6 de November de 2025
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Spanien will das „Sharenting“ gesetzlich regeln: Wenn Eltern zu viel über ihre Kinder im Netz teilen

Credit Dmitry Rodionov (Unsplash)

Das spanische Ministerium für Jugend und Kindheit, unter der Leitung von Sira Rego, arbeitet an einem neuen Gesetz, das die Überexposition von Kindern in sozialen Netzwerken eindämmen soll. Die Praxis, Fotos und Videos der eigenen Kinder online zu veröffentlichen – bekannt als Sharenting (aus share = teilen und parenting = Erziehung) – ist längst alltäglich geworden. Nun will die Regierung klare Grenzen ziehen

Redaktion Spanien Press

Der Gesetzesentwurf soll in den kommenden Tagen in die öffentliche Konsultation gehen. Ziel ist es, den Schutz der Privatsphäre und der digitalen Identität Minderjähriger zu stärken und Eltern stärker für die Folgen ihres Online-Verhaltens zu sensibilisieren.

Wenn Kindheit zur Online-Show wird

Millionen Eltern teilen täglich Bilder ihrer Kinder – Geburtstage, Ferien, Schulanfang. Was oft als liebevolle Geste beginnt, kann jedoch langfristige Folgen haben. Jede gepostete Aufnahme hinterlässt eine digitale Spur, die schwer zu löschen ist und von Fremden oder Unternehmen weiterverwendet werden kann.

Laut Studien erscheint ein europäisches Kind bereits über tausend Mal im Internet, bevor es 13 Jahre alt ist. In Spanien ist das Phänomen ähnlich ausgeprägt – oft ohne Wissen oder Zustimmung der Kinder selbst.

Ein Gesetz zum Schutz der digitalen Kindheit

Mit der neuen Regelung will die Regierung verbindliche Leitlinien schaffen, wann und in welchem Umfang Eltern Inhalte über ihre Kinder veröffentlichen dürfen. Zudem sollen Aufklärungskampagnen und digitale Bildungsprogramme gefördert werden, um einen bewussteren Umgang mit sozialen Medien zu fördern.

„Es geht nicht ums Verbieten, sondern ums Bewahren“, heißt es aus dem Ministerium. „Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre – auch im Netz. Ihre digitale Identität darf nicht ohne ihre Zustimmung entstehen.“

In Fällen schwerer Verletzungen des Datenschutzes könnte künftig auch die spanische Datenschutzbehörde eingreifen.

Zwischen Elternfreiheit und Kinderschutz

Das Thema polarisiert. Manche Eltern pochen auf ihre persönliche Freiheit, während Juristen und Psychologen warnen: Ohne klare Regeln drohe eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Minderjährigen.

Ein harmloses Urlaubsfoto könne in Zukunft schwerwiegende Folgen haben – etwa bei Bewerbungen oder in sozialen Netzwerken, die Jahrzehnte später noch auf alte Inhalte zugreifen.

Verantwortung in der digitalen Ära

Der Vorstoß der Regierung ist Teil einer umfassenderen Strategie zum Schutz von Kindern im Internet. Dazu gehören auch Debatten über das Mindestalter für soziale Netzwerke, die Pflicht zu elterlicher Kontrolle und Medienbildung in Schulen.

Mit dieser Initiative möchte Spanien ein Bewusstsein schaffen für eine Generation, die von Geburt an online ist. Zwischen Stolz und Datenschutz stellt sich die entscheidende Frage:
Wer schützt die Privatsphäre der Kinder, wenn ihre eigene Familie sie im Netz zeigt?

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