Jedes Jahr am 11. September feiert Katalonien seinen Nationalfeiertag, die sogenannte Diada. Ursprünglich erinnert der Tag an die Niederlage Barcelonas im Jahr 1714 während des Spanischen Erbfolgekrieges. In den letzten Jahren hat sich die Diada jedoch vor allem zu einem politischen Symbol entwickelt – und zum Spiegelbild der Stärke oder Schwäche der Unabhängigkeitsbewegung
Redaktion Spanien Press
Als die Unabhängigkeit die Straßen füllte
Zwischen 2012 und 2017 war die Diada das internationale Schaufenster des katalanischen Separatismus. Millionen von Menschen nahmen an den Massendemonstrationen teil, organisiert von der Assemblea Nacional Catalana (ANC) und Òmnium Cultural.
Einige der wichtigsten Momente:
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2013 bildeten die Menschen die “Vía Catalana”, eine 400 Kilometer lange Menschenkette.
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2014 versammelten sich Hunderttausende in Barcelona in Form eines riesigen „V“.
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2017 folgte das umstrittene Referendum am 1. Oktober, das von der spanischen Regierung für illegal erklärt wurde, sowie eine einseitige Unabhängigkeitserklärung im Parlament. Spanien reagierte mit der Anwendung von Artikel 155 der Verfassung und setzte die Regionalregierung ab.
Der Niedergang nach dem Referendum
Das Scheitern der Unabhängigkeitserklärung, die Eingriffe des spanischen Staates und die Spaltungen zwischen den separatistischen Parteien (ERC, Junts, CUP) führten zu einem deutlichen Bruch. Zwar blieben die Separatisten in den Institutionen stark vertreten, doch ihre Fähigkeit, die Massen auf die Straße zu bringen, nahm stetig ab.
Seitdem sind die Teilnehmerzahlen bei der Diada Jahr für Jahr gesunken. Die Euphorie der Procés-Jahre wich zunehmend Frustration und Ernüchterung.
Die Diada 2025: ein geschwächtes Lager
Heute zeigt sich die Diada von 2025 in einem völlig anderen Licht: Der Separatismus ist gespaltener und schwächer denn je. Beobachter sprechen von der niedrigsten Mobilisierung seit 2012. Die ANC wirft den Parteien vor, den Unabhängigkeitskurs aufgegeben zu haben, und versucht, die demotivierte Basis neu zu mobilisieren.
Für viele Katalanen ist die Diada zwar weiterhin ein symbolträchtiger Tag, doch der Charakter der riesigen Massenveranstaltungen ist verloren gegangen.
Was bedeutet das für das Verständnis Kataloniens?
Für im Ausland geborene Einwohner Spaniens lässt sich die Entwicklung so zusammenfassen:
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Vor zehn Jahren war die Diada die größte Machtdemonstration einer Unabhängigkeitsbewegung in Europa.
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Heute ist sie ein Hinweis auf einen zersplitterten und demobilisierten Separatismus, der zwar noch politische Bedeutung hat, aber kaum noch Begeisterung auf den Straßen erzeugt.
Kurz gesagt: Die Diada bleibt ein identitärer Gedenktag – doch das Zeitalter der Massendemonstrationen ist vorbei.
