Nach heftigen Regenfällen mussten in Málaga im August mehrere Strände wegen erhöhter E.-coli-Werte vorübergehend geschlossen werden. Nun soll die Kanalisation der Stadt umfassend modernisiert werden. Getrennte Leitungen, neue Regenrückhaltebecken und Filtersysteme sollen verhindern, dass bei Starkregen verunreinigtes Wasser ins Mittelmeer gelangt.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Málaga will sein Abwassersystem besser gegen Starkregen wappnen. Die Stadt setzt dabei auf eine schrittweise Trennung von Regen- und Abwasser, zusätzliche Entwässerungsanlagen und neue Rückhaltekapazitäten. Hintergrund sind unter anderem die wiederholten Probleme an den Stränden nach heftigen Regenfällen.
Am 15. August sorgte eine starke Gewitterfront erneut für Entlastungen im Kanalnetz. Mehrere Strände mussten daraufhin vorübergehend für den Badebetrieb geschlossen werden. In den betroffenen Gewässern waren erhöhte Werte des Bakteriums Escherichia coli (E. coli) festgestellt worden. Nach weiteren Analysen konnten die Strände wieder freigegeben werden.
Wenn Regenwasser und Abwasser zusammenkommen
Das Grundproblem liegt in der Struktur des Kanalnetzes. In Teilen Málagas werden Regenwasser und Abwasser noch über gemeinsame Leitungen abgeführt. Bei normalen Niederschlägen stellt dies kein unmittelbares Problem dar. Bei außergewöhnlich starken Regenfällen kann die Wassermenge die Kapazität des Systems jedoch übersteigen.
Dann kommen sogenannte Entlastungsbauwerke zum Einsatz. Sie sollen verhindern, dass die Kanalisation überläuft und Straßen oder Gebäude überflutet werden. Gleichzeitig können dabei jedoch Mischwasser und mitgeführte Verunreinigungen ins Meer gelangen.
Genau dieser Mechanismus wurde nach dem Starkregen im August zum politischen Streitpunkt. Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass solche Entlastungen bei intensiven Niederschlägen auch in anderen Küstenstädten vorkommen und dem Schutz vor Überschwemmungen dienen.
Mehr als die Hälfte des Netzes ist bereits getrennt
Nach Angaben von Emasa sind inzwischen rund 55 Prozent des Kanalnetzes in Málaga so ausgelegt, dass Regen- und Abwasser getrennt voneinander geführt werden. Die Stadt will diesen Anteil bis 2029 auf 70 Prozent erhöhen.
Ausgebaut beziehungsweise modernisiert werden unter anderem Leitungen in Salvador Allende, Churriana, Carretera de Cádiz, Palma-Palmilla, La Malagueta und Pedregalejo Alto. Auch der historische Kollektor Carretería im Zentrum ist Teil der Maßnahmen.
Gerade die älteren Stadtteile stellen dabei eine besondere Herausforderung dar. Dort ist die Infrastruktur teilweise Jahrzehnte alt und nicht für die Wassermengen ausgelegt, die bei kurzen, aber sehr intensiven Regenfällen auftreten können.
Millionen für neue Infrastruktur
Die Modernisierung ist Teil des Investitionsplans für die hydraulische Infrastruktur 2024 bis 2029. Nach Angaben von Emasa sind für diesen Zeitraum mehr als 130 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 100,3 Millionen Euro vorgesehen.
In den ersten beiden Jahren wurden bereits 59 Maßnahmen umgesetzt, begonnen oder vertraglich auf den Weg gebracht. Ihr Gesamtvolumen liegt bei rund 50 Millionen Euro. Für die kommenden zwölf Monate sind weitere Ausschreibungen im Umfang von 36,1 Millionen Euro vorgesehen.
Die Projekte reichen von der Erneuerung alter Leitungen bis zum Ausbau der Entwässerung und zur Verringerung des Überschwemmungsrisikos.
Ein großer Regenrückhaltespeicher soll Entlastungen verhindern
Eine der wichtigsten geplanten Maßnahmen betrifft den historischen Kollektor Carretería, der Abwasser aus dem Zentrum in Richtung Hafen führt. Dort soll ein sogenannter Regenüberlauf- beziehungsweise Regenrückhaltespeicher entstehen. Er soll bei Starkregen große Wassermengen vorübergehend aufnehmen. Dadurch könnte verhindert werden, dass das Wasser unmittelbar über Entlastungen ins Meer gelangt.
Zusätzlich sind neue Filtersysteme vorgesehen, die Feststoffe aus dem Wasser zurückhalten sollen. Auch der Ausbau der Regenwasserableitung im Bereich Dos Hermanas gehört zum Maßnahmenpaket. Dort sollen weitere Abschnitte eines Regenwasserkanals gebaut werden.
Nicht nur das Wetter sorgt für Streit
Die wiederholten Strand-Sperrungen haben allerdings eine politische Debatte ausgelöst. Die Opposition wirft der Stadtverwaltung vor, die Modernisierung der Kanalisation nicht schnell genug voranzutreiben.
Die Sozialisten kritisieren insbesondere, dass nach jahrzehntelanger Regierung der Partido Popular noch immer ein erheblicher Teil des Netzes nicht vollständig getrennt sei. Auch die fehlende beziehungsweise unzureichende Kapazität von Regenrückhaltebecken wird kritisiert.
Die Stadtverwaltung weist diese Darstellung zurück und verweist auf die bereits laufenden Investitionen. Emasa betont, dass das Ziel nicht nur darin bestehe, die Leitungen zu trennen, sondern gleichzeitig die Entwässerungskapazität zu erhöhen und die Stadt besser gegen Starkregen zu schützen.
Ein Problem für eine Tourismusmetropole
Für Málaga ist das Thema besonders sensibel. Die Stadt gehört zu den wichtigsten touristischen Zielen Andalusiens und ist gerade in den Sommermonaten auf saubere und zugängliche Strände angewiesen.
Mehrere Badeverbote innerhalb weniger Wochen sind deshalb nicht nur ein Umwelt- und Gesundheitsproblem, sondern können auch das Image der Stadt beeinträchtigen. Im August mussten zeitweise bis zu sechs Strände wegen erhöhter E.-coli-Werte geschlossen werden.
Hinzu kommt, dass der Tourismus die Infrastruktur zusätzlich belastet. Während der Hauptsaison steigt die Zahl der Menschen in Málaga deutlich an. Damit wächst auch die Menge des anfallenden Abwassers.
Málaga will für Extremregen gerüstet sein
Die Stadt setzt deshalb auf eine Kombination verschiedener Maßnahmen: getrennte Kanalnetze, größere Regenwasserleitungen, Rückhaltebecken, modernisierte Pumpstationen und zusätzliche Filtersysteme.
Ob diese Maßnahmen ausreichen werden, wird sich allerdings erst bei den nächsten schweren Regenfällen zeigen. Klar ist bereits jetzt: Für Málaga wird die Modernisierung der Wasser- und Abwasserinfrastruktur zu einer langfristigen Aufgabe.
Denn je stärker kurzfristige Regenfälle ausfallen, desto größer wird der Druck auf ein Kanalnetz, das in Teilen noch aus einer Zeit stammt, in der die heutige Größe und Bedeutung der Stadt nicht absehbar waren.
