1 de Oktober de 2025
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Kosenamen-Chaos: Ninas Leben zwischen Zzzzt und Zeter – oder: Zwischen schallenden Olés, warum so laut?

Kosenamen-Chaos: Mein Leben zwischen Zzzzt und Zeter – oder: Zwischen schallenden Olés, warum so laut?

Es gibt Länder, da wurde der Kopfhörer erfunden. Und dann gibt es Spanien. Hier scheint er bestenfalls als dekoratives Accessoire im Schrank zu liegen – zwischen Fächer, Flamencoschuh und Jamónhalter. Denn in der Metro von Madrid zum Beispiel ist man selten allein – auch wenn man nur eine einzige Person vor sich sitzen hat. Nein, man ist automatisch mit deren ganzer Familie, Freunden, Tías und Abuelas verbunden. Lautsprecher an, Filme auf volle Pulle, und Videocalls? Claro que sí. Ein Deutscher denkt in diesem Moment: „Das kann doch nicht wahr sein.“ Ein Spanier denkt: „Qué pasa, chica?“

Und das Problem ist nie nur eine Person. Es sind gleich fünf. Fünf, die gleichzeitig ihre Lieblingsserien laufen lassen, während man nach einem langen Arbeitstag nur noch hofft, dass der Kopf nicht wie eine überreife Tomate zerplatzt. Fliehen? Keine Chance. In der Metro gibt es kein Entrinnen. Willkommen im spanischen Dolby-Surround.

Doch es hört nicht bei der U-Bahn auf. Zuhause geht es weiter. In Deutschland hängen wir Zettel an die Haustür: „Liebe Nachbarn, am Samstag feiern wir Geburtstag, entschuldigt bitte den Lärm.“ In Spanien? Fehlanzeige. Wieso ankündigen? Das Leben ist schließlich immer eine Party. Wer sich da beschwert, hat offensichtlich nicht verstanden, wie man feiert.

Ich erinnere mich an meine Zeit in Nervión, Sevilla. Neben mir wohnte ein Arzt im Schichtdienst. Eigentlich dachte ich: perfekt, der Mann schläft viel, absolute Ruhe. Denkste. Jede Nacht rief er seine Freundin in Südamerika an. Aber nicht gemütlich im Bett, nein – während er durch die Wohnung rannte, in der Küche kochte, die Töpfe klappern ließ und dabei so laut telefonierte, dass ich dachte, die Frau stünde nebenan im Wohnzimmer. Die Wände? Dünner als Knäckebrot.

Oder mein Abenteuer im Barrio Salamanca, Madrid. Meine Nachbarin – Beruf unbekannt – war tagsüber unauffällig. Doch abends … sagen wir so: Ihre Leidenschaft für laute Lebensäußerungen war … unüberhörbar. In Videocalls mit Deutschland musste ich oft alle Fenster schließen, sonst hätte meine Chefin wohl gedacht, ich arbeite neben einem Bordell.

Und es wird noch besser: In einer anderen Wohnung hatte ich eine Nachbarin, die ihr Kind von morgens bis abends in einer Lautstärke anschrie, dass ich schon fast eine Stimmband-OP als Geschenk vorschlagen wollte. Madre mía.

In Restaurants ist es übrigens ähnlich. Ich weiß noch mein erstes Jahr in Spanien. Jeden Abend dachte ich: Alle sind wütend auf mich. Niemand sprach leise, niemand sprach normal – es wurde gebrüllt, gelacht, diskutiert. Am Anfang habe ich fast täglich geweint, weil ich dachte, es sei etwas Schlimmes passiert. Heute weiß ich: das ist einfach die Lautstärke der Liebe.

Und trotzdem, manchmal frage ich mich: Hat das nicht auch etwas mit Bildung zu tun? Mit Rücksicht? Oder ist es einfach DNA? Ich habe eine Freundin, die hat einen kleinen Sohn, Gonzalo. Neulich saßen wir im Auto, die Musik donnerte aus den Boxen. Ich, genervt: „Das ist doch zu laut für den Kleinen.“ Sie: „Nee, nee. Wenn ich leiser mache, fängt er an zu weinen.“ Natürlich fing er sofort an zu weinen, als sie kurz am Regler drehte. Kinder wachsen hier eben mit Dezibel auf, während deutsche Babys schon bei einer zuschlagenden Tür nervös zucken.

Mein persönliches Fazit nach all den Jahren: Ich liebe es laut draußen – auf den Straßen, in den Bars, auf den Ferias. Aber zu Hause? Da brauche ich Ruhe. Und genau das habe ich mir geschaffen. Ein Haus, ein Pool, Frieden. Nur manchmal, wenn ich nachts da sitze, denke ich: Lautstärke ist eben auch Lebensfreude. Und die Spanier – die leben eben sehr, sehr laut.

Also ja: Die Spanier reden, feiern, streiten, lachen, telefonieren und lieben in Dolby-Surround. Und manchmal treibt es einen in den Wahnsinn – aber sind wir ehrlich: Ohne diese Lautstärke wäre Spanien nicht Spanien. Und mein Leben wäre … ja, deutlich stiller, aber auch ziemlich langweilig.

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