Madrid, 15. Mai 2025
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez steht erneut im Mittelpunkt eines politischen Sturms. Grund dafür ist die Veröffentlichung privater WhatsApp-Nachrichten, die er über Jahre hinweg mit seinem ehemaligen Verkehrsminister José Luis Ábalos austauschte. Dieses Medium hatte bereits über die Existenz solcher Nachrichten berichtet – Mit der aktuellen Veröffentlichung eskaliert der Skandal.
Was steht in den Nachrichten?
Die zwischen 2020 und 2023 ausgetauschten Nachrichten zeigen einen oft direkten, teils abfälligen Ton und werfen ein Schlaglicht auf interne Spannungen innerhalb der Regierung und der Sozialistischen Partei (PSOE). Besonders brisant ist eine Nachricht, in der Sánchez Ábalos auffordert, den umstrittenen Rettungsplan für die Fluggesellschaft Air Europazu überdenken – kurz nachdem der CEO des Mutterunternehmens Globalia Kontakt zu seiner Ehefrau Begoña Gómezaufgenommen hatte:
„Dale una vuelta a lo de Air Europa. Me dicen que la situación es muy delicada.“
(„Denk noch mal über Air Europa nach. Man sagt mir, die Lage ist sehr ernst.“)
Weitere Nachrichten offenbaren Sánchez‘ Unzufriedenheit mit führenden Mitgliedern seiner Partei und Regierung:
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Über regionale Parteiführer der PSOE:
„Heuchler. Immer dasselbe. Wenn es darauf ankommt, sind sie weg.“ -
Über Verteidigungsministerin Margarita Robles:
„Sie macht ihr eigenes Ding. Man kann ihr nicht trauen.“ -
Über Podemos-Gründer Pablo Iglesias:
„Er hat uns mehr geschadet als die extreme Rechte.“
Politische Reaktionen
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die konservative Oppositionspartei Partido Popular forderte umgehend den Rücktritt von Sánchez sowie Neuwahlen. Die Regierung bezeichnete die Veröffentlichung der Nachrichten als „schweren Angriff auf die institutionelle Privatsphäre“ und kündigte rechtliche Schritte an, sollte keine offizielle Untersuchung eingeleitet werden.
Wer hat die Nachrichten weitergegeben?
José Luis Ábalos räumte ein, einen Teil der Nachrichten aus dem Jahr 2023 an eine Vertrauensperson weitergegeben zu haben – angeblich für ein geplantes Memoirenprojekt. Er bestreitet jedoch, für die Veröffentlichung verantwortlich zu sein. In Regierungskreisen wird spekuliert, dass Teile der Nachrichten aus Sicherheitsbehörden durchgesickert sein könnten, was die Guardia Civil bzw. die Spezialeinheit UCO jedoch entschieden zurückweist.
Ist die Veröffentlichung rechtlich zulässig?
Nach spanischem Recht ist die Veröffentlichung privater Kommunikation grundsätzlich nicht strafbar, wenn einer der Gesprächspartner zustimmt. Wenn jedoch Dritte involviert sind oder der Schutz der Privatsphäre verletzt wird, könnte dies juristische Konsequenzen haben. Der Fall wirft zudem ethische Fragen über den Umgang mit vertraulichen Informationen in der Politik auf.
Die Veröffentlichung der Nachrichten zeigt nicht nur die rauen Töne hinter den Kulissen der Macht, sondern stellt auch die interne Stabilität der spanischen Regierung infrage. Sie offenbart ein präsidiales Führungsmodell, das wenig Raum für Widerspruch lässt – und nun öffentlich in Frage gestellt wird. Der Skandal ist nicht vorbei – mit jeder neuen Enthüllung wächst der Druck auf Pedro Sánchez und sein Umfeld.
