In mehreren Katzenkolonien der spanischen Exklave fehlen nach Angaben freiwilliger Helferinnen zahlreiche Tiere. Zudem berichten sie von tot aufgefundenen Katzen sowie teilweise gefressenen Tauben und Möwen. Die Ursachen sind bislang ungeklärt.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Die Migrationskrise in Ceuta sorgt für einen weiteren ungewöhnlichen Nebeneffekt. Freiwillige Betreuerinnen von Katzenkolonien berichten über verschwundene Katzen, tote Tiere und veränderte Lebensräume. Besonders betroffen seien Kolonien in mehreren Teilen der spanischen Exklave, die seit dem massiven Grenzübertritt Ende Juli durch provisorische Ansiedlungen und eine erhöhte Zahl von Menschen stark verändert wurden.
Die Helferinnen schlagen deshalb Alarm und fordern die Behörden auf, die Vorfälle zu untersuchen. Gleichzeitig ist bislang nicht geklärt, was mit den verschwundenen Katzen geschehen ist oder wer für die gemeldeten Todesfälle verantwortlich sein könnte.
Immer weniger Katzen in den Kolonien
Nach Angaben der freiwilligen Betreuerinnen sind insbesondere Katzenkolonien in der Nähe der Entsalzungsanlage, Huerta Téllez, Carmelitas und der Calle Goya betroffen. Auch in den Stadtvierteln Príncipe, Sidi Embarek und Punta Blanca soll sich die Situation verändert haben.
Die Helferinnen versorgen die Tiere nach eigenen Angaben weiterhin täglich mit Futter und Wasser. Gleichzeitig beobachten sie, dass an einigen Stellen deutlich weniger Katzen auftauchen.
Eine der Betreuerinnen bringt die Situation laut den Berichten auf den Punkt: Es würden eindeutig Katzen fehlen, gleichzeitig sei unklar, wo die Tiere geblieben seien.
Lebensräume der Tiere werden verändert
Ein wesentlicher Faktor ist offenbar die Veränderung der bisherigen Lebensräume. Nach dem massiven Zustrom von Migranten Ende Juli entstanden in verschiedenen Bereichen Ceutas provisorische Ansiedlungen. Einige dieser Gebiete überschneiden sich mit den Lebensräumen der dort ansässigen Katzenkolonien.
Für die Tiere bedeutet das eine erhebliche Veränderung ihrer gewohnten Umgebung. Katzen sind stark an ihre Reviere gebunden. Wenn diese Bereiche plötzlich von zahlreichen Menschen genutzt werden, können sich die Tiere zurückziehen oder gezwungen sein, neue Aufenthaltsorte zu suchen.
Damit steigt zugleich das Risiko, dass Tiere ihre Futterstellen verlieren oder beim Ausweichen in andere Gebiete Gefahren wie Straßenverkehr ausgesetzt sind.
Betreuerinnen berichten von toten Katzen
Besonders beunruhigend sind die Angaben zu tot aufgefundenen Katzen. Eine Verantwortliche einer Kolonie berichtet, mehrere tote Tiere gefunden zu haben. Nach ihren Angaben wiesen einige davon Verletzungen auf. Außerdem sei es zu Fällen von Misshandlung gekommen. Auch Tauben und Möwen sollen teilweise gefressen aufgefunden worden sein. Die Betreuerinnen fordern deshalb eine Untersuchung der Vorfälle.
Entscheidend ist jedoch: Die Verantwortlichen haben nach eigener Aussage niemanden dabei beobachtet, wie er die Tiere getötet oder gegessen hat. Eine konkrete Täterschaft lässt sich aus den vorliegenden Berichten daher nicht ableiten.
Zusammenhang mit der Migrationskrise bleibt ungeklärt
Der zeitliche Zusammenhang sorgt für Diskussionen. Die beschriebenen Veränderungen treten in einer Phase auf, in der Ceuta nach dem massiven Grenzübertritt vom 30. Juli mit einer außergewöhnlichen Belastung durch die Migration konfrontiert ist.
Die Betreuerinnen berichten, dass mehrere Katzenkolonien durch die neuen provisorischen Ansiedlungen beeinträchtigt wurden. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch schließen, dass Migranten für die Todesfälle verantwortlich sind.
Auch aktuelle Faktenchecks warnen vor einer solchen Schlussfolgerung. Eine verbreitete Aufnahme eines toten Katzenbabys, die in sozialen Netzwerken mit den Vorfällen in Ceuta in Verbindung gebracht wurde, stammt beispielsweise nicht aus Ceuta, sondern aus Gran Canaria und wurde bereits 2025 im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Vergiftungsfall veröffentlicht.
Behörden sollen die Vorfälle untersuchen
Die freiwilligen Helferinnen verlangen deshalb eine genauere Untersuchung. Sie wollen wissen, was mit den verschwundenen Katzen geschehen ist und ob die gemeldeten Todesfälle einen gemeinsamen Hintergrund haben.
Gleichzeitig fordern sie von den Behörden mehr Unterstützung beim Schutz der Katzenkolonien. Die provisorischen Unterkünfte sollten nach ihrer Auffassung so organisiert werden, dass die Tiere ihre Rückzugs- und Versorgungsbereiche nicht verlieren. Dabei geht es nicht nur um mögliche Todesfälle. Auch die Verdrängung der Tiere aus ihren bisherigen Lebensräumen wird als Problem beschrieben.
Ein Problem, das bereits vor der Krise existierte
Die Situation der Straßenkatzen ist in Ceuta allerdings nicht erst durch die aktuelle Migrationskrise entstanden. Freiwillige kümmern sich bereits seit Jahren um die Versorgung und Betreuung der Katzenkolonien.
Die derzeitige Situation verschärft nach Angaben der Helferinnen jedoch die bestehenden Probleme. Futterstellen werden schwieriger erreichbar, Lebensräume verändern sich und die Tiere müssen teilweise neue Bereiche aufsuchen.
Was bislang bekannt ist – und was nicht
Die vorliegenden Berichte zeichnen ein ungewöhnliches Bild, lassen jedoch wichtige Fragen offen. In mehreren Katzenkolonien werden nach Angaben der freiwilligen Betreuerinnen weniger Tiere beobachtet, zudem berichten sie von verschwundenen Katzen und tot aufgefundenen Tieren. Auch teilweise gefressene Tauben und Möwen wurden gemeldet. Gleichzeitig sind mehrere Katzenkolonien von den Veränderungen betroffen, die durch die provisorischen Ansiedlungen entstanden sind. Die Betreuerinnen fordern deshalb eine Untersuchung der Vorfälle.
Unklar bleibt jedoch weiterhin, was mit den verschwundenen Katzen geschehen ist, wer für die gemeldeten Todesfälle verantwortlich sein könnte und ob zwischen den einzelnen Fällen überhaupt ein Zusammenhang besteht. Auch ein direkter Zusammenhang mit der aktuellen Migrationssituation ist bislang nicht nachgewiesen. Gerade deshalb wäre es voreilig, die Vorfälle einer bestimmten Personengruppe zuzuschreiben.
Ceuta steht vor einem weiteren Problem
Die Geschichte der Katzenkolonien ist damit zu einem weiteren Beispiel dafür geworden, wie stark die Ereignisse vom 30. Juli den Alltag in Ceuta verändert haben. Neben der Unterbringung und Versorgung der Migranten müssen sich die Behörden auch mit den Folgen für die bestehende Infrastruktur und die lokalen Lebensräume auseinandersetzen.
Für die freiwilligen Betreuerinnen steht dabei vor allem der Schutz der Tiere im Mittelpunkt. Sie wollen weiterhin sicherstellen, dass die Katzen mit Futter und Wasser versorgt werden und ihre Kolonien erhalten bleiben.
Was mit den verschwundenen Katzen geschehen ist und wie es zu den gemeldeten Todesfällen kam, bleibt vorerst ungeklärt. Die Betreuerinnen hoffen nun darauf, dass die Behörden den Hinweisen nachgehen und Klarheit schaffen.
