Der Kalifornier Jason Lee Beckwith hat in der spanischen Provinz Zamora etwas gefunden, wonach viele Reisende suchen: Ruhe, Ursprünglichkeit und einen Ort mit Geschichte. Doch anstatt sich einfach dort niederzulassen, hat er gleich ein ganzes Dorf gekauft – Salto de Castro, eine seit den späten 1980er-Jahren verlassene Siedlung nahe der portugiesischen Grenze. Der Preis: 310.000 Euro, weniger als eine kleine Wohnung im Zentrum von Madrid
Redaktion Spanien Press
Von Kalifornien in die Einsamkeit Kastiliens
Beckwith ist kein Investor auf der Jagd nach schnellen Gewinnen. „Ich will hier kein iberisches Kalifornien erschaffen“, sagt er. Sein Ziel ist es, das alte Dorf wiederzubeleben, ohne ihm die Seele zu nehmen. Es gehe ihm um Bewahrung, Gemeinschaft und neue Perspektiven für eine Region, die seit Jahrzehnten unter Entvölkerung leidet.
Der gebürtige Kalifornier hat ganz Europa bereist – und in Zamora „sein Paradies“ gefunden. Der wilde Flusslauf des Duero, die steilen Felsen der Arribes und die von Moos überzogenen Mauern des Dorfes hätten ihn sofort in ihren Bann gezogen. „Ich hatte das Gefühl, dass dieser Ort noch lebt – er wartet nur darauf, dass jemand zuhört“, erzählt er.
Die vergessene Geschichte von Salto de Castro
Salto de Castro wurde 1946 von der Energiefirma Iberduero erbaut, um Arbeiter der nahegelegenen Staumauer unterzubringen. Damals gab es eine Schule, eine Kirche, eine Bar, sogar eine Guardia-Civil-Kaserne – und mehr als 40 Häuser. Doch als die Arbeiten beendet waren, zogen die Bewohner fort. 1989 verließ der letzte Einwohner das Dorf, und die Natur nahm es zurück.
36 Jahre lang blieb es still – bis Beckwith auftauchte.
Ein Projekt mit sozialem Anspruch
Der Amerikaner plant, alle 44 Häuser, die Kirche, die Schule und die alte Kaserne zu restaurieren. Aus dem verlassenen Ort soll ein touristisches und gemeinschaftliches Zentrum werden, zugänglich für jedermann.
Geplant ist ein Hauptgebäude mit Unterkünften, Restaurant, Informationszentrum, Pool und Picknick-Bereichen. „Hier soll jeder willkommen sein – unabhängig vom Geldbeutel“, betont Beckwith. „Ich möchte, dass sich Natur, Kultur und Gemeinschaft hier begegnen.“
Die geschätzte Investition liegt zwischen vier und sieben Millionen Dollar, finanziert durch private Gelder, internationale Investoren und Fördermittel aus Spanien und der EU. Neben dem Tourismus will Beckwith Arbeitsplätze schaffen und das regionale Leben neu beleben – ganz im Sinne der Programme zur Wiederbesiedlung der ländlichen Gebiete Spaniens.
Kritik von Umweltschützern
Doch nicht alle teilen seine Begeisterung. Umweltorganisationen warnen vor möglichen Schäden am sensiblen Ökosystem: Salto de Castro liegt im Naturpark Arribes del Duero, einem von der UNESCO geschützten Gebiet innerhalb des europäischen Natura-2000-Netzes.
Beckwith verspricht, das Projekt in enger Abstimmung mit den Behörden umzusetzen – nachhaltig, umweltfreundlich und mit Respekt für die Landschaft, die ihn einst verzauberte.
Eine zweite Chance für ein Dorf ohne Stimme
Vielleicht gelingt hier, was in vielen anderen Regionen Spaniens noch Zukunftsmusik ist: dass ein vergessener Ort wieder zu leben beginnt – dank eines Mannes, der kam, um zu bleiben.
