Spaniens Regierung verschärft den Druck auf den Mietmarkt – Verbraucherschutzministerium will „Alquiler Seguro“ mit 3,6 Millionen Euro bestrafen –
Das spanische Ministerium für Sozialrechte, Verbraucherschutz und Agenda 2030, unter Leitung von Pablo Bustinduy, hat eine Geldstrafe von 3,6 Millionen Euro gegen die Immobilienfirma Alquiler Seguro vorgeschlagen.
Laut der Untersuchung soll das Unternehmen seit mindestens Juni 2023 Mietern zusätzliche Dienstleistungen und Klauseln aufgezwungen haben, die nach Auffassung der Behörden gegen das Verbraucherrecht verstoßen.
Der Fall wird in Spanien als weiterer Schritt der Regierung zugunsten der Mieter gesehen – und als Belastung für Eigentümer und Vermietungsagenturen.
Redaktion Spanien Press
Was wirft das Ministerium dem Unternehmen vor?
Dem Bericht zufolge habe Alquiler Seguro:
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Mieter zum Abschluss einer Hausratversicherung verpflichtet,
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einen Kundendienst für Mieter in Rechnung gestellt, der nicht angefordert wurde,
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Klauseln eingeführt, die eine Aufnahme in Schuldnerverzeichnisse erlauben,
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Mieter für mögliche Gerichtskosten und Zahlungsausfälle verantwortlich gemacht
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und zusätzlich eine Bonitätsprüfung zur Bedingung für den Mietvertrag gemacht.
All diese Praktiken gelten nach spanischem Recht als „schwerwiegende Verstöße“ gegen den Verbraucherschutz.
Wie kam es zur Untersuchung?
Das Verfahren begann im November 2023 nach einer Beschwerde der Verbraucherschutzorganisation FACUA, der sich später auch OCU anschloss.
Beide warfen Alquiler Seguro vor, von Mietern eine zusätzliche Monatsmiete plus 21 % Mehrwertsteuer für ein nicht angefordertes Servicepaket zu verlangen.
Die Verteidigung von Alquiler Seguro
Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück und verweist auf drei erstinstanzliche Urteile, die seine Geschäftspraxis bestätigen würden.
In einer Stellungnahme erklärte die Firma, der umstrittene „Mieterservice“ sei nicht verpflichtend, sondern ein freiwilliges Angebot mit nützlichen Leistungen.
Nun hat Alquiler Seguro 15 Tage Zeit, um Einspruch zu erheben.
Das Ministerium muss bis zum 12. Dezember entscheiden. Wird die Strafe bestätigt, wäre dies die erste Millionensanktion gegen eine große spanische Immobilienfirma wegen verbraucherfeindlicher Geschäftspraktiken.
Mieterschutz oder Bürokratie gegen Eigentümer?
Die Maßnahme fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen der Regierung und Vermieterverbänden.
In den vergangenen Jahren hat Spanien mehrere Gesetze erlassen, um Mietpreise zu regulieren und die Rechte von Mietern zu stärken, besonders in angespannten Städten wie Madrid oder Barcelona.
Kritiker warnen jedoch, dass solche Eingriffe Eigentümer abschrecken, Wohnungsangebote reduzieren und langfristig die Preise weiter nach oben treiben.
Für viele Ausländer, die in Spanien leben – egal ob als Mieter oder Eigentümer – zeigt der Fall, wie stark das Thema Wohnen zum politischen Streitpunkt geworden ist.
Was passiert als Nächstes?
Sollte die Strafe bestätigt werden, könnten betroffene Mieter ihre gezahlten Zusatzkosten zurückfordern.
Zudem würde der Fall einen Präzedenzfall für weitere Untersuchungen gegen ähnliche Firmen schaffen.
Eines steht fest: Die spanische Regierung setzt ihren Kurs fort, den Mieterschutz zu stärken – selbst auf Kosten des Marktes.
