Wenn eine ausländische Familie beschließt, nach Spanien zu ziehen, lautet eine der ersten Fragen häufig: Wo werden unsere Kinder zur Schule gehen?
Redaktion Spanien Press
Die gute Nachricht ist, dass Spanien über ein vielfältiges und breit gefächertes Bildungssystem verfügt. Von öffentlichen und staatlich subventionierten Privatschulen bis hin zu renommierten britischen, deutschen oder französischen internationalen Schulen gibt es zahlreiche Möglichkeiten für ganz unterschiedliche Familienprofile.
Die richtige Wahl kann jedoch einen großen Unterschied für die Integration, das Sprachenlernen, die Organisation des Familienalltags und die späteren Chancen der Kinder machen.
Ein Aspekt verdient besondere Aufmerksamkeit: Spanien verfügt nicht über ein einheitliches Sprachmodell. Die im Unterricht verwendete Sprache kann sich je nach autonomer Gemeinschaft und in manchen Fällen sogar je nach Schule erheblich unterscheiden. Eine Familie, die Valencia oder Katalonien auswählt, kann auf eine ganz andere Realität treffen als erwartet – insbesondere dann, wenn sie davon ausgeht, dass ihre Kinder hauptsächlich auf Kastilisch, also Spanisch, unterrichtet werden.
Wie funktioniert das spanische Bildungssystem?
Die Schulpflicht beginnt in Spanien im Alter von 6 Jahren und dauert bis zum 16. Lebensjahr. Das bedeutet, dass alle Kinder während der Pflichtschulzeit grundsätzlich Zugang zu einem Platz im öffentlichen Bildungssystem haben, also ab der Grundschule. Diese Garantie gilt jedoch nicht in gleicher Weise für den Vorschulbereich beziehungsweise die frühkindliche Bildung.
Die wichtigsten Bildungsstufen sind:
- Frühkindliche Bildung und Betreuung (Educación Infantil, 0–6 Jahre)
- Grundschule (Educación Primaria, 6–12 Jahre)
- Obligatorische Sekundarschule (ESO, 12–16 Jahre)
- Bachillerato, vergleichbar mit der gymnasialen Oberstufe (16–18 Jahre)
- Berufsausbildung (Formación Profesional, FP)
- Universität
Die frühkindliche Bildung ist in zwei Zyklen unterteilt:
- Erster Zyklus: 0 bis 3 Jahre
- Zweiter Zyklus: 3 bis 6 Jahre
Keiner der beiden Zyklen ist verpflichtend. Obwohl der zweite Zyklus an öffentlichen und staatlich subventionierten Schulen kostenlos angeboten wird, kann es schwierig sein, einen Platz in einer kommunalen Kindertagesstätte oder Vorschule zu bekommen – insbesondere in Städten mit hoher Nachfrage. Die Plätze sind begrenzt, und die Aufnahmeverfahren richten sich häufig nach Kriterien wie Wohnort, familiärer Situation, Einkommen oder der Verfügbarkeit der jeweiligen Einrichtung.
Wenn kein öffentlicher oder staatlich subventionierter Platz verfügbar ist, greifen viele Familien auf private Einrichtungen zurück, die in der Regel kostenpflichtig sind. Besonders im ersten Zyklus von 0 bis 3 Jahren ist das öffentliche Angebot noch begrenzter, weshalb private Kindertagesstätten eine sehr verbreitete Option darstellen.
Die Schulpflicht beginnt später, in der Grundschule, normalerweise in dem Jahr, in dem das Kind 6 Jahre alt wird. Ab diesem Zeitpunkt hat das Kind grundsätzlich Anspruch auf einen Platz im öffentlichen Pflichtschulsystem – allerdings nicht unbedingt an der konkreten Schule, die sich die Familie ausgesucht hat.
Obwohl das Bildungssystem auf nationaler Ebene geregelt ist, verfügen die autonomen Gemeinschaften über eigene Zuständigkeiten, insbesondere in den Bereichen Sprache, Schulkalender, Aufnahmeverfahren und Bildungsorganisation. Diese Dezentralisierung ist besonders wichtig für Familien, die Katalonien, die Valencianische Gemeinschaft, Galicien oder das Baskenland in Betracht ziehen.
Die drei wichtigsten Optionen für internationale Familien
1. Öffentliche Schulen
Öffentliche Schulen werden von den staatlichen beziehungsweise regionalen Behörden finanziert und bieten den Pflichtunterricht kostenlos an.
Für viele Familien, die dauerhaft in Spanien leben möchten, sind sie der beste Weg zur Integration. Die Kinder lernen schnell die an der Schule verwendeten Sprachen, schließen Freundschaften mit einheimischen Kindern und tauchen vollständig in die Kultur der Region ein, in der sie leben.
Viele Ausländer sind überrascht, wie schnell kleine Kinder eine neue Sprache erwerben. In zahlreichen Fällen sind es nach wenigen Monaten Schulbesuch die Kinder, die ihren Eltern bei lokalen Ausdrücken und bei der alltäglichen Kommunikation helfen.
An spanischen öffentlichen Schulen gibt es normalerweise keine Schuluniform. Die Kleidung ist meist leger, und die Kinder tragen ihre eigene Kleidung – abgesehen von bestimmten Aktivitäten oder besonderen Situationen.
Vor der Wahl einer öffentlichen Schule sollte man sich jedoch sehr genau über das jeweilige Sprachmodell informieren. In manchen Regionen ist Kastilisch nicht die wichtigste Unterrichtssprache und nimmt möglicherweise nur einen begrenzten Teil des Stundenplans ein.
2. Staatlich subventionierte Privatschulen
Staatlich subventionierte Privatschulen, sogenannte colegios concertados, sind Schulen in privater Trägerschaft, die öffentliche Finanzierung erhalten. Sie sind sowohl bei spanischen als auch bei ausländischen Familien sehr gefragt.
Viele dieser Schulen haben eine katholische Tradition oder ein religiös geprägtes Schulprofil. Religionsunterricht oder religiöse Bildung kann daher Bestandteil des pädagogischen Konzepts sein. Auch Schuluniformen sind häufig üblich – ein Aspekt, den Familien bei der Berechnung der Schulkosten und bei der Vorbereitung des Kindes berücksichtigen sollten.
Obwohl der Pflichtunterricht öffentlich finanziert wird, können für die Familien Kosten für Uniformen, Mittagessen, außerschulische Aktivitäten, Schulmaterial oder bestimmte Zusatzleistungen entstehen.
Staatlich subventionierte Privatschulen sind oft stark nachgefragt. Deshalb kann es schwierig sein, einen Platz zu bekommen, insbesondere in bestimmten Regionen und Jahrgangsstufen. Familien sollten sich frühzeitig über die Aufnahmekriterien informieren und den Antrag innerhalb der festgelegten Fristen einreichen.
In Regionen mit mehreren Amtssprachen kann auch eine staatlich subventionierte Privatschule ein Immersionsmodell oder einen überwiegenden Unterricht in der jeweiligen kooffiziellen Sprache anbieten. Die Tatsache, dass eine Schule staatlich subventioniert ist, bedeutet also nicht automatisch, dass der Großteil der Fächer auf Kastilisch unterrichtet wird.
3. Internationale und private Schulen
Internationale Schulen sind bei ausländischen Familien besonders beliebt, wenn sie den Lehrplan und die Sprache ihres Herkunftslandes beibehalten möchten.
Spanien verfügt über ein großes Angebot an britischen, deutschen, französischen, amerikanischen und internationalen Schulen mit Programmen wie dem International Baccalaureate (IB).
Diese Schulen ermöglichen es den Schülern, ein vertrautes Bildungssystem fortzuführen, und erleichtern spätere internationale Umzüge. Auch spanische Familien interessieren sich zunehmend für diese Einrichtungen, weil sie ihren Kindern frühzeitig eine zusätzliche Sprache vermitteln möchten.
Deutsche Schulen beispielsweise verfügen über ein anspruchsvolles und anerkanntes Curriculum und sind bei spanischen Familien sehr beliebt. Auch britische, französische und andere internationale Familien wählen sie zunehmend, wenn sie ihren Kindern zusätzlich eine weitere Sprache und einen internationalen Bildungsweg ermöglichen möchten.
Der Nachteil sind meist die Kosten: Die jährlichen Gebühren können von mehreren tausend Euro bis zu sehr hohen Beträgen an besonders exklusiven Schulen reichen. Neben dem Schulgeld müssen Familien auch Mittagessen, Transport, Uniformen, Unterrichtsmaterial, Aktivitäten und in manchen Fällen Aufnahmegebühren berücksichtigen.
Welche Option ist die beste?
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.
Die richtige Entscheidung hängt vom Lebensplan der Familie, vom Alter der Kinder, von der geplanten Aufenthaltsdauer in Spanien, vom Budget und vom gewünschten Grad der Integration ab.
Viele Eltern empfinden den Schulwechsel ihrer Kinder als belastend. Besonders groß ist die Sorge, wenn das Kind bereits Freunde, feste Routinen und vertraute Lehrer hat. Dennoch entscheiden sich viele Eltern dafür, jüngere Kinder an einer öffentlichen oder staatlich subventionierten Schule anzumelden, da die Anpassung meist schnell erfolgt und die sprachliche Immersion große Vorteile bietet.
Später, beim Übergang in die Sekundarstufe, wechseln manche Familien ihre Kinder an eine private oder internationale Schule – insbesondere wegen der Sprachen, der curricularen Kontinuität oder der Vorbereitung auf ein Hochschulstudium in einem anderen Land.
Wenn die Familie viele Jahre in Spanien bleiben möchte, kann die sprachliche Immersion langfristig enorme Vorteile bieten. Wichtig ist jedoch, genau zu verstehen, welche Sprache die Kinder tatsächlich lernen und welche Sprache im Unterricht hauptsächlich verwendet wird.
Familien, die eine Rückkehr in ihr Herkunftsland oder einen weiteren internationalen Umzug planen, entscheiden sich dagegen häufig für internationale Schulen, um die schulische Kontinuität zu gewährleisten.
Die Sprache: der entscheidende Faktor
Viele Eltern befürchten, dass ihre Kinder Schwierigkeiten haben könnten, wenn sie in ein Bildungssystem wechseln, dessen Sprache sie noch nicht beherrschen.
Die Erfahrung zeigt, dass das Alter eine entscheidende Rolle spielt.
Kleine Kinder passen sich meist außergewöhnlich schnell an. Für sie wird die Sprache zu einer Art Spiel. Es ist beeindruckend zu sehen, wie schnell sie lernen, wenn sie täglich eine spanische Schule besuchen, mehrere Stunden lang die dort verwendeten Sprachen hören und sie für die Kommunikation mit ihren Mitschülern nutzen.
Ausländische Familien müssen jedoch zwischen dem Erlernen einer kooffiziellen Sprache und dem Erlernen von Kastilisch beziehungsweise Spanisch unterscheiden. In manchen autonomen Gemeinschaften können sich Kinder schnell in das Schulsystem integrieren und Katalanisch oder Valencianisch lernen, während sie deutlich weniger Kontakt mit Kastilisch haben, als ihre Eltern erwartet hatten.
Für Jugendliche, die mitten in der Sekundarschule nach Spanien kommen, kann die Situation schwieriger sein – insbesondere wenn sie technische oder naturwissenschaftliche Fächer in einer Sprache bewältigen müssen, die sie noch nicht sicher beherrschen.
Deshalb entscheiden sich manche Familien für einen schrittweisen Übergang, zusätzliche Sprachförderung oder internationale Schulen in den ersten Jahren. Andere bevorzugen den direkten Einstieg in das regionale Schulsystem, um die lokale Integration zu beschleunigen.
Vor der Entscheidung sollte man nicht nur prüfen, ob die Schule zweisprachigen Unterricht anbietet, sondern auch, welchen Anteil des Stundenplans jede Sprache tatsächlich einnimmt.
Valencia und Katalonien: ein wichtiger sprachlicher Hinweis
Familien, die einen Umzug in die Valencianische Gemeinschaft oder nach Katalonien planen, sollten sich besonders sorgfältig über das Sprachmodell der ausgewählten Schule informieren.
Viele Ausländer sind überrascht, dass Kastilisch möglicherweise nur einen relativ kleinen Teil des Stundenplans ausmacht. An bestimmten Schulen und in bestimmten Jahrgangsstufen kann der Unterricht beispielsweise nur etwa drei oder vier Stunden pro Woche auf Kastilisch stattfinden, während der übrige Unterricht hauptsächlich auf Valencianisch oder Katalanisch erfolgt – je nach Region und angewandtem Bildungsmodell.
Das bedeutet, dass ein ausländisches Kind schnell die kooffizielle Sprache der Region lernen und einen großen Teil des Schultages in dieser Sprache verbringen kann, während sein akademischer Kontakt mit Kastilisch deutlich begrenzter bleibt.
Für manche Familien ist diese Immersion ein Vorteil: Die Kinder integrieren sich in die lokale Gesellschaft, können mit anderen Kindern kommunizieren und erwerben eine zusätzliche Sprache. Für andere kann dies jedoch eine wichtige Überraschung sein – insbesondere dann, wenn sie nach Spanien gezogen sind, weil ihre Kinder vor allem Spanisch lernen sollten.
Die Sorge ist nachvollziehbar. Kastilisch ist eine international bedeutende Sprache, die von Hunderten Millionen Menschen gesprochen und in zahlreichen Ländern Europas und Amerikas verwendet wird. Für viele ausländische Eltern hat es daher Priorität, dass ihre Kinder ein gutes Spanischniveau erreichen und nicht ausschließlich eine regionale Sprache lernen.
Die kooffizielle Sprache kann ebenfalls einen großen kulturellen und sozialen Wert haben, sollte aber nicht mit Kastilisch verwechselt werden. Vor der Anmeldung eines Kindes sollte die Familie daher ausdrücklich fragen:
- Was ist die wichtigste Unterrichtssprache?
- Wie viele Wochenstunden werden auf Kastilisch unterrichtet?
- Wie viele Stunden entfallen auf Katalanisch oder Valencianisch?
- In welcher Sprache werden die Hauptfächer unterrichtet?
- Welches Spanischniveau erreichen die Schüler normalerweise am Ende der jeweiligen Schulstufe?
- Gibt es die Möglichkeit, ein Modell mit einem höheren Anteil an Kastilisch zu wählen?
- Bietet die Schule spezielle Unterstützung für ausländische Schüler an?
Es reicht nicht aus, dass eine Schule sich als zweisprachig bezeichnet. Der Begriff „bilingual“ kann sehr unterschiedliche Stundenverteilungen verbergen. An manchen Schulen bedeutet er, dass beide Sprachen relativ ausgewogen vertreten sind; an anderen ist eine Sprache eindeutig dominant.
Außerdem kann sich die Situation je nach Ort, Bildungsstufe, Schulart und den jeweils geltenden Vorschriften ändern. Deshalb sollten Familien die Informationen direkt bei der Schule und bei der zuständigen Bildungsbehörde einholen, bevor sie die Anmeldung abschließen.
Eine zunehmend mehrsprachige Bildung
Spanien hat in den vergangenen Jahrzehnten eine regelrechte Bildungsrevolution erlebt.
Heute gibt es sowohl an öffentlichen als auch an staatlich subventionierten Schulen häufig zweisprachige Programme auf Spanisch und Englisch. In Regionen wie Andalusien, Madrid oder Valencia bieten zahlreiche Schulen außerdem Unterricht an, in dem ein erheblicher Teil der Fächer auf Englisch vermittelt wird.
In Valencia kann die Präsenz des Valencianischen jedoch eine dritte Sprache in den Schulalltag einbringen, während in Katalonien eine ähnliche Situation mit Katalanisch besteht. Auch in anderen autonomen Gemeinschaften kann eine zweite Amtssprache eine wichtige Rolle spielen, etwa Galicisch oder Baskisch.
Deshalb ist es entscheidend, sich vor der Schulwahl über alle Unterrichtssprachen in der konkreten Region zu informieren, in der die Familie leben wird. Ein Kind kann in einem Bildungsumfeld mit Kastilisch, Englisch und einer kooffiziellen Sprache aufwachsen. Das Verhältnis zwischen diesen Sprachen kann jedoch ganz anders sein, als die Eltern erwartet haben.
Internationale Schulen bieten außerdem weitere Sprachen als Haupt- oder Unterrichtssprache an. In manchen Fällen beherrschen die Schüler am Ende drei Sprachen: die Familiensprache, Spanisch und die Sprache der Schule. In anderen Fällen sprechen sie die Familiensprache, Englisch und Katalanisch oder Valencianisch, während Kastilisch in den Hintergrund tritt, wenn die Familie es außerhalb der Schule nicht zusätzlich fördert.
Schulzeiten: ein wichtiger kultureller Unterschied
Die spanischen Schulzeiten können viele ausländische Familien überraschen.
An öffentlichen Schulen beginnt der Unterricht meist zwischen 8:00 und 9:00 Uhr und endet zwischen 14:00 und 15:00 Uhr. Dies hängt von der jeweiligen Schule und davon ab, ob ein durchgehender Unterricht oder ein geteilter Schultag angeboten wird.
Um 14:00 oder 15:00 Uhr gehen viele Kinder nach Hause, um zu Mittag zu essen. In zahlreichen spanischen Familien findet die Hauptmahlzeit des Tages zu dieser Zeit statt, nach dem Schulschluss.
Am Nachmittag beginnen ab etwa 17:00 oder 18:00 Uhr außerschulische Aktivitäten, Sporttraining, Sprachkurse oder Nachhilfe. Manche dieser Aktivitäten dauern bis 20:00 oder 21:00 Uhr. Danach kehren die Familien nach Hause zurück, um zu Abend zu essen.
Zwischen Vormittag und Nachmittag sind Snacks und Zwischenmahlzeiten ebenfalls üblich. Die Kinder essen häufig am Vormittag eine Kleinigkeit und bekommen nach der Schule oder vor Beginn ihrer Aktivitäten noch eine Nachmittagsmahlzeit.
Für viele ausländische Familien wirken diese Zeiten lang und anstrengend für Kinder. In manchen Herkunftsländern liegen viele Kinder bereits um 20:00 Uhr im Bett. In Spanien ist es dagegen üblich, dass Kinder einen längeren Tagesablauf haben – insbesondere wenn sie Schule, außerschulische Aktivitäten und ihr Sozialleben miteinander verbinden.
Dennoch ist es erstaunlich, wie schnell sich Kinder anpassen. Innerhalb weniger Monate gewöhnen sie sich meist an den Rhythmus, schließen Freundschaften und lernen die Sprachen ihres schulischen Umfelds, wenn sie eine spanische Schule besuchen.
Vor der Wahl einer Schule sollte man nach folgenden Punkten fragen:
- Beginn und Ende des Unterrichts;
- durchgehender oder geteilter Schultag;
- Mittagessen beziehungsweise Mensa;
- Frühbetreuung;
- außerschulische Aktivitäten;
- Schülertransport;
- Förder- und Nachhilfestunden;
- Abholzeiten am Nachmittag.
Nach der Schulpflicht: Bachillerato oder Berufsausbildung
Nach Abschluss der ESO, normalerweise im Alter von 16 Jahren, können die Schüler zwischen zwei großen Bildungswegen wählen: Bachillerato oder Berufsausbildung (Formación Profesional, FP).
Das Bachillerato dauert in der Regel zwei Jahre und richtet sich vor allem an Schüler, die anschließend an einer Universität studieren möchten. In dieser Phase vertiefen sie akademische Fächer und bereiten sich auf den Zugang zu einer Hochschule vor. Nach dem Abschluss können sie an der Hochschulzugangsprüfung teilnehmen und sich für einen Studiengang bewerben.
Die zweite große Möglichkeit ist die Berufsausbildung, die in Spanien in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Die FP bietet eine praxisorientierte Ausbildung mit engem Bezug zum Arbeitsmarkt. Fachrichtungen gibt es unter anderem in Informatik, Gesundheitswesen, Verwaltung, Tourismus, Hotellerie, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Handel, erneuerbaren Energien sowie Bild und Ton.
Gerade wegen ihrer guten Verbindung zur Arbeitswelt entscheiden sich heute viele Schüler für eine Berufsausbildung. Die steigende Nachfrage führt jedoch dazu, dass der Zugang zu bestimmten Ausbildungsgängen zu einer echten Herausforderung werden kann. In einigen Fachrichtungen und Orten gibt es mehr Bewerbungen als Plätze. Deshalb reicht es nicht immer aus, lediglich die Anmeldung einzureichen: Die Aufnahme kann von den Noten, den von der Verwaltung festgelegten Kriterien und der konkreten Verfügbarkeit der Schule abhängen.
Die drei Stufen der Berufsausbildung
Die Berufsausbildung ist in drei Hauptstufen gegliedert:
Grundlegende Berufsausbildung
Dies ist die erste Stufe und richtet sich an Schüler, die die Schulpflicht noch nicht abgeschlossen haben oder einen stärker praxisorientierten Weg für ihre weitere Ausbildung benötigen.
In bestimmten Fällen ist der Zugang auch ohne abgeschlossene ESO möglich. Diese Programme vermitteln grundlegende berufliche Kompetenzen und ermöglichen es den Schülern gleichzeitig, sich im Bildungssystem weiterzuentwickeln. Für manche Jugendliche stellen sie eine zweite Chance und einen schrittweisen Einstieg in die Arbeitswelt dar.
Ausbildungsgänge der mittleren Stufe
Die zweite Stufe umfasst die Ausbildungsgänge des mittleren Grades. Der Zugang erfolgt normalerweise nach Abschluss der ESO, es gibt jedoch auch andere Zugangsmöglichkeiten, etwa bestimmte Prüfungen oder gleichwertige Abschlüsse.
Hier kann der Wettbewerb um die Plätze deutlich größer sein. Viele Schüler wählen einen Ausbildungsgang des mittleren Grades, weil sie eine praxisnahe Ausbildung, eine konkrete Spezialisierung und einen relativ schnellen Einstieg in den Arbeitsmarkt anstreben. Die Beliebtheit dieses Weges ist erheblich gestiegen, sodass es in manchen Fachrichtungen schwierig sein kann, einen Platz zu bekommen.
Ausbildungsgänge des mittleren Grades verbinden theoretische Inhalte mit praktischer Ausbildung und können betriebliche Ausbildungsphasen umfassen. Nach Abschluss erhalten die Schüler den Titel „Techniker“ und können entweder in den Arbeitsmarkt eintreten oder ihre Ausbildung fortsetzen.
Ausbildungsgänge der höheren Stufe
Die dritte Stufe umfasst die Ausbildungsgänge des höheren Grades. Der Zugang ist nach Abschluss eines mittleren Ausbildungsgangs möglich, aber auch nach dem Bachillerato.
Diese Option ist besonders interessant für Schüler, die das Bachillerato abgeschlossen haben, sich letztlich aber nicht der Hochschulzugangsprüfung stellen möchten oder eine praxisnähere und unmittelbar berufsbezogene Ausbildung bevorzugen.
Ausbildungsgänge des höheren Grades dauern meist zwei Jahre und umfassen eine spezialisierte Ausbildung sowie in der Regel Praktika in Unternehmen. Nach Abschluss erhalten die Schüler den Titel „Höherer Techniker“ und können entweder in den Arbeitsmarkt eintreten oder ein Hochschulstudium aufnehmen.
Wer einen höheren Ausbildungsgang abschließt, kann außerdem an die Universität wechseln. In bestimmten Fällen wird die Zulassungsnote anhand der im Ausbildungsgang erzielten Ergebnisse berechnet. Zusätzlich kann der Schüler an freiwilligen Teilen der Hochschulzugangsprüfung teilnehmen, um seine Chancen auf einen bestimmten Studienplatz zu verbessern.
Die Berufsausbildung ist daher kein abgeschlossener oder dem Studium untergeordneter Weg. Sie kann direkt in den Beruf führen und gleichzeitig die spätere Aufnahme eines Hochschulstudiums ermöglichen.
Die Berufsausbildung ist zu einer stark nachgefragten Option geworden
Lange Zeit betrachteten manche Familien die Universität als den einzig angesehenen Bildungsweg. Diese Wahrnehmung hat sich deutlich verändert.
Die Berufsausbildung hat sich als attraktive Alternative etabliert, weil sie Folgendes bietet:
- praxisnahe Ausbildung;
- berufliche Spezialisierung;
- Kontakt zu Unternehmen;
- relativ schnellen Zugang zum Arbeitsmarkt;
- Möglichkeiten zur weiteren Qualifizierung;
- Abschlüsse, die auf nachgefragte Branchen zugeschnitten sind.
Das Ergebnis ist, dass viele Ausbildungsgänge heute stark nachgefragt werden. Besonders in Bereichen wie Informatik, Gesundheitswesen, Verwaltung, frühkindliche Bildung, Fahrzeugtechnik, erneuerbare Energien sowie Bild und Ton kann die Nachfrage das Angebot an Plätzen deutlich übersteigen.
Familien sollten sich deshalb frühzeitig über Bewerbungsfristen, Zugangsvoraussetzungen, gegebenenfalls geltende Zulassungsnoten, verfügbare Schulen und nahegelegene Alternativen informieren. Wer bis zum letzten Moment wartet, riskiert, keinen Platz im gewünschten Ausbildungsgang zu bekommen.
Mehr als nur Unterricht
Ein weiterer Aspekt, der ausländische Familien häufig positiv überrascht, ist das soziale Leben rund um die Schulen.
Sportliche, kulturelle und künstlerische Aktivitäten gehören zum Alltag. Fußball, Basketball, Tanz, Musik, Sprachen, Robotik und Programmieren zählen zu den beliebtesten Angeboten.
Auch der Kontakt zwischen den Familien ist oft eng, was die Integration von Menschen aus dem Ausland erheblich erleichtert. Die Schule ist nicht nur ein Ort, an dem Kinder lernen. Sie ist auch der Ort, an dem Familien ihre Nachbarn kennenlernen, gemeinsame Aktivitäten organisieren und Unterstützungsnetzwerke aufbauen.
Für kleine Kinder sind Pausen, Geburtstagsfeiern, Ausflüge und außerschulische Aktivitäten für die Integration oft wichtiger als der Unterricht selbst.
In zweisprachigen Regionen oder Gebieten mit einer kooffiziellen Sprache sind diese Aktivitäten außerdem eine Gelegenheit, Katalanisch, Valencianisch, Galicisch oder Baskisch ganz selbstverständlich zu verwenden. Das kann die lokale Integration fördern. Gleichzeitig bedeutet es, dass Familien genau wissen sollten, welche Sprache im Schulalltag verwendet wird.
Sicherheit und Lebensqualität
Spanien gehört regelmäßig zu den europäischen Ländern, die als besonders geeignet für das Aufziehen von Kindern bewertet werden.
Die Kriminalitätsraten sind vergleichsweise niedrig, die Lebenserwartung zählt zu den höchsten der Welt, und das Familienleben nimmt in der Gesellschaft weiterhin einen zentralen Platz ein.
Für viele Expats wird die Schule schließlich zum Zugang zu einer neuen Gemeinschaft. Sie hilft dabei, Freundschaften, Unterstützungsnetzwerke und ein echtes Zugehörigkeitsgefühl aufzubauen.
Ein Land, in dem sich Kinder oft schneller anpassen als Erwachsene
Wer diesen Prozess bereits erlebt hat, kommt häufig zu derselben Erkenntnis: Kinder passen sich meist viel schneller an, als ihre Eltern erwarten.
Innerhalb weniger Monate schließen sie Freundschaften, lernen lokale Ausdrücke, entdecken neue Gewohnheiten und fühlen sich schließlich zu Hause. Auch die Sprache lernen sie oft erstaunlich schnell – insbesondere dann, wenn sie eine spanische Schule besuchen und täglich Kontakt zu anderen Kindern haben.
„Die Sprache“ bedeutet jedoch nicht immer Kastilisch. In Valencia kann es Valencianisch sein, in Katalonien Katalanisch, in Galicien Galicisch und im Baskenland Baskisch. Deshalb kann die sprachliche Anpassung hervorragend verlaufen, ohne dass das Kind unbedingt das Spanischniveau erreicht, das sich die Familie vorgestellt hat.
Dieser Unterschied ist besonders wichtig für Eltern, die Kastilisch wegen seiner internationalen Bedeutung als Priorität betrachten. Wenn dies das Ziel der Familie ist, kann es notwendig sein, eine Schule mit einem hohen Kastilischanteil zu wählen, sich für eine internationale Schule zu entscheiden oder die Sprache durch Unterricht, Aktivitäten und soziale Kontakte außerhalb der Schule zusätzlich zu fördern.
Für viele internationale Familien wird der Umzug nach Spanien deshalb zu weit mehr als einem Wohnortwechsel. Er bietet den Kindern die Möglichkeit, eine multikulturelle, mehrsprachige und bereichernde Erfahrung zu machen, die sie ein Leben lang begleiten kann.
Entscheidend ist eine frühzeitige Planung, die rechtzeitige Information über verfügbare Plätze und das Verständnis dafür, dass nicht alle Bildungsstufen und autonomen Gemeinschaften gleich funktionieren: Während der Zugang zur Pflichtschule ab dem 6. Lebensjahr im öffentlichen System grundsätzlich gewährleistet ist, kann es deutlich schwieriger sein, einen kommunalen Vorschulplatz zu bekommen. In vielen Fällen müssen Familien auf kostenpflichtige private Angebote zurückgreifen.
Vor der Wahl von Stadt und Schule sollten Familien außerdem genau prüfen, welche Sprachen ihre Kinder lernen werden, welche Sprache im Unterricht hauptsächlich verwendet wird und welchen Anteil Kastilisch einnimmt. In Valencia und Katalonien kann diese Frage entscheidend sein, um Überraschungen zu vermeiden und sicherzustellen, dass die gewählte Ausbildung tatsächlich zum Familienplan passt.
Wenn nach der ESO die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg ansteht, sollten sowohl das Bachillerato als auch die Berufsausbildung berücksichtigt werden. Das Bachillerato bereitet in der Regel auf die Universität vor; die Berufsausbildung bietet einen praxisnahen Weg in den Beruf und ermöglicht ebenfalls den späteren Zugang zu weiterführenden Studien. Die FP ist inzwischen so beliebt, dass der Zugang zu bestimmten Ausbildungsgängen eine frühzeitige Planung, gute Information und eine schnelle Antragstellung erfordern kann.
