Der spanische Immobilienmarkt befindet sich im stärksten Wandel seit Jahren. Erschwingliche Wohnungen unter 200.000 Euro, einst ein Grundpfeiler des städtischen Angebots, sind in vielen Regionen nahezu verschwunden. Ein neuer Bericht des Portals Idealista zeigt: Immobilien ab 500.000 Euro bestimmen zunehmend das Marktgeschehen – ein klarer Hinweis auf die strukturelle Verteuerung des Wohnens in Spanien
Redaktion Spanien Press
Noch im Jahr 2020 lag der Anteil der günstigen Wohnungen bei knapp 60 %. Heute sind es nur noch 37,6 %. Gleichzeitig hat sich das Segment über einer halben Million Euro mehr als verdoppelt: Von 11,4 % auf 23,5 %. Damit zählt mittlerweile fast jede vierte zum Verkauf stehende Wohnung zum gehobenen Preissegment.
Laut Idealista hat diese Verschiebung zwei Ursachen: den starken Preisanstieg und die Tatsache, dass günstigere Wohnungen sich deutlich schneller verkaufen. Sie verschwinden schneller aus dem Bestand und tauchen seltener in den Statistiken auf. In den mittleren Preislagen (200.000 bis 500.000 Euro) wächst das Angebot ebenfalls, wenn auch moderater – ein Anzeichen dafür, dass sich der gesamte Markt in Richtung höherer Preise bewegt.
San Sebastián, Palma und Madrid: Wo die halbe Million zur neuen Realität wird
In einigen Städten wird die Entwicklung besonders sichtbar. San Sebastián und Palma führen die Liste der teuersten Immobilienmärkte Spaniens an: In beiden Städten übersteigt mehr als die Hälfte der angebotenen Wohnungen die 500.000-Euro-Marke. Gleichzeitig liegt der Quadratmeterpreis im Schnitt über 5.000 Euro – ein Niveau, das vielen lokalen Haushalten den Zugang zum Eigentum praktisch unmöglich macht.
In San Sebastián liegen nur 1,7 % der Inserate unter 200.000 Euro, in Palma 4,4 %. Auch Madrid folgt diesem Trend: Jede zweite Wohnung kostet inzwischen mehr als eine halbe Million Euro. Die Zahl der preisgünstigen Objekte hat sich in fünf Jahren halbiert und liegt nur noch bei 12,1 %. In Barcelona ist die Dynamik ähnlich, wenn auch weniger abrupt. Dort stammen 40,6 % der Anzeigen aus dem gehobenen Segment.
Valencia, Málaga und andere Städte: Erschwingliches Wohnen verschwindet auch abseits der großen Zentren
Der Rückgang der erschwinglichen Wohnungen betrifft inzwischen einen Großteil des Landes. In über der Hälfte der spanischen Provinzhauptstädte hat sich der Anteil der Luxusimmobilien seit 2020 verdoppelt. Gleichzeitig ist das Angebot unter 200.000 Euro überall gesunken – selbst dort, wo diese Objekte früher den Markt dominierten.
Ein Beispiel ist Valencia: Innerhalb von fünf Jahren fiel der Anteil der günstigen Wohnungen von 59,4 % auf nur noch 22 %. Fast genauso viele Angebote liegen bereits über der Marke von 500.000 Euro (22,3 %). Málaga folgt einer ähnlichen Entwicklung: Während 2020 noch fast die Hälfte der Inserate unter 200.000 Euro lag, sind es heute nur noch 11,5 %. Dafür wächst das hochpreisige Segment stark und macht mittlerweile ein Drittel des Marktes aus.
Sevilla bleibt die Ausnahme unter den großen Städten. Hier gibt es weiterhin vergleichsweise viele Angebote unter 200.000 Euro: Vier von zehn Wohnungen liegen in diesem Bereich, während nur 15,5 % mehr als 500.000 Euro kosten.
