30 de Mai de 2025
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Spanien geht die Mietwohnungen aus: Tourismus, Zuwanderung und gesetzliche Hürden verschärfen die Wohnungsnot

Eine Mietwohnung in Spanien zu finden, wird für viele Menschen – insbesondere für spanische Familien – immer schwieriger. Laut einem aktuellen Bericht des Immobilienportals Idealista ist das Angebot an Langzeitmietwohnungen seit 2020 um mehr als 50 % zurückgegangen, während gleichzeitig Ferienwohnungen und zeitlich befristete Mietangebote im ganzen Land stark zugenommen haben.

Derzeit gibt es mehr als doppelt so viele Anzeigen für touristisch genutzte Unterkünfte (373.925) wie für reguläre Mietwohnungen (159.629). Diese Entwicklung betrifft nicht nur Großstädte wie Madrid, Barcelona, Valencia oder Málaga, sondern auch ländliche Regionen, Küstenorte und Inseln. Der boomende Tourismus sowie die zunehmende Zuwanderung – sowohl aus Drittstaaten als auch aus anderen EU-Ländern – setzen den Wohnungsmarkt massiv unter Druck. Viele EU-Bürger, etwa aus Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden, ziehen dauerhaft nach Spanien, angezogen von Klima, Lebensstil und vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten.

Ein weiterer entscheidender Faktor sind die Bestimmungen der spanischen Mietgesetzgebung (Ley de Arrendamientos Urbanos – LAU). Obwohl das Gesetz nicht neu ist, schützt es Mieter stark – auch dann, wenn sie ihre Miete nicht zahlen. Zwangsräumungen sind oft langwierig und kompliziert. Diese rechtliche Unsicherheit hat zur Folge, dass viele Eigentümer den traditionellen Mietmarkt meiden und stattdessen auf Ferienvermietungen oder befristete Mietverträgesetzen, bei denen sie mehr Kontrolle und höhere Renditen haben.

Besonders stark wächst das Segment der zeitlich befristeten Mietverträge. Ursprünglich gedacht für vorübergehende Aufenthalte – etwa von Studierenden oder Berufstätigen – werden sie inzwischen häufig dazu genutzt, die LAU gezielt zu umgehen. In der Praxis handelt es sich dabei oft um versteckte Dauervermietungen ohne rechtlichen Mieterschutz.

In Städten wie Barcelona ist das Angebot an regulären Mietwohnungen in nur vier Jahren um 84 % gesunken. Auch in Madrid, Valencia und Málaga liegt der Rückgang bei über 60 %. Gleichzeitig ist die Zahl der Ferienwohnungen stark angestiegen und übersteigt in vielen Städten bereits das Angebot an Dauervermietungen.

Die Folgen spüren vor allem die einheimische Bevölkerung: Immer mehr Familien finden keine bezahlbare Wohnung mehr, während Touristen und temporäre Nutzer bevorzugt werden.

Parallel steigen die Immobilienpreise weiter an. Im ersten Quartal 2025 verteuerten sich Wohnungen landesweit um 7,3 %, in Regionen wie Madrid, Katalonien oder den Balearen sogar um mehr als 10 %. In vielen Städten ist das Leben im Zentrum inzwischen drei Mal so teuer wie in den Randbezirken.

Als Reaktion auf diese wachsende Wohnungsnot hat die spanische Regierung ein Gesetzesentwurf vorgelegt, das höhere Steuern auf leerstehende Wohnungen und touristische Vermietungen vorsieht. Zudem soll der Immobilienerwerb durch ausländische Nicht-Residenten eingeschränkt werden. Die Gesetzesinitiative befindet sich derzeit im parlamentarischen Verfahren, zeigt aber bereits jetzt: Die gesellschaftliche und politische Debatte um bezahlbaren Wohnraum spitzt sich in Spanien dramatisch zu.


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