiedliche Meeresströmungen aufeinander. Die Region liegt im sogenannten Mar de Alborán, einem Übergangsgebiet zwischen Atlantik und Mittelmeer. Diese besondere Lage macht die Küstengewässer zu einer Art „Durchgangsstraße“ für wandernde Meeresbewohner.
Warme Temperaturen, nährstoffreiche Strömungen und die geografische Lage sorgen dafür, dass sich hier regelmäßig große Fischarten versammeln oder auf ihrem Weg zwischen Ozeanen vorbeiziehen.
Von Mondfisch bis Thunfisch: beeindruckende Artenvielfalt
Zu den auffälligsten Bewohnern gehören sogenannte „sanfte Giganten“ wie der Mondfisch (Mola mola), der mit bis zu drei Metern Länge und mehreren hundert Kilogramm Gewicht zu den schwersten Knochenfischen der Welt zählt. Sichtungen dieses ungewöhnlich geformten Meeresbewohners sind vor Almería keine Seltenheit.
Ebenfalls regelmäßig in der Region unterwegs ist der Rote Thunfisch, einer der bedeutendsten Wanderfische des Mittelmeers. Besonders in den wärmeren Monaten durchquert er die Gewässer auf seinen langen Routen zwischen Atlantik und Mittelmeer.
Auch der Schwertfisch, ein schneller und kräftiger Räuber, wird immer wieder in der Region gesichtet und gehört zu den charakteristischen Arten der offenen See vor Almería.
Seltene Begegnungen mit Meeresgiganten
Neben den bekannten Arten sorgt vor allem die gelegentliche Sichtung größerer und seltener Tiere für Aufmerksamkeit. Dazu gehört der Riesenhai, der zweitgrößte Fisch der Welt, der völlig harmlos ist und sich von Plankton ernährt.
Auch der Weiße Hai wurde in der Vergangenheit vereinzelt im westlichen Mittelmeer registriert – ein äußerst seltenes, aber dokumentiertes Phänomen, das jedoch nicht auf regelmäßige Aufenthalte schließen lässt.
Warum sich die Giganten hier versammeln
Experten führen die Häufung großer Meerestiere auf mehrere Faktoren zurück. Die Kombination aus warmen Wassermassen, tiefen Meereszonen und einer hohen biologischen Produktivität schafft ideale Bedingungen für wandernde Arten.
Zudem liegt Almería an einer wichtigen biologischen Schnittstelle, an der sich verschiedene Ökosysteme überschneiden. Atlantische, mediterrane und wärmeliebende Arten treffen hier aufeinander, was die Region besonders artenreich macht.
Mehr Sichtbarkeit durch Technik und Tourismus
Die zunehmenden Sichtungen bedeuten nicht zwangsläufig, dass es heute mehr Großfische gibt als früher. Vielmehr spielen moderne Beobachtungstechniken, mehr Bootsverkehr und die Dokumentation durch Taucher und soziale Medien eine wichtige Rolle.
Dadurch werden Begegnungen, die früher kaum registriert wurden, heute deutlich häufiger festgehalten und verbreitet.
Ein faszinierendes Naturphänomen
Die Küste von Almería zeigt eindrucksvoll, wie dynamisch das Mittelmeer sein kann. Die Region ist kein permanentes Zuhause für die riesigen Meeresbewohner, sondern vielmehr ein bedeutender Wanderkorridor.
Ob Mondfisch, Thunfisch oder gelegentlicher Hai – die Gewässer vor Almería bleiben ein faszinierender Lebensraum, der immer wieder für Überraschungen sorgt und die einzigartige Vielfalt des Mittelmeers unterstreicht.
