Mit nur sieben Abgeordneten im Parlament zwingt Junts die Regierung Sánchez dazu, dass große Unternehmen in ganz Spanien auch auf Katalanisch bedienen müssen – als Preis für den Machterhalt
Redaktion Spanien Press
Wer ist Junts und warum hat die Partei so viel Macht?
Junts per Catalunya (Junts) ist eine nationalistische, rechtsgerichtete Partei, die die Unabhängigkeit Kataloniens anstrebt. Obwohl sie nur sieben Sitze im spanischen Parlament hat, sind diese Stimmen entscheidend, damit Sánchez seine knappe Mehrheit halten kann.
Jedes Gesetz, jede Abstimmung und jeder Haushalt hängt von diesen sieben Abgeordneten ab. Junts nutzt diese Schlüsselrolle, um Bedingungen durchzusetzen, die ihre identitätspolitische Agenda stärken.
Der neue Druckpunkt: Katalanisch in Unternehmen
Junts hat erreicht, dass das zukünftige Kundendienstgesetz die Verpflichtung enthält, dass alle großen Unternehmen — mit mehr als 250 Beschäftigten oder einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro — auf Wunsch der Kunden auch auf Katalanisch antworten müssen.
Und hier liegt der entscheidende Punkt: Egal, wo sich der Kunde befindet. Ob er aus einem Dorf in Andalusien, aus Madrid oder aus Galicien anruft – das Unternehmen muss sicherstellen, dass eine Betreuung auf Katalanisch möglich ist. Die Pflicht gilt nicht nur in Katalonien, sondern im ganzen Land.
Das wirft neue Fragen auf: Wird demnächst auch Baskisch oder Galicisch landesweit verpflichtend?
Reaktionen in Spanien
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Regierung: Sánchez akzeptiert diese Bedingungen, weil seine Regierung ohne die sieben Stimmen von Junts stürzen könnte.
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Bürger: Für manche ist dies ein Fortschritt bei den Sprachrechten, für andere ein Beispiel dafür, wie nationale Politik zur Verhandlungsmasse wird.
Unternehmerischer Aufschrei
Die Ankündigung hat in der Wirtschaft Alarm ausgelöst. Arbeitgeberverbände und Branchenorganisationen kritisieren, die Maßnahme sei überzogen und schwer umsetzbar.
„Es ist inakzeptabel, die Politik in die Unternehmen hineinzutragen“, warnen verschiedene Organisationen. Sie befürchten, dass die Verpflichtung zusätzliche Bürokratie, höhere Kosten und Probleme bei der Personalgewinnung in Regionen verursachen wird, in denen kein Katalanisch gesprochen wird.
Wie weit geht dieser Tauschhandel noch?
Der Fall des Katalanischen in Unternehmen ist nur ein Beispiel für den Druck, den Junts auf die Regierung ausübt. Die große Frage ist nun, was Sánchez noch alles zuzugestehen bereit ist, um sich im Amt zu halten: neue Sprachquoten, weitere Kompetenzen für die Regionen oder sogar politische Zugeständnisse an die Unabhängigkeitsbewegung.
Fest steht: In Spanien können heute sieben Abgeordnete einer rechtsgerichteten, separatistischen Partei den Alltag aller Bürger beeinflussen – egal, wo sie leben.
