Netzbetreiber Red Eléctrica wird entlastet – Regierung richtet Blick auf Energiekonzerne
Madrid | 28. Mai 2025
Vor genau einem Monat erlebten Spanien und Teile Portugals einen massiven Stromausfall, der fast 20 Stunden andauerte. Millionen Menschen waren betroffen – in Wohnungen, Geschäften, Krankenhäusern und im öffentlichen Verkehr. Doch auch einen Monat später ist die Ursache dieser beispiellosen Störung des Stromnetzes weiterhin ungeklärt.
Was bisher bekannt ist
Das spanische Umweltministerium hat die technische Analyse des Vorfalls vorangetrieben, konnte bisher jedoch keine eindeutige Ursache identifizieren. Sicher ist nur: Red Eléctrica de España (REE), der staatliche Netzbetreiber, trifft laut Regierung keine Schuld. Die Stromversorgung sei am 28. April stabil gewesen, mit ausreichender Leistung und Netzfrequenz.
Stattdessen konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf große private Energieunternehmen wie Iberdrola, Endesa, EDP oder Repsol, die sowohl Strom erzeugen als auch verteilen. Im Zentrum der Hypothesen steht eine mögliche Überspannung im Netz oder ein Versagen der automatischen Schutzsysteme in Kraftwerken, die bei Unregelmäßigkeiten eine Abschaltung auslösen.
Konflikt zwischen Regierung und Energiewirtschaft
Die betroffenen Unternehmen weisen jede Verantwortung zurück. Sie betonen, dass ihre Anlagen ordnungsgemäß funktioniert hätten, und kritisieren sowohl mangelnde Transparenz der Regierung als auch die europäische Untersuchung unter Leitung von ENTSO-E, dem Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber. Diese konzentriere sich ausschließlich auf die 20 Sekunden vor dem Stromausfall, ohne frühere Störungen zu berücksichtigen.
Red Eléctrica, zu Beginn selbst unter Druck, hat sich inzwischen öffentlich zurückgemeldet und betont, dass der Fehler nicht im Hochspannungsnetz lag. Präsidentin Beatriz Corredor fordert nun, die Verantwortung auch bei anderen Akteuren im System zu suchen.
Ein europäisches Problem?
Der Stromausfall war nicht nur auf Spanien beschränkt: Netzschwankungen wurden bis nach Deutschland und Lettlandregistriert. Daher führen Spanien und Portugal eigene Untersuchungen durch und wollen in spätestens zwei Monaten Berichte an die EU-Kommission übergeben. Die europäische Analyse von ENTSO-E wird voraussichtlich erst in sechs Monaten abgeschlossen sein.
Technische Hintergründe
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Spaniens Stromnetz verfügte am Tag des Ausfalls über eine kinetische Energie von 2,3 Sekunden, mehr als die empfohlene Mindestgrenze.
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Zwei schwerwiegende Netzstörungen wurden am 28. April festgestellt, die letzte um 12:09 Uhr – wenige Minuten vor dem vollständigen Blackout um 12:32 Uhr.
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Vermutlich wurde der Ausfall durch eine Überspannung ausgelöst – die genaue Ursache ist noch unklar.
Wie geht es weiter?
Mehrere spanische Regionen, insbesondere solche unter konservativer Führung, fordern nun die Einbindung in die Untersuchung, um technisches Know-how beizutragen. Die nationale Analyse umfasst über 750 Millionen Datensätze – eine Auswertung, die Zeit braucht.
Fest steht: Der Stromausfall hatte wahrscheinlich nicht nur eine einzelne Ursache, sondern war das Ergebnis mehrerer technischer Störungen und möglicher Fehleinschätzungen. Die Suche nach Antworten dauert an – und mit ihr auch die Debatte über die Sicherheit und Zukunft der europäischen Energieinfrastruktur.
