Die spanischen Küstenregionen erleben einen historischen Immobilienboom. Innerhalb weniger Jahre sind die Kaufpreise in zahlreichen Ferienorten massiv gestiegen. Besonders auf den Balearen und an der Mittelmeerküste erreichen die Preise inzwischen ein Niveau, das bislang vor allem aus den exklusivsten Vierteln von Madrid oder Barcelona bekannt war. Für viele Einheimische wird der Traum vom Eigenheim damit immer unerreichbarer.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Die Nachfrage nach Immobilien in Spanien bleibt ungebrochen. Vor allem Häuser und Wohnungen in Küstennähe sind begehrt – sowohl bei spanischen Käufern als auch bei internationalen Interessenten. Das Ergebnis ist ein Markt, der sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich schneller entwickelt hat als viele Experten erwartet hatten.
Balearen führen die Preisentwicklung an
Besonders stark zeigt sich die Entwicklung auf den Balearen. Mehrere Gemeinden auf Ibiza und Mallorca gehören mittlerweile zu den teuersten Wohnstandorten des Landes. Nach aktuellen Auswertungen des Immobilienportals Fotocasa kostet ein Quadratmeter in einigen Küstenorten inzwischen deutlich über 8.000 Euro.
An der Spitze steht Santa Eulària des Riu auf Ibiza. Dort haben sich die Angebotspreise innerhalb von fünf Jahren nahezu verdoppelt. Ebenfalls zu den teuersten Gemeinden Spaniens zählen Sant Antoni de Portmany, Ibiza-Stadt sowie Calvià auf Mallorca. Die Balearen vereinen damit gleich mehrere der kostspieligsten Küstenmärkte des Landes.
Auch das Festland wird immer teurer
Nicht nur die Inseln verzeichnen kräftige Preissteigerungen. Auch entlang der Costa del Sol, der Costa Blanca und in Teilen der Costa Brava ziehen die Immobilienpreise seit Jahren kontinuierlich an.
Besonders Marbella, Benalmádena, Estepona oder Benidorm profitieren von einer konstant hohen Nachfrage. Internationale Käufer suchen dort sowohl Ferienimmobilien als auch dauerhafte Wohnsitze. Gleichzeitig entdecken immer mehr Investoren den spanischen Immobilienmarkt als vergleichsweise sichere Kapitalanlage.
Experten sprechen inzwischen davon, dass Küstenimmobilien längst nicht mehr ausschließlich als Ferienwohnungen betrachtet werden. Sie haben sich zu begehrten Anlageobjekten entwickelt, deren Wert in vielen Regionen schneller steigt als im Landesdurchschnitt.
Warum steigen die Preise so stark?
Für die Entwicklung gibt es mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken.
Zum einen wächst die Nachfrage seit Jahren kontinuierlich. Spanien gilt für Käufer aus Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Skandinavien und zunehmend auch aus den USA als attraktiver Wohn- und Investitionsstandort.
Zum anderen ist das Angebot begrenzt. In vielen beliebten Küstenregionen fehlt es an verfügbarem Bauland. Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren und vergleichsweise wenige Neubauprojekte. Dadurch entsteht ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.
Auch der Wunsch vieler Menschen nach einem Zweitwohnsitz oder einem dauerhaften Leben am Meer trägt zur Entwicklung bei. Seit der Pandemie hat sich dieser Trend zusätzlich verstärkt.
Belastung für die einheimische Bevölkerung
Während Eigentümer von den steigenden Immobilienwerten profitieren, geraten viele Einheimische zunehmend unter Druck.
In zahlreichen Küstenorten können sich junge Familien oder Arbeitnehmer aus dem Tourismus- und Dienstleistungssektor den Kauf einer Immobilie kaum noch leisten. Gleichzeitig steigen vielerorts auch die Mietpreise, weil das Angebot knapp bleibt und Ferienvermietungen zusätzliche Wohnungen dem regulären Markt entziehen.
Kommunen und Regionalregierungen diskutieren deshalb seit Längerem über Maßnahmen, die den Wohnungsmarkt entlasten sollen. Dazu gehören unter anderem der Bau von mehr Sozialwohnungen, Einschränkungen bei touristischen Vermietungen sowie eine Beschleunigung neuer Wohnbauprojekte.
Spanien bleibt einer der dynamischsten Immobilienmärkte Europas
Trotz der hohen Preise rechnen Marktbeobachter derzeit nicht mit einem deutlichen Preisrückgang. Vielmehr gehen viele Analysten davon aus, dass die Nachfrage insbesondere in den beliebtesten Küstenregionen hoch bleiben wird.
Zwar könnten steigende Bauaktivitäten den Markt langfristig etwas entspannen. Solange jedoch deutlich mehr Kaufinteressenten als verfügbare Immobilien vorhanden sind, dürfte der Preisdruck bestehen bleiben.
Für Kaufinteressenten bedeutet dies, dass insbesondere auf den Balearen, an der Costa del Sol und in anderen beliebten Küstenregionen weiterhin mit hohen Preisen gerechnet werden muss. Wer dort eine Immobilie erwerben möchte, sollte den Markt genau beobachten und ausreichend Eigenkapital einplanen.
