In Cártama in der Provinz Málaga ist das West-Nil-Virus bei Mücken nachgewiesen worden. Die andalusischen Gesundheitsbehörden haben die Gemeinde deshalb bis zum 22. September zum Warngebiet erklärt. Gleichzeitig steigt die Zahl der menschlichen Fälle in Andalusien weiter an. In Spanien gibt es 2026 bereits zwei Todesfälle.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
In Andalusien wächst die Aufmerksamkeit rund um das West-Nil-Virus. In der Gemeinde Cártama in der Provinz Málaga wurde im Rahmen des offiziellen Überwachungsprogramms eine positive Mückenprobe festgestellt. Daraufhin hat die Gesundheitsbehörde der Junta de Andalucía den Ort als „área en alerta“, also als Warngebiet, eingestuft.
Die Maßnahme gilt zunächst bis zum 22. September 2026. Für die Bevölkerung bedeutet der positive Nachweis allerdings nicht, dass es in Cártama bereits einen bestätigten menschlichen Fall gibt. Das Virus wurde bei Mücken nachgewiesen, die mit speziellen Fallen im Rahmen der routinemäßigen Überwachung gefangen wurden.
Behörden verstärken Kontrolle in Cártama
Als Reaktion auf den positiven Befund wird Cártama seinen bestehenden Plan zur Überwachung und Bekämpfung von Mücken verstärken. Dabei geht es insbesondere darum, mögliche Brutstätten der Insekten möglichst schnell zu erkennen und zu beseitigen.
Besonders im Mittelpunkt stehen Straßenabläufe und Bereiche mit stehendem Wasser. Solche Stellen können Mücken geeignete Bedingungen für ihre Vermehrung bieten. Die Kontrollen finden zwar grundsätzlich das ganze Jahr über statt, sollen während der geltenden Warnstufe jedoch intensiviert werden.
Auch die Bevölkerung wird zur Mithilfe aufgefordert. Rund um Häuser, Gärten und Innenhöfe sollen mögliche Wasseransammlungen beseitigt werden. Dazu gehören beispielsweise Eimer, Blumentöpfe, Spielzeug oder andere Behälter, in denen sich über mehrere Tage Wasser sammeln kann.
Schutz vor Mückenstichen empfohlen
Die Behörden empfehlen außerdem verschiedene Maßnahmen, um Mückenstiche zu vermeiden. Dazu gehören Moskitonetze an Türen und Fenstern sowie möglichst helle Kleidung, die große Teile der Haut bedeckt. Bei Bedarf können zugelassene Insektenschutzmittel verwendet werden.
Besondere Vorsicht gilt am frühen Morgen und am Abend, wenn Mücken besonders aktiv sein können. Auch Gärten mit dichter Vegetation und schattigen Bereichen können erwachsenen Mücken als Rückzugsort dienen. Schwimmbecken, Wasserbecken und andere Bereiche mit Wasser sollten deshalb regelmäßig kontrolliert und gepflegt werden.
West-Nil-Virus kann schwere Erkrankungen verursachen
Der aktuelle Befund in Cártama ist vor allem deshalb relevant, weil das West-Nil-Virus in Spanien auch 2026 bereits zu schweren Erkrankungen geführt hat. Nach den aktuellen Angaben wurden in Andalusien bislang 52 menschliche Fälle registriert. Davon verliefen 36 Erkrankungen leicht. Bei 16 Patienten entwickelte sich dagegen eine neuroinvasive Erkrankung, bei der das Virus das Nervensystem betrifft.
Auch in Extremadura wurden inzwischen 24 Fälle gemeldet. Dort kam es zudem zu einem Todesfall. Eine 68-jährige Frau, die im Hospital de Don Benito behandelt wurde, starb an den Folgen einer Infektion mit dem West-Nil-Virus. Sie ist damit laut den vorliegenden Angaben das erste Todesopfer der Erkrankung in Extremadura im Jahr 2026.
Bereits zweiter Todesfall in Spanien
Der Tod der 68-Jährigen ist zugleich der zweite bekannte Todesfall durch das West-Nil-Virus in Spanien in diesem Jahr. Bereits am 5. August war ein 82-jähriger Mann in Sevilla gestorben. Er hatte eine durch das Virus verursachte Meningoenzephalitis entwickelt.
Damit zeigt sich, dass die Erkrankung zwar in den meisten Fällen vergleichsweise mild oder sogar ohne Symptome verläuft, in einzelnen Fällen jedoch schwere neurologische Komplikationen verursachen kann.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörden verlaufen rund 80 Prozent der Infektionen ohne Symptome. Bei einem Teil der übrigen Betroffenen treten Beschwerden auf, die beispielsweise einer Grippe ähneln. In seltenen Fällen kann es jedoch zu schweren Erkrankungen des Nervensystems kommen.
Neuer Fall in Extremadura
Neben dem Todesfall meldete der Gesundheitsdienst der Region Extremadura außerdem einen weiteren Infizierten. Es handelt sich um einen 77-jährigen Mann aus Don Benito, der nicht stationär behandelt werden musste.
Von den insgesamt 24 bestätigten Fällen in Extremadura befanden sich zuletzt noch drei Patienten im Krankenhaus. Zwei wurden im Hospital de Don Benito und einer in Mérida behandelt.
Málaga gehört zu den besonders überwachten Regionen
Dass nun auch Cártama in den Fokus gerät, kommt nicht völlig überraschend. Die Gemeinde gehört bereits zu den Orten in der Provinz Málaga, die wegen des Risikos einer Übertragung des West-Nil-Virus besonders intensiv überwacht werden.
Der aktuelle positive Mückenbefund zeigt, dass das Virus beziehungsweise sein Übertragungszyklus auch in der Provinz Málaga weiterhin beobachtet werden muss.
Dabei ist jedoch zwischen einem Virusnachweis bei Mücken und einer Infektion beim Menschen zu unterscheiden. Für Cártama wird in Zusammenhang mit dem aktuellen Befund bislang kein menschlicher Krankheitsfall genannt.
Warum die Behörden bereits jetzt reagieren
Das Überwachungssystem soll genau solche Situationen möglichst früh erkennen. Werden infizierte Mücken entdeckt, können die Behörden ihre Maßnahmen verstärken, bevor sich daraus möglicherweise weitere Übertragungen entwickeln.
Deshalb bedeutet die Einstufung Cártamas als Warngebiet nicht automatisch, dass dort eine Gesundheitskrise ausgebrochen ist. Sie zeigt vielmehr, dass die Behörden auf einen konkreten Hinweis reagieren und die Kontrolle der Mückenpopulation verschärfen.
Bis zum 22. September soll die verstärkte Überwachung in Cártama deshalb weiterlaufen. Gleichzeitig werden mögliche Brutstätten kontrolliert und Maßnahmen zur Verringerung der Mückenpopulation durchgeführt.
Das West-Nil-Virus bleibt in Andalusien ein Thema
Der positive Mückenbefund in Cártama fällt in eine Zeit, in der Andalusien bereits mehrere Dutzend menschliche Infektionen verzeichnet. Besonders die Zahl der neuroinvasiven Erkrankungen und die beiden Todesfälle in Spanien zeigen, dass das Virus nicht unterschätzt werden sollte.
Für Cártama gilt jedoch weiterhin: Der aktuelle Alarm wurde aufgrund eines positiven Mückenbefunds ausgelöst, nicht wegen eines bestätigten menschlichen Falls.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob weitere positive Mückenproben gefunden werden und ob sich daraus zusätzliche Maßnahmen für Cártama oder andere Gemeinden in der Provinz Málaga ergeben.
