Der spanische Mietmarkt funktioniert anders als in vielen anderen europäischen Ländern – vor allem in Gegenden mit hoher Nachfrage, wo Konkurrenzdruck und knappe Verfügbarkeit die Regeln des Spiels bestimmen. Immer mehr Neuankömmlinge bemerken schnell, dass das Anmieten einer Wohnung hier ganz eigenen Dynamiken folgt. Spanien Press fasst die wichtigsten Punkte zusammen, die Erstmieter kennen sollten
Redaktion Spanien Press
1. Umfangreiche Unterlagen sind Pflicht
Vermieter verlangen üblicherweise Ausweis oder Reisepass, Einkommensnachweise, Kontoauszüge und teils sogar einen spanischen Bürgen. Ohne lokalen Arbeitsvertrag steigen die Anforderungen deutlich.
2. Hohe Vorauszahlungen sind üblich
Neben Kaution, Maklergebühr und erster Monatsmiete verlangen viele Vermieter bei Ausländern, Studierenden oder Selbstständigen oft mehrere Monatsmieten im Voraus – häufig drei, gelegentlich sogar bis zu sechs.
In Städten mit großer Nachfrage weit verbreitet.
3. Maklergebühren trotz Kritik weiterhin gängige Praxis
Laut der aktuellen Gesetzeslage in Spanien müssen Maklergebühren vom Vermieter getragen werden, sofern dieser die Immobilienagentur beauftragt hat.
In der Realität versuchen jedoch viele Agenturen weiterhin, die Gebühr dem Mieter aufzuerlegen – besonders in Regionen mit hoher Nachfrage.
Die Praxis sieht oft so aus:
-
Weist man auf das Gesetz hin, wird man schlicht durch den nächsten Interessenten ersetzt.
Der Mangel an Wohnungen führt dazu, dass viele Mieter die Gebühr widerwillig akzeptieren, obwohl sie rechtlich nicht verpflichtet wären, sie zu zahlen.
4. Stadtwohnungen fallen oft kleiner aus als erwartet
Viele Wohnungen sind älter, dunkler, schlechter geschnitten und auf Fotos oft deutlich besser dargestellt. Eine Besichtigung ist deshalb unverzichtbar.
5. Möblierte Wohnungen – häufig mit altmodischem oder billigem Mobiliar
Möblierte Wohnungen sind üblich, doch die Einrichtung ist oft entweder veraltet und abgenutzt oder modern, aber sehr billig und wenig langlebig.
Gut ausgestattete Wohnungen sind selten und deutlich teurer.
6. Schwache Heizung und schlechte Dämmung
Viele Wohnungen verfügen weder über Zentralheizung noch über gute Dämmung. Innenräume können im Winter überraschend kalt wirken.
7. Nebenkosten: mal inklusive, mal nicht
Gemeinschaftskosten können enthalten sein, doch Strom, Wasser, Gas und Internet zahlt fast immer der Mieter selbst.
8. Lärm gehört zum spanischen Stadtalltag
Spanien ist lebendig und laut: Straßenlärm, Nachbarn, Bars und familiäres Nachtleben prägen vor allem die Großstädte.
9. Mietgesetze schützen Mieter – regional unterschiedlich
Die Regeln variieren je nach Region. Madrid, Katalonien, Valencia und Andalusien setzen unterschiedliche Vorgaben. Eine sorgfältige Vertragsprüfung ist Pflicht.
10. Kurze Verträge als Strategie – trotz starker gesetzlicher Mieterrechte
Viele Vermieter bieten bewusst nur 11-Monats-Verträge oder halbjährliche Verlängerungen an.
Der Grund: Nach 12 Monaten greift das spanische Mietrecht (LAU), das Mietern ein Bleiberecht von bis zu fünf Jahren(sieben bei Firmenvermietern) garantiert.
Um diese gesetzliche Bindung zu umgehen, setzen Vermieter auf kurze Verträge – auch wenn das Gesetz am Ende meist zugunsten der Mieter wirkt.
11. Haustiere und kleine Kinder erschweren die Wohnungssuche deutlich
Haustiere
Trotz bester Argumente lehnen viele Vermieter Hunde oder Katzen ab oder verlangen zusätzliche Kautionen.
Bevorzugte Mieterprofile
-
Paare – gelten als stabil und zuverlässig
-
Einzelmieter
-
Familien
Warum Familien mit kleinen Kindern oft gemieden werden
Spanien stuft Haushalte mit minderjährigen Kindern als „vulnerabel“ ein.
Für Vermieter bedeutet das:
-
längere Räumungsverfahren,
-
mehr rechtliche Hürden,
-
hoher Verlust an Kontrolle und Planbarkeit.
Familien mit Haustieren gelten für viele Vermieter als besonders riskant – und werden daher häufig ausgeschieden.
