Nina mein Leben zwischen Playa, Planungspanik und Pelzmonster…oder August in Spanien ist kein Monat – er ist ein Ausnahmezustand

Nina mein  zwischen Playa, Planungspanik und Pelzmonster

August in Spanien ist kein Monat – er ist ein Ausnahmezustand in Flip-Flops. Ein kollektiver, landesweiter Urlaubsrausch, bei dem jeder, der arbeiten könnte, ganz sicher nicht arbeitet. Friseure? In Formentera. Kosmetiker? Unter Palmen in Cádiz. Hundefriseure? Offiziell auf „Operación Playa“. Putzfrauen? Komplett abgetaucht.

Das Ergebnis: Wir verwandeln uns ohne jede Vorwarnung in eine Mischung aus Boho-Chic und verwahrlostem Yeti. Mein Hund Bootsmann sieht inzwischen aus wie ein zotteliger Grizzlybär auf Sommerexpedition. „¿Qué le pasó al perro?“ fragte neulich die Nachbarin, als er mit wehender Mähne die Straße runterlief. „Urlaub. Hundefriseur“, erklärte ich knapp. Sie nickte wissend.

Ich habe Glück – meine Top-Friseurin Norma ist da. Aber: Im August gibt es keine Spontantermine. Wer keinen Slot im Juni gebucht hat, kann sich die Nägel lackieren lassen – allein, zu Hause – und hoffen, dass es in den nächsten 31 Tagen niemand bemerkt.

Essen gehen? Eine abenteuerliche Glückslotterie. Entweder komplett überfüllt oder verschlossen – oft mit einem handgeschriebenen Schild an der Tür: Cerramos por vacaciones. Manchmal ergänzt durch „Estamos en la playa“ – als wäre das eine medizinische Notwendigkeit. Und bei Google? Steht das Restaurant natürlich noch auf „geöffnet“. Willkommen in Spanien, wo sich digitale Welt und Realität an Sommertagen höflich ignorieren.

Die Ärzte spielen im August ihr ganz eigenes Sommerlied. Meine Mutter brauchte neulich dringend Tabletten – ein kleiner Notfall. In klirrender Hitze bin ich von Apotheke zu Apotheke getigert. „Vuelve en septiembre“, erklärte mir die Apothekerin trocken, als sei das eine vollkommen logische Antwort auf jede Form von medizinischer Dringlichkeit. Ich schwitzte, lächelte und dachte nur: Wenn im August etwas nicht im Pool oder am Strand operiert werden kann – oh weiha.

Zum Glück ist mein Zahnarzt Juan wieder zurück – seit dem 9. August. Ja, ich gestehe: Als ich in Madrid gelebt habe, bin ich jedes Mal mit dem Iryo nach Sevilla gefahren, nur um zu ihm zu gehen. Eines Tages, im Meeting in Madrid, fragte mich ein Kollege entsetzt:
„Sag mal, fährst du ernsthaft von Madrid nach Sevilla zum Zahnarzt?“
„Claro, cariño.“
Er starrte mich an, als hätte ich gerade gesagt, ich lasse mir die Weisheitszähne in einem Zirkuszelt ziehen.
„Er spritzt so gut“ (gemeint war natürlich die Betäubungsspritze – was im Deutschen, zugegeben, missverständlich klingt). Meine deutsche Chefin hatte Tränen in den Augen vor Lachen, mein Madrider Kollege schüttelte den Kopf. Schließlich gilt dort: De Madrid al cielo – und Sevilla zum Zahnarzt? Unerklärlich.

Und so stolpert man durch den August wie durch ein überdimensionales Sommerpicknick, bei dem jeder zweite Gast einfach verschwunden ist. Aber – und das ist die Magie – man lernt, dass Planung in Spanien nur eine höfliche Empfehlung ist. Man lernt, dass man mit einem Plan A, einem Plan B und einem Glas kalter Gazpacho alles überlebt. Und man lernt, dass im August hier nur eines wirklich läuft: das Leben am Strand.

Oder, wie der Kellner neulich im chiringuito sagte, als ich ihn fragte, wann es wieder Paella gäbe: „En septiembre, guapa. Hay Mucha Gene y todo solo con reserva. Y tu carino….. Ahora, en agosto… solo playa?“ hahahaha…..nono sage ich. Ahora trabajo. Das Gesicht hattet ihr mal sehen sollen:) jedenfalls habe ich einen Teller Paella geratterter von den netten Spanischen Caballeros neben mir….geht doch, denke ich still heimlich und schmunzelnd….

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