3. August 2026
Lesezeit 3 Minuten

Überraschende Studie: Sechs von zehn Spaniern würden ihre Region wechseln – doch wohin zieht es sie?

Spanier gelten als eng mit ihrer Heimat, ihrer Familie und ihrer Region verbunden. Umso überraschender ist das Ergebnis einer aktuellen Studie: 63 Prozent der Spanier wären bereit, in eine andere Autonome Gemeinschaft umzuziehen, wenn sie ihren Wohnort frei wählen könnten. Und bei der Frage nach dem Traumziel zeigt sich ein besonders interessantes Bild: Vor allem Andalusien übt auf Bewohner anderer Regionen eine große Anziehungskraft aus

Redaktion Spanien Press

63 Prozent würden einen Umzug in Betracht ziehen

Wie zufrieden sind die Spanier eigentlich mit dem Ort, an dem sie leben?

Dieser Frage ist die aktuelle Studie „Preferencias residenciales de los españoles“ der Grupo Mutua Propietarios nachgegangen.

Das Ergebnis überrascht: 63 Prozent der Befragten geben an, dass sie bereit wären, in eine andere Autonome Gemeinschaft Spaniens umzuziehen, wenn sie frei entscheiden könnten, wo sie leben möchten.

Damit könnten sich fast zwei von drei Spaniern grundsätzlich vorstellen, ihre derzeitige Region zu verlassen.

Allerdings bedeutet das nicht, dass tatsächlich 63 Prozent der Bevölkerung konkret einen Umzug planen.

Die Studie untersucht vielmehr, wo die Menschen gerne leben würden, wenn persönliche, berufliche oder finanzielle Hindernisse keine Rolle spielten.

Spanien bleibt für die meisten die erste Wahl

Trotz der hohen Bereitschaft zu einem regionalen Wechsel möchten die meisten Spanier ihrem Land treu bleiben.

66 Prozent würden Spanien als bevorzugtes Land zum Leben wählen.

Wer sich einen Umzug ins Ausland vorstellen kann, blickt vor allem nach Europa. 17 Prozent nennen ein anderes europäisches Land als mögliche Alternative.

Andere Kontinente spielen dagegen eine deutlich kleinere Rolle: Südamerika erreicht drei Prozent, Nordamerika und Asien jeweils zwei Prozent und Afrika ein Prozent.

Die Spanier sind also durchaus bereit, ihren Wohnort zu verändern – aber am liebsten innerhalb Spaniens oder zumindest innerhalb Europas.

Junge Spanier sind deutlich mobiler

Besonders deutlich werden die Unterschiede zwischen den Generationen.

Bei den 18- bis 24-Jährigen können sich 41 Prozent vorstellen, in einem anderen Land zu leben.

Bei Menschen über 65 sieht die Situation völlig anders aus.

Drei von vier Befragten dieser Altersgruppe würden Spanien als Wohnort bevorzugen.

Je jünger die Spanier sind, desto größer scheint damit die Bereitschaft zu sein, für einen neuen Lebensabschnitt auch die Heimat zu verlassen.

Andalusien zieht Menschen aus vielen Regionen an

Besonders interessant wird die Studie bei der Frage, welche spanischen Regionen als mögliche neue Heimat attraktiv sind.

Dabei zeigt sich: Andalusien gehört für Bewohner verschiedener Autonomer Gemeinschaften zu den begehrtesten Zielen.

Besonders ausgeprägt ist der Wunsch bei Menschen aus Extremadura. 25 Prozent der Extremadurer, die über eine andere Region nachdenken, würden Andalusien wählen.

Auch 20 Prozent der Murcianer und 17 Prozent der Bewohner Kastilien-La Manchas blicken Richtung Süden.

Selbst in Madrid steht Andalusien ganz oben auf der Wunschliste: 15 Prozent der Madrilenen würden sich bei einem möglichen Wechsel für Andalusien entscheiden.

Danach folgen bei den Madrilenen die Comunidad Valenciana mit zehn Prozent, Kastilien und León mit acht Prozent sowie die Kanarischen Inseln und Balearen mit jeweils sieben Prozent.

Und wohin würden die Andalusier selbst ziehen?

Hier wird die Untersuchung besonders spannend.

Während Andalusien für viele Menschen aus anderen Teilen Spaniens ein Traumziel ist, schauen die Andalusier selbst überraschenderweise vor allem in den Norden.

Asturien steht mit acht Prozent an erster Stelle, gefolgt von Galicien mit sechs Prozent.

Die Kanarischen Inseln und Madrid erreichen jeweils fünf Prozent.

Offenbar funktioniert die Sehnsucht nach einem anderen Lebensstil in beide Richtungen: Während Menschen aus Zentralspanien und anderen Regionen von Sonne und südspanischem Lebensgefühl träumen, zieht es manche Andalusier in den grüneren und kühleren Norden.

Asturien und die Kanaren ebenfalls begehrt

Auch andere Regionen profitieren von dieser Lust auf einen möglichen Tapetenwechsel.

Die Asturier selbst zeigen beispielsweise besonderes Interesse an den Kanarischen Inseln. Zehn Prozent würden den Archipel als alternative Heimat wählen.

Bei den Galiciern verteilen sich die Vorlieben gleichmäßig: Andalusien, Asturien und die Kanaren erreichen jeweils acht Prozent.

Damit zeigt die Studie auch, wie unterschiedlich die Vorstellungen vom idealen Wohnort innerhalb Spaniens sind.

Sonne und Meer sind längst nicht für jeden das wichtigste Kriterium.

Warum wollen die Spanier überhaupt umziehen?

Der Wunsch nach einem anderen Wohnort bedeutet nicht automatisch Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben.

Die Autoren der Untersuchung weisen ausdrücklich darauf hin, dass zwischen einem Wunsch und einem tatsächlich geplanten Umzug unterschieden werden muss.

Viele Menschen können sich vorstellen, woanders zu leben, ohne deshalb unmittelbar ihre Koffer zu packen.

Familie, Arbeitsplatz, Immobilienbesitz, finanzielle Möglichkeiten und persönliche Bindungen machen einen tatsächlichen Umzug wesentlich komplizierter als die theoretische Frage nach dem idealen Wohnort.

Gerade deshalb ist das Ergebnis von 63 Prozent bemerkenswert.

Es zeigt weniger eine bevorstehende Massenwanderung innerhalb Spaniens als vielmehr, wie offen viele Spanier inzwischen gegenüber einem Leben in einer anderen Region sind.

Andalusien bleibt ein Sehnsuchtsziel

Besonders auffällig ist dabei die Anziehungskraft Andalusiens.

Für Madrilenen, Extremadurer, Murcianer und Bewohner Kastilien-La Manchas gehört der Süden zu den bevorzugten Alternativen.

Klima, Lebensqualität, Küste, Städte und Lebensstil dürften dabei eine Rolle spielen – wobei die Studie bei den genannten regionalen Präferenzen zunächst vor allem zeigt, wohin die Befragten ziehen würden, nicht automatisch warum sie genau diese Region auswählen.

Und vielleicht liegt genau darin das interessanteste Ergebnis der Untersuchung:

Spanier fühlen sich ihrer Heimat traditionell stark verbunden – doch wenn sie völlig frei entscheiden könnten, würden erstaunlich viele noch einmal ganz neu wählen.

Fast zwei von drei könnten sich vorstellen, dafür sogar ihre Autonome Gemeinschaft zu wechseln.

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