Kein Schulunterricht, kein Kontakt zur Außenwelt, stattdessen Müll, Gestank und völlige Verwahrlosung: Drei Kinder lebten in einem abgelegenen Haus bei Oviedo – jahrelang eingesperrt mit ihren Eltern. Die Polizei spricht von einem der schlimmsten Fälle häuslicher Isolation der letzten Jahre.
In Nordspanien ist ein Fall von mutmaßlicher Kindesmisshandlung aufgedeckt worden, der in seiner Brutalität schockiert. Ein deutsches Paar soll seine drei minderjährigen Kinder über vier Jahre hinweg in einem Haus nahe Oviedo eingesperrt haben. Die Kinder lebten laut Polizei in absoluter Isolation, umgeben von Dreck, Müllbergen und Fäkalien. Sie waren nicht eingeschult, trugen Windeln und kommunizierten ausschließlich auf Englisch.
Verdacht durch eine aufmerksame Nachbarin
Die Ermittlungen begannen, nachdem eine Nachbarin dem Familienamt mitteilte, dass sie in dem abgelegenen Haus zwar Kindergeschrei gehört, aber nie Kinder gesehen habe. Die Fenster seien immer verdunkelt gewesen, es habe keine Anzeichen für ein normales Familienleben gegeben.
Die Polizei begann eine verdeckte Beobachtung – und stellte schnell fest: Niemand verließ das Haus. Die einzige registrierte Person ging nur kurz an die Tür, um überdimensionierte Supermarktlieferungen entgegenzunehmen. Alles deutete darauf hin, dass sich mehr Personen im Haus aufhielten.
Zugriff im Dunkeln
Am Montagmorgen um 11:15 Uhr stürmte die Polizei das Haus – just eine Stunde vor dem landesweiten Stromausfall, der die Aktion massiv erschwerte. Die Beamten mussten ohne funktionierende Technik arbeiten, mit eingeschränkter Kommunikation und kaum Licht.
Was sie im Inneren vorfanden, war ein Bild des Grauens: Müll auf dem Boden, Gestank nach Urin und Exkrementen, heruntergekommene Räume. Die Kinder – zwei achtjährige Zwillinge und ein zehnjähriger Junge – waren schmutzig, unterernährt und trugen Windeln sowie OP-Masken. Die Zwillinge schliefen in Gitterbetten, der ältere Bruder in einem winzigen Bett in einem separaten Zimmer.
Wer sind die Eltern?
Bei den Festgenommenen handelt es sich um einen 53-jährigen deutschen Mann und eine 48-jährige Frau mit deutscher und US-amerikanischer Staatsangehörigkeit. Sie hatten das Haus im Oktober 2021 gemietet – mitten in der Pandemie. Warum sie sich in diese Isolation begaben, ist bisher unklar. Auch über Einkommen oder Beruf des Paares ist nichts bekannt. Die Polizei vermutet, dass sie möglicherweise im Homeoffice arbeiteten.
Laut Ermittlern trugen alle Familienmitglieder durchgehend Masken, auch im Haus. Zudem wurden große Mengen Medikamente gefunden. Ob psychische Erkrankungen oder extreme Angst vor Infektionen eine Rolle spielten, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Kinder in Obhut, Eltern vor Gericht
Die Kinder wurden inzwischen vom Jugendamt in einem Heim in Oviedo untergebracht. Dort werden sie medizinisch, psychologisch und pädagogisch betreut. Ob sie jemals unterrichtet wurden, ist unklar. Die Polizei geht davon aus, dass keine Form von Bildung stattgefunden hat. Die Kommunikation der Kinder beschränkt sich auf Englisch.
Die Eltern wurden dem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Oviedo vorgeführt. Ihnen drohen Verfahren wegen Freiheitsberaubung, Misshandlung von Schutzbefohlenen und schwerer Vernachlässigung.
Ein Fall, der Fragen aufwirft
Warum fiel der Fall nicht früher auf? Warum gab es keine Kontrolle? Wie konnte eine Familie vier Jahre lang so komplett vom Radar verschwinden?
Die spanische Öffentlichkeit ist schockiert. Der Fall aus Oviedo wirft ein grelles Licht auf die Schattenseiten häuslicher Isolation, auf fehlende soziale Kontrolle – und auf Kinder, die mitten in Europa wie Gefangene lebten, ohne dass jemand es bemerkte.
