Am Abend des 12. August 2026 wird sich über weiten Teilen Spaniens ein außergewöhnliches Schauspiel ereignen. Für kurze Zeit wird der Mond die Sonne vollständig verdecken – und mitten im spanischen Sommer wird es entlang eines breiten Streifens quer durch das Land plötzlich dunkel.
Es ist ein astronomisches Ereignis, auf das Wissenschaftler, Hobbyastronomen und Tourismusregionen seit Jahren warten. Denn während die Sonnenfinsternis in großen Teilen Europas lediglich partiell zu beobachten sein wird, gehört Spanien zu den wenigen Ländern, die innerhalb der sogenannten Totalitätszone liegen.
Allerdings gilt das längst nicht für das gesamte Land.
Redaktion Spanien Press
Die Dunkelheit zieht quer durch Spanien
Die totale Sonnenfinsternis erreicht Spanien am frühen Abend zunächst im Nordwesten. Von Galicien aus wandert der Schatten des Mondes anschließend über den Norden und das Landesinnere Richtung Mittelmeer. Seine letzte große spanische Station sind die Balearen.
Außerhalb dieses Korridors bleibt das Ereignis dennoch spektakulär: Auch in Südspanien wird ein erheblicher Teil der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt. Eine vollständige Verdunkelung wird dort jedoch nicht erreicht.
International verläuft die Zone der Totalität unter anderem über Teile Grönlands und Islands, bevor sie schließlich Spanien erreicht. In anderen Regionen Europas sowie im Westen Afrikas und im Norden Nordamerikas ist das Ereignis zumindest teilweise sichtbar.
Für Spanien kommt eine Besonderheit hinzu: Die Finsternis findet relativ kurz vor Sonnenuntergang statt. Wer sie beobachten möchte, benötigt deshalb nicht nur einen Ort innerhalb der Totalitätszone, sondern möglichst auch einen freien Blick in Richtung des tief stehenden Abendhimmels.
Diese Provinzhauptstädte liegen in der Totalitätszone
Nach den derzeitigen astronomischen Berechnungen gehören zahlreiche spanische Provinzhauptstädte zu den Orten, an denen die Sonne vollständig vom Mond verdeckt werden kann.
A Coruña – Maximum gegen 20.28 Uhr
Lugo – gegen 20.29 Uhr
Oviedo – gegen 20.28 Uhr
Santander – gegen 20.27 Uhr
Bilbao – gegen 20.28 Uhr
Vitoria-Gasteiz – gegen 20.28 Uhr
León – gegen 20.29 Uhr
Palencia – gegen 20.30 Uhr
Burgos – gegen 20.29 Uhr
Zamora – gegen 20.31 Uhr
Valladolid – gegen 20.31 Uhr
Soria – gegen 20.30 Uhr
Segovia – gegen 20.32 Uhr
Zaragoza – gegen 20.30 Uhr
Teruel – gegen 20.32 Uhr
Guadalajara – gegen 20.32 Uhr
Cuenca – gegen 20.32 Uhr
Lleida – gegen 20.29 Uhr
Tarragona – gegen 20.30 Uhr
Castellón de la Plana – gegen 20.32 Uhr
Valencia – gegen 20.33 Uhr
Palma de Mallorca – gegen 20.32 Uhr
Die exakten Zeiten können je nach Standort innerhalb einer Stadt beziehungsweise Gemeinde leicht variieren.
Einige Orte haben besonders gute Voraussetzungen
Entscheidend ist nicht allein, ob ein Ort innerhalb der Totalitätszone liegt. Besonders begehrt sind Standorte nahe der sogenannten Zentrallinie. Dort befindet sich der Beobachter besonders günstig innerhalb des Mondschattens und die totale Phase kann entsprechend länger dauern.
Diese Linie verläuft in Spanien unter anderem in der Nähe von Avilés, Oviedo, Aranda de Duero, Soria, Peñíscola und Palma de Mallorca.
Damit zieht sich eine der interessantesten Beobachtungszonen praktisch einmal quer über die Iberische Halbinsel – vom Atlantik bis zum Mittelmeer.
In A Coruña beginnt die partielle Phase beispielsweise gegen 19.31 Uhr. Das Maximum wird dort gegen 20.28 Uhr erreicht. In Burgos beginnt das Schauspiel etwa um 19.33 Uhr, während die entscheidende Phase gegen 20.29 Uhr erwartet wird.
Auf Mallorca beginnt die Finsternis etwas später. In Palma wird der erste Kontakt gegen 19.38 Uhr erwartet, das Maximum folgt ungefähr um 20.32 Uhr.
Ein Wettlauf mit dem Sonnenuntergang
Genau darin liegt eine der Besonderheiten der Sonnenfinsternis von 2026.
Der Mondschatten erreicht Spanien zu einer Tageszeit, in der die Sonne bereits vergleichsweise niedrig über dem Horizont steht. Das kann spektakuläre Bilder ermöglichen, erschwert gleichzeitig aber die Wahl des Beobachtungsortes.
Berge, Gebäude oder andere Hindernisse am westlichen Horizont können ausreichen, um die entscheidenden Minuten zu verpassen.
Wer für den 12. August eine Reise plant, dürfte deshalb weniger nach einem Platz mitten in einer Stadt suchen als nach erhöhten Standorten, Küstenabschnitten oder offenen Landschaften mit möglichst freier Sicht nach Westen.
Hinzu kommt ein Faktor, den selbst die präziseste astronomische Berechnung nicht kontrollieren kann: das Wetter.
Wolken könnten darüber entscheiden, ob Zehntausende Menschen die totale Sonnenfinsternis tatsächlich sehen – oder lediglich erleben, wie sich der Himmel für kurze Zeit verdunkelt.
Auch Andalusien erlebt die Finsternis – aber nicht total
Madrid, Andalusien und andere weiter südlich gelegene Gebiete befinden sich außerhalb des Korridors der vollständigen Verdunkelung.
Dort bleibt die Sonnenfinsternis partiell.
Dennoch wird auch im Süden Spaniens deutlich zu erkennen sein, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt. Je nach Standort wird ein großer Teil der Sonnenscheibe verdeckt.
Wer dagegen die vollständige Totalität erleben möchte, muss sich innerhalb des entsprechenden Streifens im Norden, Osten oder auf den Balearen befinden.
Spanien wird zum europäischen Beobachtungspunkt
Das Ereignis dürfte nicht nur astronomische Bedeutung haben.
In zahlreichen Regionen entlang der Totalitätszone bereiten sich Hotels, Gemeinden und Tourismusbetriebe auf zusätzliche Besucher vor. Sonnenfinsternisse dieser Größenordnung führen regelmäßig dazu, dass Beobachter weite Reisen unternehmen, um für wenige Augenblicke innerhalb des Kernschattens des Mondes zu stehen.
Spanien befindet sich dabei in einer außergewöhnlichen astronomischen Phase.
Bereits im August 2027 folgt die nächste große Sonnenfinsternis. Sie wird insbesondere im Süden Spaniens von Bedeutung sein und gehört aufgrund ihrer außergewöhnlich langen Totalitätsdauer zu den spektakulärsten Sonnenfinsternissen dieses Jahrhunderts.
2026 aber richtet sich der Blick zunächst auf den Norden und die Balearen.
Am Abend des 12. August wird dort für einen kurzen Moment etwas geschehen, das selbst in einem Land mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr äußerst selten ist:
Die Sonne verschwindet.
