22 de Juli de 2025
Lesezeit 2 Minuten

Spanien treibt den Wandel voran: Frauen übernehmen Führungsrollen – und die Männer?

 

Ein persönlicher Blick einer Mutter auf Bildung, Gleichstellung und die Zukunft ihrer Kinder

von Elsa Ibanez

Dieser Sommer ist für viele Familien ein entscheidender Moment – auch für meine. Unsere Kinder warten auf ihre Zulassungsbescheide für die Universität oder fiebern den nächsten Schuljahren entgegen. Auch in meinem Haus stehen Veränderungen an. Ich bin Mutter von zwei Jungen und einem Mädchen – und was ich täglich beobachte, lässt mich über Rollenbilder, Erwartungen und Gleichberechtigung ganz neu nachdenken.

Was ich bei meiner Tochter sehe, beeindruckt mich: Sie ist noch klein, aber sie übertrifft ihre Brüder in vielen Bereichen – sprachlich, sozial, emotional und auch was Organisation und Konzentration betrifft. Ist das ihre Natur? Oder unterstützen wir Mädchen – bewusst oder unbewusst – in den frühen Jahren einfach mehr? Wird ihnen mehr zugetraut, werden sie mehr ermutigt?

Fakt ist: In Spanien haben Mädchen heute in der Bildung die Nase vorn. Sie erzielen im Schnitt die besseren Noten, beenden häufiger ein Studium und greifen nach Positionen, die noch vor wenigen Jahrzehnten als “männlich” galten. Laut dem Bericht Women in Business 2025 besetzen Frauen inzwischen 38,4 % der Führungspositionen – viermal so viele wie vor 20 Jahren.

Spanien gilt sogar als das Land in Europa mit dem höchsten Anteil an weiblichen Führungskräften. Ein echtes Vorzeigemodell. Doch ich frage mich als Mutter von zwei Söhnen auch: Haben wir auf dem Weg zur Gleichstellung vielleicht ein paar Jungen verloren?

Viele von ihnen wirken in der Schule orientierungslos, weniger gefördert, weniger gesehen. Während Mädchen in ihrer Reife oft voraus sind, kämpfen Jungen häufiger mit Motivation und Struktur. Und das in einem System, das individuelle Unterschiede nur bedingt berücksichtigt. Die Trennung nach Geschlechtern in Schulen wurde vielerorts abgeschafft – als Akt der Gleichheit. Doch heute denke ich: War das wirklich für alle ein Fortschritt?

Besorgniserregend ist auch, dass laut Ipsos-Studie 52 % der Spanier glauben, der Feminismus habe “zu weit” geführt und Männer würden inzwischen benachteiligt. Ich sehe das differenzierter – aber ich erkenne, woher solche Gedanken kommen. Vor allem, wenn ich erlebe, wie sich meine Söhne manchmal schwerer tun, ihren Platz zu finden.

Und während der Zugang zu Studium und Karriere für viele Frauen heute selbstverständlich ist, liegt die große Hürde oft in der Vereinbarkeit: Familie, Kinder, Job, Pflege. Spanien hat hier noch viel Nachholbedarf. Echte Gleichstellung endet nicht an der Bürotür – sie beginnt zu Hause.

Deshalb ist es Zeit, über beide Seiten zu sprechen. Über die Erfolge der Mädchen – aber auch über die Unsicherheiten der Jungen. Und über die Verantwortung, die wir als Eltern, Lehrkräfte und Gesellschaft haben: alle Kinder auf ihrem Weg zu stärken, unabhängig vom Geschlecht.

Ich wünsche mir, dass meine Tochter frei und mutig ihren Weg geht. Aber genauso wünsche ich mir, dass meine Söhne sich gesehen fühlen – mit all ihren Stärken, Eigenheiten und Potenzialen. Gleichberechtigung darf kein Wettbewerb sein. Sie ist ein Versprechen – an alle.

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