Über 2,7 Millionen Minderjährige in Spanien sind betroffen – laut Eurostat nur in Bulgarien ist die Lage noch schlimmer.
Die neuesten Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Im Jahr 2024 lebten 34,6 % aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Spanien in Armut oder waren von sozialer Ausgrenzung bedroht. Das entspricht mehr als 2,7 Millionen Minderjährigen – ein Rekordwert innerhalb der Europäischen Union. Nur Bulgarien, mit 35,1 %, liegt noch darüber.
Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt lag im selben Jahr bei 24,2 %, was rund 19,5 Millionen betroffene Kinder und Jugendliche bedeutet.
Stagnation in Spanien trotz wirtschaftlichem Aufschwung
Die spanische Quote ist seit Jahren hoch – und sie steigt weiter an. 2023 lag sie bei 34,5 %, 2022 bei 32,2 %. Damit gehört Spanien gemeinsam mit Rumänien (33,8 %) und Griechenland (27,9 %) zu den Ländern mit den schlechtesten sozialen Indikatoren für Kinder.
Die niedrigsten Quoten verzeichneten dagegen Slowenien (11,8 %), Zypern (14,8 %) und Tschechien (15,4 %).
Diese Zahlen werfen Fragen auf, besonders in einem Land, das wirtschaftlich in vielen Bereichen wächst, aber offenbar nicht in der Lage ist, die soziale Lage seiner jüngsten Generation spürbar zu verbessern.
Was bedeutet „Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung“?
Eurostat definiert Kinder als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, wenn sie in Haushalten leben, die mindestens eine der folgenden Bedingungen erfüllen:
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Materielle und soziale Entbehrung: Es fehlt an lebenswichtigen Gütern wie gesunder Nahrung, Kleidung oder Lernmaterialien.
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Einkommen unterhalb der Armutsgrenze: Das Haushaltseinkommen liegt deutlich unter dem nationalen Median.
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Sehr geringe Erwerbsintensität: Es gibt kaum oder keine berufliche Tätigkeit in der Familie.
Lichtblicke und Rückschritte in Europa
Einige EU-Länder konnten ihre Situation im Vergleich zu 2023 deutlich verbessern – allen voran Rumänien, das einen Rückgang von 5,2 Prozentpunkten verzeichnete, gefolgt von Irland (-3,7 pp) und Ungarn (-3,3 pp). Andere entwickelten sich hingegen rückläufig: In Finnland stieg der Anteil betroffener Kinder um 3,5 Prozentpunkte, in Kroatien um 2,0, in Bulgarien und Belgien jeweils um 1,2 Punkte.
Ein strukturelles Problem
Die Daten machen deutlich: Armut in der Kindheit ist ein strukturelles Problem, das sich nicht allein durch wirtschaftliches Wachstum lösen lässt. Sie beeinflusst Bildungswege, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe – und verstärkt langfristig soziale Ungleichheit.
Spanien steht damit nicht nur vor einer sozialen Herausforderung, sondern auch vor einer Frage der Zukunftsfähigkeit: Wie gelingt es, einer ganzen Generation faire Chancen zu bieten?
