Die spanische Nationalmannschaft geht mit großen Erwartungen in das heute beginnende Weltturnier in den USA, Kanada und Mexiko. Nach dem historischen WM-Titel 2010 in Südafrika wartet „La Roja“ seit nunmehr über einem Jahrzehnt auf den nächsten großen Triumph auf der Weltbühne. Die Hoffnung ist klar: der zweite Weltmeister-Stern soll endlich Realität werden.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Dabei steht Spanien vor einem Turnier, das von hohen Erwartungen, aber auch von den Schatten der jüngeren Vergangenheit geprägt ist.
Ein Favorit mit Ambitionen
Die aktuelle spanische Auswahl wird international erneut als einer der Titelkandidaten gehandelt. Verantwortlich dafür ist vor allem eine neue Generation von Spielern, die sich in den vergangenen Jahren sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft auf höchstem Niveau etabliert hat und zuletzt bei der Nations League 2023 und der Europameisterschaft 2024 in Deutschland den Titel errungen hat.
Die Mannschaft gilt als technisch stark, taktisch flexibel und deutlich stabiler als nach der goldenen Ära mit drei aufeinanderfolgenden Titeln zwischen 2008 und 2012. Auch die Leistungen in der WM-Qualifikation und bei den jüngsten Turnieren (EM und Nations League) haben den Eindruck verstärkt, dass Spanien wieder zur absoluten Weltspitze gehört.
Die Last der vergangenen Turniere
Trotz der positiven Entwicklung bleibt ein Thema allgegenwärtig: die enttäuschenden Auftritte bei den letzten Weltmeisterschaften.
2014 in Brasilien erlebte Spanien einen regelrechten Bruch mit der eigenen Erfolgsgeschichte. Als amtierender Welt- und Europameister schied die Mannschaft bereits in der Gruppenphase aus – ein sportlicher Schock, der das Ende einer Ära markierte.
Vier Jahre später, 2018 in Russland, gelang zwar die Rückkehr in die K.o.-Phase, doch dort war bereits im Achtelfinale gegen den Gastgeber Schluss. Eine dominante Leistung blieb aus und die Erwartungen wurden erneut nicht erfüllt.
Auch 2022 in Katar endete das Turnier früh. Nach einer wenig überzeugenden Gruppenphase schied Spanien im Achtelfinale im Elfmeterschießen gegen Marokko aus – ein weiteres Kapitel in einer Reihe schmerzhafter WM-Erfahrungen.
Der Umbruch als Chance
Seitdem hat sich das Gesicht der Nationalmannschaft deutlich verändert. Der Fokus liegt heute auf einer jüngeren, dynamischeren Generation, die teilweise bereits internationale Titel auf Klubebene gewonnen hat und auch im Nationaltrikot mit dem Gewinn der Nations League 2023 sowie dem Sieg bei der EM 2024 durchaus schon große Erfolge gefeiert hat.
Die Mannschaft wirkt strukturierter, reifer und agiert als eine starke Einheit gepaart mit individueller Klasse. Besonders im Mittelfeld und im Spielaufbau setzt das Team weiterhin auf Ballkontrolle und spielerische Dominanz, kombiniert diese jedoch zunehmend mit Tempo und vertikalem Spiel. Es geht stringenter und direkter nach vorne – das ist der große Unterschied im Vergleich zu den dominanten Jahren zwischen 2008 und 2012.
Im Mittelfeld sind Pedri (FC Barcelona) und Rodri (Manchester City) die Dreh- und Angelpunkte, weiter vorne sticht vor allem die Flügelzange bestehend aus Lamine Yamal vom FC Barcelona und Nico Williams von Athletic Bilbao hervor. Die beiden Youngster sind allerdings noch angeschlagen und nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Dementsprechend fraglich ist es aktuell, in welcher Verfassung das Duo sich bei der WM präsentieren wird. Im Sturmzentrum ruhen die Hoffnungen auf Mikel Oyarzabal von Real Sociedad San Sebastián. Der Angreifer prsäentiert sich im Moment in beeindruckender Form und traf in seinen jüngsten sechs Einsätzen im spanischen Trikot jedes Mal.
Der Auftakt für Spanien steigt am kommenden Montag (15. Juni) um 18 Uhr. Das Team von Nationaltrainer Luis de la Fuente bekommt es dann zunächst in Atlanta im Mercedes-Benz-Stadium mit Kap Verde zu tun.
Neue Erwartungen vor dem Turnier
Mit dem erweiterten WM-Format und 48 teilnehmenden Nationen wird das Turnier größer und unberechenbarer als je zuvor. Für Spanien bedeutet das sowohl Chancen als auch Risiken: Die Mannschaft gehört klar zu den Favoriten, muss aber von Beginn an liefern, um den Erwartungen gerecht zu werden.
Die öffentliche Wahrnehmung ist klar: Spanien zählt wieder zur erweiterten Weltspitze. Gleichzeitig ist das Vertrauen in einen erfolgreichen Turnierverlauf noch vorsichtig, geprägt von den Erfahrungen der letzten drei Weltmeisterschaften.
Zwischen Hoffnung und Druck
Die zentrale Frage vor dem Turnier lautet daher nicht nur, wie stark die Mannschaft ist, sondern ob sie den psychologischen Druck großer Erwartungen bewältigen kann. Der Wunsch nach dem zweiten Stern ist präsent – bei Fans, Medien und innerhalb des Teams selbst.
Für viele Beobachter ist klar: Das Potenzial ist vorhanden, doch entscheidend wird sein, ob Spanien es schafft, dieses Potenzial über das gesamte Turnier hinweg konstant abzurufen.
