Spanien steuert auf eine nie dagewesene Wohnungsnot zu. Der Banco de España warnt: Bis Ende 2025 fehlen rund 600.000 Wohnungen. Während die Nachfrage steigt, bleibt das Angebot dramatisch zurück – mit Folgen für Preise, Arbeitsmarkt und Lebensqualität
Redaktion Spanien Press
Wachsende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage
Nach Angaben des Gouverneurs José Luis Escrivá bestand bereits zwischen 2022 und 2024 ein Defizit von rund 500.000 Wohnungen. Im laufenden Jahr kommen weitere 100.000 Einheiten hinzu.
Die Wohnungsnot ist nicht nur ein soziales Problem, sondern auch ein wirtschaftliches:
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Die Mobilität von Arbeitskräften wird eingeschränkt, da viele Menschen keine bezahlbare Wohnung in Regionen mit höherem Arbeitsangebot finden.
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Die Arbeitslosenquote lag im zweiten Quartal 2025 trotz starker Konjunktur bei 10,26 %.
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Strukturelle Probleme auf dem Arbeitsmarkt bleiben bestehen, da die Umschulung von Arbeitskräften stockt.
Niedrigere Zinsen – doch Preise steigen weiter
Seit 2024 hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen mehrfach gesenkt. Dadurch sind Hypotheken günstiger geworden und die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen stieg deutlich. Gleichzeitig bleibt das Angebot knapp – die Folge ist ein weiter steigender Preisdruck.
Der Erschwinglichkeitsindex verschlechterte sich im ersten Quartal 2025 um 3,5 %. Zwischen 2015 und 2025 legten die spanischen Immobilienpreise insgesamt um 78 % zu.
Immobilienverkäufe auf Höchststand seit 2007
Trotz hoher Preise boomt der Markt:
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Im ersten Halbjahr 2025 wurden 357.533 Verkäufe registriert, ein Plus von 19,7 % gegenüber 2024.
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Es ist das höchste Niveau für diesen Zeitraum seit 2007, also kurz vor der Immobilienblase.
Schuldenproblem bleibt ungelöst
Neben dem Wohnungsdefizit warnte Escrivá auch vor der hohen Staatsverschuldung Spaniens, die seit fast 15 Jahren bei rund 100 % des BIP liegt. Dies schade der Glaubwürdigkeit des Landes. Er forderte eine fiskalische Konsolidierungsstrategie, die Spanien näher an die Ziele der Europäischen Union bringt.
Mit einem Defizit von 600.000 Wohnungen, steigenden Preisen und wachsendem Druck auf den Arbeitsmarkt bleibt der Immobiliensektor die größte Herausforderung für Spanien im Jahr 2025 – mit direkten Auswirkungen sowohl für Einheimische als auch für ausländische Residenten.
