Noch gestern berichteten wir, dass Martiño Ramos Soto zu den zehn meistgesuchten Flüchtigen Spaniens gehört. Wenige Stunden später bestätigten die kubanischen Behörden seine Festnahme in Havanna. Der ehemalige Lehrer aus Ourense, der zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde, weil er über Jahre hinweg eine minderjährige Schülerin sexuell missbraucht und vergewaltigt hatte, lebte seit Monaten unter falscher Identität in der kubanischen Hauptstadt – als Fotograf und Betreiber einer kleinen Siebdruckwerkstatt
Redaktion Spanien Press
Monatelang unter Beobachtung in Havanna
Nach Angaben aus Polizeikreisen wusste die Policía Nacional Revolucionaria (PNR) bereits seit einiger Zeit, dass sich Ramos in Kuba aufhielt. Aufgrund der schweren Verurteilung stand er dort unter diskreter Überwachung.
Obwohl kein Auslieferungsabkommen zwischen Spanien und Kuba besteht, zeigten beide Regierungen Bereitschaft zur Zusammenarbeit, sobald Spanien den offiziellen Auslieferungsantrag stellte.
Entscheidend für die präzise Lokalisierung waren Hinweise des Kollektivs Madres Protectoras, das Ramos über seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken in der kubanischen Hauptstadt verortete.
Einer der Prioritätsfälle der spanischen Fahnder
Die Festnahme erfolgte nur wenige Tage, nachdem die spanische Polizei ihre Liste der „10 meistgesuchten Fugitiven“aktualisiert hatte. Ramos stand dort ganz oben – gemeinsam mit Drogenbossen und anderen Schwerkriminellen.
Der heute 50-Jährige war schuldig gesprochen worden, eine Schülerin über mehrere Jahre hinweg manipuliert, missbraucht und vergewaltigt zu haben. Laut Urteil begann er bei ihr im Alter von 12 Jahren Vertrauen zu erschleichen, indem er sich über Nachrichten als gleichaltriger Junge ausgab. Die Übergriffe dauerten an, bis das Mädchen 16 war.
Flucht über mehrere Kontinente
Die Ermittler rekonstruierten eine geplante, mehrstufige Flucht:
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Portugal, wohin er sich unmittelbar nach der Verurteilung absetzte
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Brasilien, wohin er von Lissabon aus flog
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Peru, als Zwischenstopp
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Kuba, wo er dauerhaft untertauchte
In Havanna lebte er im Stadtteil El Vedado, nannte sich „Martín Soto“ und änderte sein Erscheinungsbild: kurzer Haarschnitt, ohne den markanten Bart, ein unauffälliger Lebensstil. Er präsentierte sich als Fotograf, bot kostenlose Fotosessions an und übernahm die Leitung einer kleinen Siebdruckerei.
Viele in seinem Umfeld hatten keinerlei Ahnung von seiner wahren Identität.
Madres Protectoras: Das fehlende Puzzlestück
Während die kubanische Polizei ihn beobachtete, kam der entscheidende Hinweis aus Spanien. Das Kollektiv Madres Protectoras hatte seine Suche in den sozialen Netzwerken intensiviert und erhielt schließlich Nachrichten aus Havanna:
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seine Telefonnummer,
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sein Instagram-Profil als Fotograf,
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und die Social-Media-Accounts der Werkstatt, die er angeblich führte.
Ein besonders relevanter Hinweis kam von einer jungen Frau in Havanna, die eine kostenlose Fotosession angenommen hatte. In seiner Wohnung stieß sie auf ein Flugticket mit dem Namen Martiño Ramos Soto – ein Detail, das zunächst zufällig wirkte, später jedoch zur Identitätsbestätigung beitrug.
Festnahme und nun der Weg zurück nach Spanien
Mit den zusammengetragenen Informationen intensivierte die PNR die Überwachung und nahm Ramos fest, sobald die spanische Auslieferungsanfrage vorlag.
Nun läuft das Verfahren zur Überstellung nach Spanien – nach Angaben beider Regierungen mit „maximaler Kooperationsbereitschaft“.
Die Festnahme beendet eine monatelange internationale Fahndung und schließt eines der schwersten Fälle der jüngsten galicischen Kriminalgeschichte ab.
