Acht von zehn gehen weiterhin in Bars und Restaurants – viele sogar häufiger als zuvor
Redaktion Spanien Press
Madrid | Juni 2025
Spanien hat mehr Bars pro Einwohner als jedes andere europäische Land: eine Bar für je 175 Personen. Und obwohl das Leben teurer geworden ist, bleibt die Beziehung der Spanier zu ihren Bars unerschütterlich. Im Gegenteil: Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbands AECOC besuchen 80 % der Bevölkerung weiterhin regelmäßig Bars und Restaurants – 63 % von ihnen sogar genauso häufig oder öfter als im Vorjahr.
Um das zu verstehen, muss man wissen, was eine Bar in Spanien bedeutet. Es geht nicht nur um Essen und Trinken – es ist ein Lebensstil. Anders als in vielen nordeuropäischen Ländern, wo das gesellschaftliche Leben meist im privaten Rahmen stattfindet, sind Bars in Spanien eine Art öffentliches Wohnzimmer. Man frühstückt dort, trinkt einen Kaffee, trifft sich auf eine Tapa mit Bier, isst mit Kollegen zu Mittag oder plaudert mit Freunden am Nachmittag. Oft beginnt alles mit dem Satz: „Nur ein Bier…“ – und endet Stunden später.
Ein Treffpunkt für alle Generationen
Ob Jugendliche, Rentner oder junge Eltern mit Kindern – alle finden ihren Platz im Café, an der Bar oder auf der Terrasse. In Spanien sind Bars generationsübergreifende, soziale Treffpunkte, in denen sich Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten mischen. Manche beginnen den Tag dort mit einem Toast und Kaffee, andere gönnen sich einen Aperitif am späten Vormittag, essen das günstige Tagesmenü oder teilen sich abends ein paar Tapas.
Und genau das ist vielleicht einer der größten Reize des Lebens in Spanien – vor allem für Außenstehende: Die spanische Art zu sozialisieren ist lebendiger, spontaner und integrativer als in vielen anderen Ländern Europas. Das ständige Sich-Begegnen – ohne große Planung, ohne Einladung – überrascht viele Besucher und gehört zu den Dingen, die Spanien für Ausländer so attraktiv machen.
Weniger Konsum – aber kein Verzicht
Die steigenden Preise haben zwar Auswirkungen auf das Konsumverhalten, aber nicht auf die Gewohnheiten. 33 % der Befragten gaben an, 2025 sogar mehr ausgeben zu wollen als im Vorjahr. Weitere 45 % halten ihre Ausgaben stabil. Nur ein Drittel geht seltener aus, um Geld zu sparen.
Viele greifen zu Strategien, um sich das Barleben weiterhin leisten zu können: 60 % wählen günstige Menüs mit Festpreis, 56 % besuchen Bars außerhalb der Stoßzeiten, und 40 % bestellen weniger – verzichten zum Beispiel auf ein Dessert oder teilen sich Gerichte.
Es ist ein bewussterer Konsum, aber kein Rückzug. Denn die Bar ist mehr als ein Ort – sie ist ein soziales Ritual, in dem Privates und Öffentliches ineinanderfließen.
Eine Branche mit Kraft – und Herausforderungen
Die Gastronomie ist weiterhin ein zentraler Motor der spanischen Wirtschaft. Im April 2025 arbeiteten fast 1,9 Millionen Menschen in diesem Sektor. Dennoch ist der Jahresbeginn verhalten: Im März sank der Umsatz um 0,7 % im Vergleich zum Vorjahr – auch wegen des schlechten Wetters und der verspäteten Osterferien.
Hinzu kommen strukturelle Probleme wie niedrige Löhne, prekäre Arbeitsverhältnisse und Personalmangel.
Ein Lebensgefühl, das man nicht aufgibt
Für viele Spanier ist der Barbesuch kein Luxus, sondern ein menschliches Grundbedürfnis. Hier wird geredet, diskutiert, gefeiert oder einfach innegehalten. Auf die Bar zu verzichten, hieße auf ein Stück Alltag und Identität zu verzichten.
Und dazu ist Spanien nicht bereit.
