Rund 80 Anhänger der Falange Española de las JONS, einer kleinen ultrarechten Bewegung mit Wurzeln im spanischen Faschismus, versammelten sich am Freitag in Sevilla, nachdem eine geplante Messe zu Ehren ihrer sogenannten „Gefallenen für Spanien“ von der Kirche abgesagt worden war.
Während der Kundgebung wurden franquistische Parolen wie „¡Arriba España!“ gerufen, das Lied „Cara al Sol“gesungen und der traditionelle faschistische Gruß mit erhobenem Arm gezeigt. Die Versammlung fand unter polizeilicher Aufsicht vor der Kirche Santa María la Real statt, wo ursprünglich die Messe gefeiert werden sollte.
Warum sich die Falangisten versammelten
Der Anlass für das Treffen war ein jährliches Gedenken an die „Gefallenen“ der Falange, das rund um den 20. November stattfindet. An diesem Datum wurde 1936 José Antonio Primo de Rivera, der Gründer der Falange, während des Spanischen Bürgerkriegs hingerichtet.
In der Franco-Diktatur wurde dieser Tag – der sogenannte „20-N“ – zum offiziellen Feiertag und Symbol für das Regime. Auch heute organisieren kleine Gruppen rechtsradikaler Nostalgiker im November noch immer Gedenkakte, obwohl die spanische Demokratie diese Ideologien längst ablehnt.
Die Messe wurde auf Druck abgesagt
Die Messe war ursprünglich von Falange Española in der Kirche Santa María la Real in Sevilla angekündigt worden. Doch mehrere Verbände der historischen Erinnerung – darunter die Federación Andaluza de Memoria Democrática (FAMD) – sowie das linke Bündnis Adelante Andalucía protestierten im Vorfeld.
Sie forderten die Absage mit dem Argument, dass eine religiöse Zeremonie dieser Art eine Verherrlichung des Franco-Regimes darstelle und damit gegen das spanische Gesetz der demokratischen Erinnerung (Ley de Memoria Democrática) verstoße, das seit 2022 öffentliche Akte mit franquistischen Symbolen untersagt.
Nach der öffentlichen Kritik beschloss das Erzbistum Sevilla, die Messe abzusagen. Dennoch erschienen etwa 80 Falangisten vor der Kirche und hielten dort spontan ihre eigene Gedenkveranstaltung ab.
Während der Kundgebung wurden franquistische Parolen wie „¡Arriba España!“ gerufen, das Lied „Cara al Sol“gesungen und der traditionelle faschistische Gruß mit erhobenem Arm gezeigt
Reaktionen und Bedeutung
Die Szenen in Sevilla haben in Spanien erneut eine Debatte über den Umgang mit der franquistischen Vergangenheitausgelöst. Für viele Spanier sind solche Demonstrationen ein Rückfall in dunkle Zeiten.
Die Memorialvereine fordern nun eine Untersuchung durch die Behörden, da die Veranstaltung ihrer Ansicht nach eine „Apologie des Faschismus“ darstellte. Die Organisatoren hingegen verteidigten sich mit der Aussage, es habe sich um ein „religiöses und unpolitisches Gedenken“ gehandelt.
Acto de Falange en Sevilla. Brazos en alto y simbolos fascistas autorizados por el PP. Las tropas falangistas fusilaron a unos 5000 sevillanos tras el golpe de Estado del 36. Favor con favor se paga… pic.twitter.com/X4UK7nnrwp
— Ivan (@caminantes21) November 8, 2025
Eine politische Entwicklung, die Sorgen bereitet
In den letzten Jahren lässt sich beobachten, dass verschiedene Strömungen der spanischen Rechten und extremen Rechten deutlich an Einfluss gewinnen.
Was vor kurzem noch als unvorstellbar galt – nationalistische, autoritäre oder offen franquistische Diskurse im öffentlichen Raum – ist heute Teil des Alltags in vielen spanischen Städten.
Besorgniserregend ist dabei, dass immer mehr junge Menschen sich von diesen Ideologien angezogen fühlen.
In sozialen Netzwerken, Universitäten und auf der Straße finden rechte und ultrarechte Bewegungen zunehmend Resonanz unter einer Generation, die die Franco-Diktatur nicht mehr selbst erlebt hat, aber in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Polarisierung nach klaren Identitäten sucht.
Von symbolischen Akten wie in Sevilla bis hin zu politischen Allianzen auf lokaler und nationaler Ebene, die sich an konservativen und ultranationalistischen Positionen orientieren, spiegelt sich ein gesellschaftlicher Wandel wider, der in Europa zunehmend Aufmerksamkeit erregt.
