Es gibt spanische Sommerorte, die laut geworden sind. Und dann gibt es Comillas. Das kleine Küstenstädtchen in Kantabrien gehört seit Generationen zu jenen Orten, an denen der spanische Sommer noch nach Familie, Tradition und langen Abenden am Meer aussieht. Zwischen alten Herrenhäusern, Studenten, endlosen Stränden und verwinkelten Gassen pflegt Comillas eine Form des Sommerurlaubs, die anderswo in Spanien immer seltener wird.
Redaktion Spanien Press
Der Sommer der spanischen Familien
Comillas hat eine lange Geschichte als Sommerresidenz der wohlhabenden spanischen Gesellschaft. Im 19. Jahrhundert zog der Ort Aristokraten, Unternehmer und Mitglieder des Königshauses an. Noch heute erinnern prächtige Villen, Paläste und große Casonas an diese Epoche.
Diese Geschichte prägt auch die Atmosphäre der Sommermonate. Viele Familien verbringen seit Generationen ihre Ferien hier. Im August füllen sich die Häuser, auf den Terrassen sitzen Großeltern, Eltern und Kinder zusammen und am Abend treffen sich Jugendliche im historischen Zentrum.
Comillas wirkt dabei elegant, aber selten demonstrativ. Anders als in manchen mondänen Ferienorten am Mittelmeer spielt sich der Sommer hier vergleichsweise unaufgeregt ab.
Die Fundación Comillas bringt die Welt in den Ort
Einen interessanten Kontrast zu diesem traditionellen Ferienleben schaffen die vielen jungen Menschen aus dem Ausland.
Eine wichtige Rolle spielt die Fundación Comillas, deren Sitz sich im imposanten historischen Universitätskomplex oberhalb des Ortes befindet. Heute ist hier keine Universität im klassischen Sinne untergebracht. Die Stiftung widmet sich insbesondere der spanischen Sprache und der hispanischen Kultur.
Studenten aus verschiedenen Ländern kommen nach Comillas, um Spanisch zu lernen und sich intensiver mit der Geschichte und Kultur Spaniens zu beschäftigen – unter anderem im Rahmen von Sommerkursen.
Damit verändert sich das Straßenbild während der Ferienmonate ganz selbstverständlich. Zwischen spanischen Sommergästen hört man plötzlich Englisch, Deutsch, Französisch oder andere Sprachen. Für die jungen Besucher findet ein Teil des Lernens ohnehin außerhalb der Kurse statt: beim Einkaufen, im Café, am Strand oder beim Gespräch mit Gleichaltrigen.

Ein Spaziergang durch ein anderes Spanien
Comillas lässt sich am besten zu Fuß entdecken.
Das historische Zentrum besteht aus kleinen Plätzen, alten Steinhäusern und verwinkelten Gassen. Dazwischen tauchen immer wieder die herrschaftlichen Gebäude auf, die vom wirtschaftlichen Aufstieg des Ortes im 19. Jahrhundert erzählen.

Der Engel über Comillas
Einer der ungewöhnlichsten Plätze liegt auf einer Anhöhe nahe der Küste.
Der historische Friedhof von Comillas entstand auf den Resten einer alten Kirche. Über seinen Mauern erhebt sich der eindrucksvolle Ángel Exterminador des katalanischen Bildhauers Josep Llimona.
Die große Engelsfigur scheint über Comillas und das Meer zu wachen. Von der Anhöhe öffnet sich ein beeindruckender Blick über die Dächer, die grüne kantabrische Landschaft und den Atlantik.
Es ist einer jener Orte, die man besonders kurz vor Sonnenuntergang besuchen sollte.

Der Atlantik bestimmt den Sommer
Die Strände rund um Comillas sind das Gegenteil vieler dicht bebauter Mittelmeerstrände. Die Küste ist weit, grün und offen. Hinter dem Sand beginnen Wiesen und Hügel, vor einem liegt der Atlantik.
Das Wetter gehört dabei zum Erlebnis. Sonne, Wolken und Wind können sich schnell abwechseln – und genau dieses wechselnde Licht verleiht der kantabrischen Küste ihren besonderen Reiz.
Tagsüber gehören die Strände den Familien, Spaziergängern und Surfern. Gegen Abend verlagert sich das Leben zurück in den Ort.

Wenn Comillas am schönsten ist
Vielleicht beginnt die beste Tageszeit ohnehin erst dann.
Nach dem Strand füllen sich die Terrassen und Gassen des historischen Zentrums. Kinder spielen noch draußen, Jugendliche treffen sich mit Freunden und die Studenten mischen sich unter die Sommergäste.
Dann verschwindet langsam die Sonne über dem Atlantik.
Die alten Häuser bekommen für einige Minuten ein warmes Licht, über den Hügeln liegt der letzte Schein des Tages und am Meer entstehen jene unvergesslichen Sonnenuntergänge, für die man keinen Beachclub und keine große Inszenierung braucht.
Comillas kann im August voll sein und ist längst kein Geheimtipp mehr. Trotzdem fühlt sich der Ort anders an als viele bekannte Ferienziele Spaniens.
Vielleicht liegt es an seiner Geschichte. Vielleicht an den alten Häusern und dem Grün. Vielleicht an der Mischung aus spanischen Familien und jungen Menschen aus aller Welt.
Oder schlicht daran, dass hier vieles noch erstaunlich selbstverständlich wirkt.
Comillas ist kein Ort, an dem man den Sommer neu erfinden musste. Gerade das macht ihn so besonders.
