Ich bin Sevillanerin – von Geburt und im Herzen – und ich weiß, dass Hitze hier nichts Neues ist. Ich habe endlose Sommer erlebt, verpflichtende Siestas und schlaflose Nächte, in denen ich auf dem Balkon nach einem Lufthauch suchte. Aber dieses Jahr ist kein Sommer wie jeder andere: Es ist eine Belagerung. Eine Hitzewelle, die nicht enden will, unbeweglich, als hätte sich das Thermometer bei über vierzig Grad festgesetzt und würde niemals mehr sinken
von Elsa Ibanez
Spanien ist nicht nur Küste. Hier im Landesinneren bleibt die Hitze zwischen den Straßen und Mauern gefangen. Der Asphalt glüht, das Kopfsteinpflaster brennt und selbst die Bäume wirken erschöpft. Um zwei Uhr nachmittags gleicht Sevilla einer leeren Filmkulisse: nicht einmal die Vögel wagen es, der Sonne zu trotzen.
Viele Menschen – besonders jene, die an der Küste leben – sagen, hier sei es doch immer so heiß gewesen. Aber ich sage euch: Nein. So etwas habe ich noch nie gespürt. Nicht einmal in den Hitzewellen meiner Kindheit, als die Nächte zwar warm, aber erträglich waren. Neulich ging ich um elf Uhr abends hinaus, und man konnte kaum atmen: Es war Sevilla bei Nacht, aber ohne Erleichterung, mit einer dichten, heißen Luft, die den ganzen Tag wie eine Last auf den Schultern hielt.
Wer sagt, „das war schon immer so“, der passt nicht auf. Das Klima verändert sich. Die Temperaturen steigen, Hitzewellen dauern länger, beginnen früher und enden später. Es ist kein Ausnahmephänomen mehr, sondern die neue Normalität… und das macht Angst. Denn es geht nicht nur um Unbehagen: Es geht um Gesundheit, um Dürre, um ausgedörrte Felder, um Ernten, die ausbleiben, um ältere Menschen, die es nicht schaffen.
Und doch bleibt Sevilla schön am Flussufer, in diesen Nächten ohne Abkühlung. Aber hoffentlich kommt bald der Herbst, mit seinen ersten Regenfällen, dem Duft von nasser Erde und dem Versprechen von Nächten, in denen wir endlich wieder frei atmen können.
Foto: Sevilla bei Nacht – die einzige Art, sie jetzt zu erleben.
