Madrid erlebt eine kleine demografische Überraschung: Zum ersten Mal seit sechs Jahren wurden in der spanischen Hauptstadt mehr Kinder geboren als Menschen gestorben sind. Doch hinter dieser positiven Nachricht verbirgt sich eine deutlich komplexere Realität.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Nach aktuellen Daten wurden im Jahr 2025 insgesamt 27.097 Geburten registriert, während 26.533 Menschen starben. Damit ergibt sich ein leicht positives natürliches Bevölkerungswachstum von +564 Personen.
Bevölkerung sinkt trotz positivem Trend
Trotz dieses seltenen Überschusses ist die Gesamtbevölkerung Madrids zurückgegangen. Die Stadt zählt aktuell 3.497.277 Einwohner, was einem Rückgang von rund 30.647 Personen entspricht.
Der Grund dafür ist jedoch kein massenhafter Wegzug, sondern vor allem eine statistische Bereinigung: Rund 100.000 Personen wurden aus dem Melderegister gestrichen, weil sie ihre Anmeldung nicht erneuert hatten oder gar nicht mehr in Madrid lebten.
Ohne diesen Verwaltungseffekt wäre die Bevölkerung laut Stadtverwaltung sogar um etwa 70.000 Einwohner gewachsen.
Weniger Zuwanderung, mehr Abwanderung innerhalb Spaniens
Auch bei der Migration zeigen sich Veränderungen. Die Zahl der Neuzuzüge aus dem Ausland sank auf 117.706 Personen, deutlich weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig verließen tausende Ausländer die Stadt.
Innerhalb Spaniens bleibt die Bilanz ebenfalls negativ: Mehr Menschen zogen aus Madrid weg als neu hinzukamen – viele in umliegende Regionen oder Städte wie Toledo oder Valencia.
Sowohl die Zahl spanischer als auch ausländischer Einwohner ist gesunken. Besonders deutlich ist der Rückgang bei der ausländischen Bevölkerung, die eine wichtige Rolle für das Wachstum der Hauptstadt spielt.
Einordnung: Ausnahme statt Trend
Die Entwicklung in Madrid ist bemerkenswert, da Spanien insgesamt weiterhin mit einer alternden Bevölkerung kämpft. Landesweit übersteigen die Todesfälle seit Jahren die Geburten deutlich – ein strukturelles Problem mit Blick auf die Zukunft.
