Wenn Ende Oktober überall Kürbisse leuchten und Hexen durch die Straßen ziehen, scheint alles eindeutig: Halloween ist ein amerikanisches Fest, das den Globus erobert hat. Doch vielleicht ist die Wahrheit eine andere.
Denn hinter der „Nacht der Geister“ verbirgt sich eine Geschichte, die in Spanien – genauer gesagt in Galicien –begonnen haben könnte
Redaktion Spanien Press
Allerheiligen: Spaniens stiller Tag der Erinnerung
Am 1. November, dem Día de Todos los Santos, verwandeln sich Spaniens Friedhöfe in ein Meer aus Blumen. Familien besuchen die Gräber ihrer Angehörigen, legen Chrysanthemen und Nelken nieder, zünden Kerzen an und verweilen in stiller Erinnerung. Es ist ein Tag der Zärtlichkeit und des Respekts – eine Tradition, die tief in der spanischen Kultur verwurzelt ist.
Doch in den letzten Jahren hat sich ein neues Phänomen verbreitet: Halloween, laut, bunt und spektakulär. Viele Spanierinnen und Spanier haben das Gefühl, dass diese importierte Feier die ruhige Atmosphäre von Allerheiligen verdrängt. Aber wussten Sie, dass Halloween möglicherweise eine sehr alte spanische Seele besitzt?
Von Samhain zu Magosto: Galiciens vergessene Nacht der Geister
Lange bevor Halloween in Amerika populär wurde, feierten die keltischen Völker Europas das Samhain-Fest – den Übergang vom Sommer zum Winter, von der Welt der Lebenden zur Welt der Toten.
In Galicien überdauerte diese Tradition unter dem Namen Magosto. Noch heute versammeln sich die Menschen an diesen Tagen um Feuerstellen, rösten Kastanien und trinken jungen Wein. Man glaubte, dass in dieser Nacht die Seelen der Verstorbenen zurückkehrten. Um sie zu leiten oder fernzuhalten, entzündete man Feuer und stellte Laternen aus ausgehöhlten Rüben oder Kürbissen auf – ganz wie die heutigen Jack-o’-Lanterns.
Viele Historikerinnen und Historiker vermuten, dass dieser Brauch von Galicien über Irland bis nach Amerika gelangte – und dass Halloween somit eigentlich aus Spanien stammt.
Blumen oder Kürbisse – zwei Arten, sich zu erinnern
Heute begegnen sich in Spanien zwei Welten: die laute, fröhliche Feier der Lebenden und die stille, besinnliche Erinnerung an die Toten. Kinder ziehen mit „Truco o trato“ durch die Straßen, während Großeltern Blumen auf die Gräber legen.
Beide Rituale entspringen demselben Wunsch: die Verstorbenen nicht zu vergessen. Halloween und Allerheiligen sind, trotz aller Unterschiede, zwei Ausdrucksformen derselben menschlichen Sehnsucht – der Verbindung zwischen Leben und Tod.
Wenn Halloween nach Hause zurückkehrt
Vielleicht ist Halloween gar keine fremde Tradition, sondern eine, die ihren Weg zurück nach Spanien gefunden hat.
In den Nebeln Galiciens, zwischen Kastanienfeuern, meigas (Hexen) und der legendären Santa Compaña, wurde die „Nacht der Geister“ schon gefeiert, lange bevor Amerika sie neu erfand.
Und so könnte es sein, dass Halloween – weit davon entfernt, eine kulturelle Invasion zu sein – in Wahrheit eine alte galicische Geschichte ist, die nach Jahrhunderten wieder nach Hause gekommen ist.
