8. Juli 2026
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Kommen diese Löschkanonen bald in ganz Spanien zum Einsatz? Valencia testet die Zukunft des Brandschutzes in Zeiten extremer Hitze

Valencia verstärkt den Schutz eines seiner wertvollsten grünen Rückzugsorte. Die Stadtverwaltung hat drei neue SIDEINFO-Löschkanonen in der Devesa de El Saler installiert und in Betrieb genommen. Sie ergänzen die acht Anlagen, die bereits im Einsatz waren. Damit verfügt dieses empfindliche Naturgebiet nun über insgesamt elf Löschkanonen, die den Wald besser vor der wachsenden Gefahr von Bränden schützen sollen

Redaktion Spanien Press

Die Frage liegt auf der Hand: Werden solche Löschkanonen bald auch in anderen Teilen Spaniens zu sehen sein? Die kurze Antwort lautet: wahrscheinlich ja – zumindest in bestimmten Risikogebieten. Eine flächendeckende Lösung für ganz Spanien sind sie jedoch nicht. Besonders sinnvoll sind solche Systeme in Waldgebieten in der Nähe von Wohnsiedlungen, Naturparks, urbanen Randzonen oder besonders wertvollen Naturräumen, in denen sich ein Feuer sehr schnell ausbreiten und Menschen sowie Umwelt gefährden könnte.

Das SIDEINFO-System arbeitet mit einem Hochdruck-Wassernetz, das spezielle Kanonen versorgt. Diese können Wasser über größere Entfernungen auf die Vegetation sprühen und so eine Art „grüne Brandschutzlinie“ schaffen. Es geht dabei nicht nur darum, ein Feuer zu löschen wie ein Feuerwehrfahrzeug oder ein Löschflugzeug. Vielmehr soll die Umgebung vorbeugend befeuchtet werden, damit Flammen weniger leicht Nahrung finden.

In El Saler sind die neuen Kanonen zwischen 12 und 16 Meter hoch und können Wasser bis zu 42 Meter weit werfen. Sie sind an einen Wassertank angeschlossen. Nach Angaben der Stadt Valencia können die elf Kanonen zusammen bis zu 10.000 Liter Wasser pro Minute bewegen. Das entspricht laut Stadtverwaltung fast der doppelten Wassermenge, die ein herkömmliches Löschflugzeug bei einem Abwurf freisetzt. Zusätzlich ist das System mit einer Wetterstation verbunden, verfügt über Überwachungskameras und kann bei maximaler Brandgefahr oder bei kritischen Wetterbedingungen wie großer Hitze, Trockenheit oder starkem Wind aktiviert werden.

Die Maßnahme kommt zu einem besonders heiklen Zeitpunkt. Spanien erlebt immer heißere Sommer, längere Trockenperioden und ein deutlich erhöhtes Risiko für Waldbrände. Hohe Temperaturen, Wind, niedrige Luftfeuchtigkeit und trockene Vegetation verwandeln viele Waldflächen in regelrechte Pulverfässer.

Das Problem ist längst nicht mehr nur, dass es Waldbrände gibt. Das Problem ist, wie sie brennen. In den vergangenen Jahren ist immer häufiger von Megabränden die Rede: Feuer, die sich schneller ausbreiten, größere Flächen erfassen und immer schwieriger unter Kontrolle zu bringen sind. Besonders gefährdet sind viele Regionen im Mittelmeerraum, aber auch Teile Andalusiens, Extremaduras, Kastilien-Leóns und des Nordens Spaniens.

Genau deshalb könnten Systeme wie SIDEINFO eine neue Rolle in der Brandprävention spielen. Sie ersetzen weder die Feuerwehr noch Löschflugzeuge, Waldpflege, Überwachung oder verantwortungsbewusstes Verhalten der Bevölkerung. Aber sie können ein zusätzliches Werkzeug sein – vor allem dort, wo ein Feuer innerhalb weniger Minuten vom Wald auf Wohngebiete, Campingplätze oder wichtige Infrastrukturen übergreifen könnte.

Die entscheidenden Fragen bleiben jedoch: Was kostet der Ausbau? Wo ist der Einsatz wirklich sinnvoll? Und vor allem: Woher kommt das Wasser? In Valencia kostete die erste Phase des Schutzsystems in El Saler mehr als 1,5 Millionen Euro. Die Stadt arbeitet bereits an weiteren Phasen, unter anderem an der Trennung von Trinkwasser und Brauchwasser, damit das System künftig erweitert werden kann, ohne in Zeiten der Trockenheit auf besonders wertvolle Wasserressourcen angewiesen zu sein.

Wird also bald ganz Spanien über solche Löschkanonen verfügen? Nein. Aber viele Regionen könnten sehr genau nach Valencia schauen. Urbanisationen inmitten von Pinienwäldern, Naturparks mit hohem Besucherdruck, Dörfer am Rand trockener Waldgebiete, Campingplätze oder kritische Infrastrukturen könnten in Zukunft natürliche Kandidaten für ähnliche Systeme sein.

Die Zukunft der Waldbrandbekämpfung wird nicht aus einer einzigen Wunderlösung bestehen. Sie wird aus Technologie, besserer Forstwirtschaft, Überwachung, Aufklärung und Anpassung an ein verändertes Klima bestehen müssen. Die Löschkanonen von El Saler sind nicht die Antwort auf alle Waldbrände Spaniens. Aber sie stellen eine unbequeme Frage: Wenn wir wissen, dass Feuer immer gefährlicher werden, wollen wir dann weiter warten, bis der Wald brennt – oder beginnen wir endlich, ihn vorher zu verteidigen?

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