Llucmajor, Mallorca – Ein Legehennenbetrieb auf der spanischen Ferieninsel Mallorca steht im Mittelpunkt eines Tierschutzskandals. Trotz des offiziellen Tierschutzsiegels Welfair wurden laut einer Anzeige von Umwelt- und Tierschutzorganisationen gravierende Missstände festgestellt: Hühner leben dort offenbar neben verwesenden Kadavern, Ratten und in einer Umgebung, die als „extrem unhygienisch“ beschrieben wird.

Die Anzeige wurde von den Organisationen Arde und Satya Animal bei der Umweltstaatsanwaltschaft eingereicht. Sie stützt sich auf Bild- und Videomaterial, das die Zustände im Stall dokumentieren soll: Spinnweben, eine dicke Schicht aus Staub, Kot und Federn – und Hühner, die mit toten Artgenossen zusammenleben, teils bereits von anderen Hühnern angefressen. Auch Ratten und sogar Igel wurden in den Stallungen gesichtet. Laut den Organisationen bestehe ein ernstzunehmendes Zoonose-Risiko, also die Gefahr der Übertragung von Krankheiten wie Leptospirose oder Salmonellen auf den Menschen.

Trotzdem ist der Betrieb seit Jahren offiziell als tierwohlgerecht zertifiziert. Zudem fehlt dem Betrieb seit 2017 die gesetzlich vorgeschriebene Umweltgenehmigung, wie spanische Behörden bereits festgestellt haben.
Öffentliche Fördermittel trotz illegalem Betrieb
Besonders brisant: Die Farm erhielt zwischenzeitlich rund 380.000 Euro aus EU-Fördermitteln (Feader) – für den Bau eines Eierklassifizierungszentrums. Das sorgt nicht nur bei den Anwohnern für Empörung.
Das Unternehmen Avícola Son Perot, das den Betrieb führt, weist die Vorwürfe zurück. In einer Stellungnahme heißt es, alle Farmen unterlägen regelmäßigen internen und externen Kontrollen und die jüngste offizielle Prüfung am 20. Mai 2025 sei ohne Beanstandung verlaufen.
Tausende Anwohner betroffen – Forderung nach Schließung
Mehr als 9.000 Anwohner berichten über jahrelange Belästigung durch Fliegenplagen, penetranten Ammoniakgeruch und gesundheitliche Beschwerden wie Atemprobleme oder Migräne. Im Sommer, so berichten Betroffene, könne man kaum das Fenster öffnen, ohne die Luft mit dem typischen Stallgeruch zu verpesten.
Die Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen fordern die sofortige Stilllegung des Betriebs, da dieser laut dem spanischen Umweltgesetz von 2013 nicht legalisiert werden könne. Ein Betrieb, der ohne vorherige Umweltverträglichkeitsprüfung gebaut wurde, müsse zurückgebaut und das Gelände wiederhergestellt werden.
Im Jahr 2024 hatte dasselbe Unternehmen mit dem Plan für eine Mega-Hühnerfarm mit über 700.000 Tieren für Aufsehen gesorgt. Das Projekt wurde im Januar 2025 gestoppt – durch ein neues Gesetz der Regionalregierung, das Großbetriebe mit mehr als 160.000 Tieren auf den Balearen verbietet.
