Es gibt Orte in Spanien, die selbst erfahrene Reisende staunen lassen. Einer davon liegt in Katalonien und scheint der Schwerkraft zu trotzen: Castellfollit de la Roca. Das kleine Dorf in der Provinz Girona gehört zu den außergewöhnlichsten Siedlungen Europas – gebaut auf einem schmalen Felsrücken aus erstarrter Lava.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Ein Dorf auf einem Vulkanfelsen
Castellfollit de la Roca befindet sich in der Region La Garrotxa, einem der bedeutendsten Vulkangebiete Spaniens. Das Besondere: Der gesamte Ort thront auf einem rund 50 Meter hohen Basaltfelsen, der fast einen Kilometer lang ist.
Dieser Fels entstand vor tausenden Jahren durch zwei übereinanderliegende Lavaflüsse. Im Laufe der Zeit formten die Flüsse Fluvià und Toronell die markante, steil abfallende Klippe, auf der heute die Häuser stehen.
Das Ergebnis ist ein einzigartiges Landschaftsbild: Eine schmale, langgezogene Felszunge, auf deren Rand sich dicht an dicht gebaute Häuser drängen.
Häuser am Abgrund
Wer das Dorf von außen betrachtet, bekommt ein fast unwirkliches Bild geboten. Die Gebäude scheinen direkt aus dem Felsen zu wachsen – kein Wunder, denn viele von ihnen wurden aus dem gleichen vulkanischen Gestein errichtet.
Die mittelalterlichen Gassen sind eng, verwinkelt und führen bis zum äußersten Rand der Klippe. Dort eröffnet sich ein spektakulärer Blick über das Tal und die umliegende Vulkanlandschaft.
Besonders beeindruckend ist die Silhouette des Ortes: Wie eine natürliche Festung erhebt sich Castellfollit de la Roca über der Landschaft – ein Anblick, der ihn zu einem der meistfotografierten Dörfer Spaniens macht.
Geschichte zwischen Naturgewalten und Kriegen
Die Ursprünge des Dorfes reichen bis ins Mittelalter zurück. Erste Erwähnungen stammen aus dem 11. Jahrhundert.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Ort mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. So führten schwere Erdbeben im 15. Jahrhundert zur Zerstörung der damaligen Siedlung. Auch Kriege hinterließen ihre Spuren – unter anderem wurde die Burg im 17. Jahrhundert zerstört.
Trotz aller Rückschläge blieb das Dorf bestehen und entwickelte sich zu dem einzigartigen Ort, der es heute ist.
Klein, aber weltbekannt
Mit weniger als einem Quadratkilometer Fläche zählt Castellfollit de la Roca zu den kleinsten Gemeinden Spaniens. Dennoch zieht der Ort jedes Jahr zahlreiche Besucher an.
Ein Grund dafür ist neben der spektakulären Lage auch die Umgebung: Das Dorf liegt im Naturpark der Vulkanzone La Garrotxa, der mehr als 40 Vulkane und zahlreiche Lavafelder umfasst.
Zu den wichtigsten Highlights gehört die Kirche Sant Salvador, die sich am Rand der Klippe befindet und einen der besten Aussichtspunkte bietet.
Nicht weniger beeindruckend ist der Mirador Josep Pla, von dem aus Besucher einen weiten Blick über Täler, Flüsse und die vulkanische Landschaft genießen können.
Ein Ort wie aus einem Film
Castellfollit de la Roca ist mehr als nur ein Dorf – es ist ein Zusammenspiel aus Naturgewalt, Geschichte und Architektur.
Die Kombination aus erstarrter Lava, dramatischer Lage und mittelalterlichem Charme macht diesen Ort zu einem der spektakulärsten Reiseziele Spaniens. Wer hier steht, versteht sofort, warum dieses Dorf oft als eines der außergewöhnlichsten Europas bezeichnet wird.
