Der erschütternde Fall des sogenannten „Horrorhauses von Oviedo“ entwickelt sich weiter, während neue Details über das Leben der drei minderjährigen Kinder ans Licht kommen, die jahrelang von ihren eigenen Eltern isoliert wurden. Christian Steffen und Melissa Ann Steffen, derzeit in Untersuchungshaft, sehen sich mit Anklagen wegen Misshandlung, psychischer Gewalt und Freiheitsberaubung konfrontiert.
Gestohlene Kindheit
Die drei Kinder, die sich inzwischen in der Obhut der Region Asturien befinden, lebten seit 2021 unter extremen Isolationsbedingungen. Sie besuchten keine Schule, hatten keinen Kontakt zur Außenwelt und lebten in einem verwahrlosten Umfeld, in dem der Zugang zur Toilette reglementiert war und strengste Routinen herrschten. Sie schliefen in altersunangemessenen Gitterbetten, trugen Windeln und standen unter ständiger Kontrolle.
Medizinische Berichte bestätigen, dass die Kinder unter schwerer Verstopfung litten – eine direkte Folge der eingeschränkten Toilettengänge. Außerdem erhielten sie Medikamente gegen ADHS, obwohl es keine offizielle Diagnose durch das spanische Gesundheitssystem gab. Die Medikamente wurden über das Internet beschafft, was das Risiko für die Kinder weiter erhöhte.
Der Vater: Ein selbsternannter Philosoph
Christian Steffen, 53 Jahre alt, ist deutscher Staatsbürger und bezeichnet sich selbst als Philosoph. Früher unterrichtete er an einer Universität in Heidelberg und betrieb in Spanien eine Webseite mit spirituellen und esoterischen Inhalten. Nach der COVID-19-Pandemie entwickelte er eine zunehmende Angst vor der Außenwelt und beschloss, sich mit seiner Familie vollständig zurückzuziehen. In seinen Kreisen sprach er von einem „gereinigten Lebensstil“ und zeigte Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen, Impfungen und dem Schulsystem.
Absolute Isolation
Besonders erschreckend: Die Kinder trugen im Haus drei übereinanderliegende Masken. In den Räumen liefen rund um die Uhr Ozonmaschinen, ein Ausdruck der krankhaften Angst der Eltern vor Keimen und Krankheiten.
Psycholog:innen berichten, dass die Kinder beim ersten Kontakt mit einem Garten völlig fasziniert waren: Sie berührten erstaunt das Gras und beobachteten mit kindlichem Staunen eine Schnecke. Zeichnungen, die in ihren Betten gefunden wurden – Fratzen, Totenschädel und wilde Kritzeleien – deuten auf tiefe Angst und emotionales Trauma hin.
Fehlende Dokumente
Besorgniserregend ist auch, dass die Pässe der Kinder bislang nicht gefunden wurden. Das Fehlen offizieller Dokumente erschwert mögliche juristische oder internationale Maßnahmen – insbesondere da der Vater Deutscher ist und die Mutter die US-amerikanische und deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.
Justizverfahren läuft
Das Amtsgericht Oviedo hat Untersuchungshaft ohne Kaution gegen die Eltern verhängt. Ihnen wurde das Sorgerecht entzogen; die Kinder stehen nun unter dem Schutz der regionalen Behörden. Bislang hat kein Verwandter Anspruch auf die Kinder erhoben.
Der Fall hat eine intensive gesellschaftliche Debatte über die Erkennung häuslicher Misshandlungen ausgelöst – und über die dringende Notwendigkeit, gefährdete Kinder früher zu schützen.