Eine neue Studie der Stiftung Fedea zeigt: Spaniens Vermögen wächst, aber immer ungleicher verteilt. Während ältere Generationen vom Immobilienboom profitieren, verlieren junge Menschen den Zugang zu Eigentum – und mit ihm die Chance auf wirtschaftliche Stabilität
Redaktion Spanien Press
Der Reichtum konzentriert sich, das Wohnen entfernt sich
Ungleichheit in Spanien misst sich heute nicht mehr nur am Einkommen, sondern an Schlüsseln – daran, wer eine eigene Wohnung hat und wer nicht. Laut einer neuen Studie der Stiftung Fedea über die Vermögensentwicklung der Haushalte hat sich die Kluft in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich vertieft: Das reichste Zehntel der Familien besitzt mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens, während die Hälfte der Bevölkerung weniger als sieben Prozent hält. Und ein Großteil dieser Schere lässt sich auf den Zugang – oder den Ausschluss – vom Immobilienmarkt zurückführen.
In den vergangenen zwanzig Jahren ist das reale Vermögen der spanischen Haushalte um 81 Prozent gestiegen, angetrieben vor allem durch die Wertsteigerung von Immobilien. Wer vor der Finanzkrise oder während der Phase billiger Kredite gekauft hat, konnte sein Vermögen vervielfachen. Wer es später versuchte – insbesondere junge Menschen unter 35 Jahren – stieß auf eine Wand aus unbezahlbaren Preisen und stagnierenden Löhnen.
Die Studie zeigt, dass Menschen über 75 heute im Durchschnitt 360.000 Euro mehr besitzen als die unter 35-Jährigen. Nicht nur, weil sie länger sparen konnten, sondern weil sie zu Zeiten gekauft haben, als Wohneigentum noch erreichbar war. Eigentum, einst der große soziale Gleichmacher Spaniens, ist heute der stärkste Motor der Ungleichheit. Eine eigene Wohnung bedeutet Stabilität – keine zu haben bedeutet Unsicherheit.
Mieten ist längst keine erschwingliche Alternative mehr
Das knappe Angebot, der Druck durch den Tourismus und die zunehmende Spekulation institutioneller Investoren haben den Markt verzerrt. Wohnen wird immer mehr als Finanzprodukt behandelt statt als Grundrecht. Der Anteil des öffentlichen Wohnungsbestands liegt in Spanien bei nur zwei Prozent – deutlich weniger als in Ländern wie Frankreich, den Niederlanden oder Österreich, wo er zwischen zehn und fünfzehn Prozent beträgt.
So droht Spanien, eine doppelte Gesellschaft zu werden: eine Generation, die vom Immobilienbesitz lebt, und eine andere, die von Mieten oder unerreichbaren Hypotheken abhängig ist. Diese Spaltung ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial und psychologisch. Ohne bezahlbaren Wohnraum verschieben sich Lebensentscheidungen, die Geburtenrate sinkt, und das Vertrauen in Institutionen erodiert.
Wenn der Zugang zu Wohnraum der entscheidende Faktor sozialer Ungleichheit geworden ist, muss die Politik ihn auch so behandeln. Eine Reform der Boden- und Steuerpolitik, der Ausbau des öffentlichen Wohnungsangebots und die Begrenzung spekulativer Nutzung sind überfällig.
Die soziale Ungleichheit Spaniens entsteht heute nicht mehr in den Fabriken oder Büros – sondern auf dem Wohnungsmarkt.
