3. August 2026
Lesezeit 3 Minuten

Ceuta und Melilla: Warum zwei spanische Städte auf dem afrikanischen Kontinent liegen

Die spanische Stadt Ceuta in Nordafrika Credit Wikipedia

Ceuta und Melilla gehören zu den außergewöhnlichsten Städten Spaniens. Beide liegen geografisch in Nordafrika, sind politisch und rechtlich jedoch Teil Spaniens. Ihre Einwohner sind spanische Staatsbürger, zahlen in Spanien Steuern und wählen bei spanischen und europäischen Wahlen. Doch wie kamen zwei Städte auf dem afrikanischen Kontinent überhaupt zu Spanien? Die Antwort führt mehr als 500 Jahre zurück.

Redaktion Spanien Press

Ceuta und Melilla – Spanien auf afrikanischem Boden

Wer auf eine Landkarte schaut, könnte zunächst überrascht sein.

Ceuta liegt an der nordafrikanischen Küste direkt gegenüber der Iberischen Halbinsel und nur wenige Kilometer von der Straße von Gibraltar entfernt.

Melilla befindet sich weiter östlich an der Mittelmeerküste Nordafrikas.

Beide sind heute autonome Städte Spaniens und damit auch Teil der Europäischen Union.

Ihre Geschichte begann allerdings lange vor der Entstehung der heutigen europäischen Staaten.

Ceuta – eine Stadt mit mehr als 2.000 Jahren Geschichte

Ceuta ist wesentlich älter als Spanien oder Marokko in ihrer heutigen Form.

Bereits in der Antike war die strategisch gelegene Region bekannt. Phönizier, Karthager und Römer hinterließen hier ihre Spuren.

Unter dem Römischen Reich entwickelte sich die Stadt, damals als Septem bekannt, zu einem wichtigen Standort an der Straße von Gibraltar.

Nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches wechselten die Herrscher mehrfach. Vandalen, Byzantiner und später muslimische Dynastien kontrollierten die Region.

Die Lage zwischen Mittelmeer und Atlantik machte Ceuta über Jahrhunderte zu einem strategisch bedeutenden Handels- und Militärstandort.

1415 beginnt Ceutas portugiesische Geschichte

Der entscheidende Wendepunkt kam im Jahr 1415.

Unter König Johann I. eroberte Portugal Ceuta.

Damit begann eine dauerhafte iberische Herrschaft über die Stadt, die bis heute anhält.

Ceuta war zunächst portugiesisch und wurde zu einem wichtigen Stützpunkt Portugals in Nordafrika.

Wie Ceuta schließlich spanisch wurde

Im Jahr 1580 wurden die Kronen Spaniens und Portugals unter König Philipp II. vereinigt.

Diese sogenannte Iberische Union bestand bis 1640.

Als Portugal anschließend seine Unabhängigkeit von der spanischen Krone wiederherstellte, blieb Ceuta jedoch auf der spanischen Seite.

Die Einwohner und lokalen Eliten der Stadt entschieden sich dafür, weiterhin mit der spanischen Krone verbunden zu bleiben.

Im Vertrag von Lissabon von 1668 erkannte Portugal schließlich offiziell die spanische Souveränität über Ceuta an.

Seitdem gehört die Stadt zu Spanien.

Ceuta blickt damit auf mehr als 600 Jahre ununterbrochene iberische Herrschaft zurück – zunächst portugiesisch und später spanisch.

Melilla wurde 1497 spanisch

Melillas Geschichte verlief anders.

Auch diese Stadt besitzt eine sehr viel ältere Vergangenheit. Bereits Phönizier und Römer siedelten in der Region. In der Antike war die Stadt unter dem Namen Rusadir bekannt.

Im Laufe der Jahrhunderte stand das Gebiet unter der Kontrolle unterschiedlicher nordafrikanischer Herrschaften und Dynastien.

Der entscheidende Moment kam im Jahr 1497.

Damals wurde Melilla von Truppen unter Führung von Pedro de Estopiñán im Auftrag des Herzogs von Medina Sidonia eingenommen.

Die Stadt wurde anschließend in den Herrschaftsbereich der Krone von Kastilien integriert.

Damit begann die spanische Geschichte Melillas vor mehr als 500 Jahren.

Melilla blieb über Jahrhunderte spanisch

Anders als große Teile Nordmarokkos wurde Melilla später nicht Bestandteil des spanischen Protektorats in Marokko.

Das ist ein wichtiger historischer Unterschied.

Spanien errichtete erst im 20. Jahrhundert ein Protektorat über Teile Nordmarokkos. Melilla gehörte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits seit Jahrhunderten zu Spanien.

Als das spanische Protektorat 1956 endete, blieb Melilla deshalb spanisch.

Dasselbe galt für Ceuta.

Was geschah 1956?

Das Jahr 1956 ist entscheidend für das Verständnis der heutigen Landkarte.

Damals endeten das französische und das spanische Protektorat, und Marokko erlangte seine vollständige Unabhängigkeit.

Ceuta und Melilla wurden jedoch nicht Bestandteil des neuen unabhängigen marokkanischen Staates.

Aus spanischer Sicht war der Grund historisch eindeutig: Beide Städte gehörten nicht zum Protektorat, das Spanien nun aufgab.

Ceuta war bereits seit Jahrhunderten spanisch.

Melilla ebenfalls.

Waren Ceuta und Melilla also schon spanisch, bevor es Marokko gab?

Hier muss historisch genau unterschieden werden.

Die oft gehörte Aussage, Ceuta und Melilla seien „älter als Marokko“, ist zu stark vereinfacht.

Lange vor der Unabhängigkeit von 1956 existierten auf dem Gebiet des heutigen Marokko verschiedene Sultanate, Königreiche und Dynastien.

Marokko besitzt also selbstverständlich eine jahrhundertealte Geschichte.

Richtig ist hingegen:

Ceutas dauerhafte iberische Geschichte begann 1415.

Melilla steht seit 1497 unter spanischer Herrschaft.

Das heutige unabhängige Königreich Marokko entstand 1956 nach dem Ende der französischen und spanischen Protektorate.

Genau diese Unterscheidung ist historisch entscheidend.

Von Festungen zu modernen spanischen Städten

Über Jahrhunderte waren Ceuta und Melilla vor allem militärisch geprägte Grenzstädte.

Mit der Zeit entwickelten sie sich jedoch zu normalen urbanen Zentren mit einer außergewöhnlich vielfältigen Bevölkerung.

Christliche, muslimische, jüdische und hinduistische Gemeinschaften haben insbesondere die jüngere Geschichte der beiden Städte geprägt.

Heute verfügen Ceuta und Melilla jeweils über ein eigenes Autonomiestatut.

Seit 1995 besitzen beide offiziell den Status einer Ciudad Autónoma, einer autonomen Stadt Spaniens.

Sie gehören damit politisch und institutionell vollständig zum spanischen Staat.

Mehr als 500 Jahre gemeinsame Geschichte mit Spanien

Ceuta und Melilla wirken auf der Landkarte zunächst wie geografische Ausnahmen.

Historisch lässt sich ihre heutige Situation jedoch nur verstehen, wenn man mehrere Jahrhunderte zurückgeht.

Ceuta begann seine dauerhafte iberische Geschichte im Jahr 1415, zunächst unter portugiesischer und später unter spanischer Herrschaft.

Melilla wurde 1497 in den kastilisch-spanischen Herrschaftsbereich integriert.

Beide Städte blieben spanisch, als die europäischen Protektorate über Marokko im Jahr 1956 endeten.

Ihre Lage in Afrika mag außergewöhnlich sein.

Ihre Verbindung zur Geschichte Spaniens ist es längst nicht mehr: Sie reicht mehr als fünf Jahrhunderte zurück.

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