In Spanien erschüttert ein neues politisches Erdbeben die Region Valencia. Carlos Mazón, Präsident der Generalitat Valenciana und Mitglied der konservativen Partido Popular (PP), hat am Montagmorgen seinen Rücktritt erklärt – nur wenige Tage nach dem Staatsbegräbnis für die Opfer der DANA-Katastrophe, bei dem er von Angehörigen und Bürgern wütend als „Mörder“ (Asesino) beschimpft worden war
Redaktion Spanien Press
Der Schritt kommt ein Jahr nach der verheerenden DANA-Sturmflut, die im Oktober 2024 große Teile der Region verwüstete und 237 Menschen das Leben kostete.
„Ich kann nicht mehr. Ich habe Fehler gemacht, aber ich bin kein schlechter Mensch“
Ein Jahr nach der Tragödie
Am 29. Oktober 2024 traf eine außergewöhnlich starke DANA (Depresión Aislada en Niveles Altos) die Region Valencia mit sintflutartigen Regenfällen.
Binnen weniger Stunden standen ganze Städte und Dörfer unter Wasser, der Barranco del Poyo und andere Flussläufe traten über die Ufer.
237 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt und Tausende verloren ihr Zuhause.
Kritiker werfen Mazón vor, in den entscheidenden ersten Stunden der Katastrophe abwesend gewesen zu sein.
Während Rettungskräfte bereits um Menschenleben kämpften, sei der Regionalpräsident nicht erreichbar gewesen und erst verspätet im Regierungssitz eingetroffen, als bereits erste Todesopfer bestätigt wurden.
„Ich hätte meine Agenda absagen müssen. Das war mein größter Fehler“, räumte Mazón ein. „Diese Fehler werden mich mein Leben lang begleiten.“
Ein Kampf um Schuld und Verantwortung
Nach der Katastrophe eskalierte der politische Streit zwischen der Regionalregierung in Valencia (PP) und der Zentralregierung in Madrid (PSOE).
Die Regierung Sánchez machte Mazón direkt verantwortlich für den Tod der 237 Menschen, wegen unzureichender Koordination und verspäteter Entscheidungen in den ersten Stunden der Katastrophe.
Die Partido Popular weist diese Anschuldigungen entschieden zurück.
Aus Valencia heißt es, die Zentralregierung habe seit Jahren wichtige Infrastrukturprojekte in den Barrancos – den Trockentälern, die bei starkem Regen überfluten – nicht umgesetzt oder gestrichen, obwohl sie genau dazu gedacht waren, solche Tragödien zu verhindern.
„Madrid hat versagt, weil es die vorgesehenen Schutzbauten nie realisiert hat“, erklärte ein Sprecher der PP.
Beide Lager beschuldigen sich gegenseitig – und nutzen die Opfer politisch.
Während die Regierung Sánchez den Fall als Beweis für das „Versagen der Rechten“ darstellt, wirft die PP dem Sozialismus „Zynismus“ und „Vergessen der Toten“ vor.
Ein Rücktritt voller Anklagen
In seiner Rücktrittsrede griff Mazón Premier Pedro Sánchez scharf an:
„Wir baten um Hilfe, aber sie kam nie. Die Regierung wollte uns aus politischem Kalkül alleinlassen.“
Er sprach von einer „skandalösen“ Untätigkeit in den ersten Stunden der Katastrophe und warf Sánchez vor, „die Opfer als Waffe im politischen Kampf“ zu missbrauchen.
„Eine brutale Kampagne gegen mich“
Mazón berichtete über die persönliche Belastung der vergangenen Monate:
„Man hat mich einen Mörder genannt, mir Lügen unterstellt – das war eine brutale Kampagne.“
Er betonte, dass sein Rücktritt keine politische, sondern eine menschliche Entscheidung sei:
„Diese Monate waren grausam – für mich und meine Familie.“
Wie es jetzt weitergeht
Nach Mazóns Rücktritt muss das Regionalparlament eine neue Präsidentin oder einen neuen Präsidenten wählen.
Als wahrscheinlichste Nachfolgerin gilt María José Pérez Llorca, bisherige Parlamentspräsidentin.
Sollte sich die Koalition zwischen PP und Vox nicht auf eine Kandidatur einigen, könnte Mazón noch vorübergehend geschäftsführend im Amt bleiben – oder es käme zu Neuwahlen.
Ein Symbol für Spaniens politische Spaltung
Der Fall Mazón zeigt die tiefe politische und institutionelle Spaltung Spaniens.
Ein Jahr nach der Katastrophe sind viele Regionen noch im Wiederaufbau, während Regierung und Opposition einander für das Versagen verantwortlich machen.
Die DANA-Tragödie wurde zu einem Sinnbild für ein Land, das nicht nur mit Naturkatastrophen, sondern auch mit politischer Polarisierung kämpft.
„Ich hoffe, die Menschen können zwischen einem Mann, der Fehler gemacht hat, und einem Mann, der ein schlechter Mensch ist, unterscheiden“, sagte Mazón zum Abschluss seiner Rede.

